Freitag, 30. März 2018

2018..03.24, Sansibar

Das Haus, das ich für die hässliche hochschwangere Katze gebastelt habe, ist bereits wieder zerstört. Erst habe ich gedacht mutwillig, da wolle mir jemand schaden, habe etwas gegen Katzen. Einen Tag später fehlte das Holzdach, das ich als Regenschutz gebastelt habe, vermutlich brauchte jemand Feuerholz. Heute war auch der verbeulte und vom Zement verschmutzte Kübel, den ich aus dem Lager genommen habe, weg, nur noch der Karton, die Schnur und das Tuch lagen dort. Salum findet das normal, hier werde alles, aber auch wirklich alles was nicht niet- und nagelfest sei gestohlen. Ich müsse das nächste Mal den Kübel vorher durchlöchern. Und Holz liegt wohl sowieso nicht drin.
Dafür freuen mich andere Sachen. Ich sehe heute den Mann, bei dem die Katzenfamilie von Chango lebt. Er bedankt sich nochmals herzlich und sagt, er habe ihn nun ein paar Mal mit seinen Geschwistern spielen gesehen, es freue ihn sehr, dass es ihm so gut gehe. Ich erfahre, dass der etwas kleinere getigerte Kater, mit dem Chango häufig zusammen ist, sein Bruder ist, während die weiss-gefleckten beiden etwas zickigen Damen nicht Schwestern, sonder Stiefschwestern sind. Die Mutter, wirklich eine vorbildliche Mutter, habe zwei fremden Kätzchen erlaubt, mitzutrinken.


Chango neben meinem wild wuchernden Grün, das ich dazu bringen will, über die Brüstung hinauf zu wachsen.
Der einäugige Chango wird auch immer zutraulicher

Gestern habe ich eine weitere Waise heimgeschleppt. Eine kleine schwarz-weiss-rote Katze, eine Glückskatze, lese ich später im Internet, immer Weibchen, da schwarz und rot je auf einem x-Chromosom liegen - weiss gibt es wohl gratis dazu, null Pigmente - ich habe sie täglich auf dem Weg zum Kiponda Lukmaan gesehen. Vor ein paar Tagen ist die Mutter verschwunden. Seither sitzt das Kätzchen täglich apathischer herum. Ich denke, die kleinen Einzelkätzchen verfallen in eine Art Depression, wenn sie viel zu jung plötzlich ganz alleine in der feindlichen verschmutzten Gasse sitzen. Viele Leute verscheuchen sie und von den grösseren Katzen können sie auch nichts Gutes erwarten. Nun ist sie hier und bereits nach einem Tag mit gutem Futter und ein paar Streicheleinheiten hat sie sich wieder sauber geputzt. Doch sie faucht Foro und E.T. noch an. Dafür macht sie erste Spielversuche, ein gutes Zeichen. Und der Tierarzt bestätigt, dass sie mager, aber gesund ist, sie kriegt Entwurmungstabletten.

Häxli, der neuste Fund, eine Glückskatze. Dreifärber, immer Weibchen, sollen einen ganz speziellen Charakter haben, das kann ich bestätigen. Obwohl eigentlich alle Kätzchen einen sehr eigenen Charakter haben und unverwechselbar sind.

2018.03.23, Sansibar

Innenhof mit Mückenfalle im Vordergrund
Deddy, der ehemalige Besitzer des neuen Hauses, hat endlich die zwei grossen Erdgeschossräume geleert. Das hilft mir, die Grundrisspläne fertig zu zeichnen. Daneben können unsere Handwerker mit ihren Sachen nun hinaus zügeln, dann werden zwei riesige Räume frei und meine Kätzchen haben nicht nur den Innenhof als Quartier. Schon bald sollen diese Räume ebenfalls bezogen werden. Salum erzählt mir, dass er angefragt wurde, ob er Agent für Äthanolöfen werden wolle. Er habe abgelehnt, 700.- Dollar Investition sei ihm zu viel, doch nun möchten sie die Räume bei uns mieten. Die UNESCO macht in Sansibar ein Programm, das unter Klimaschutz läuft. Äthanolöfen sollen verkauft werden und die Kohle- und Holzkocher, die vielfach noch verwendet werden, verdrängen. Äthanol wird aus Abfall der Zuckerrohrindustrie gewonnen, eine Anlage in Mahonda ist bereits in Betrieb. Ofen und Äthanol sollen günstig verkauft werden.


Diese simple biologische Mückenfalle habe ich nach der Anleitung der Managerin vom Emerson Hotel gebastelt. Auf meine Frage, wie sie das machten, dass sie in ihrem kühlen und lauschig bewachsenen Innenhof keine Mücken hätten, hat sie mir ihre Konstruktion gezeigt. Wasser einfüllen und alle 3 Tage auswechseln. Offensichtlich lieben die Mücken diese dunklen Orte und benutzen sie freudig als Brutstätte.
Übrigens stimmt es doch, dass Pflanzenbewuchs Mücken anzieht, wie das die Einheimischen behaupten. Im Internet erfahre ich, dass sich die Mücken hauptsächlich von Pflanzensaft, insbesondere von Nektar, ernähren. Einzig für die Eiern brauchen die Weibchen eine Blutmahlzeit.


2018.03.22; Sansibar

Ereignisreiche Tage. Letzte Nacht kam der neue Lukmaan Manager aus Österreich hier an, er hat die Erdgeschosswohnung bezogen. Das ist gut und schlecht. Einerseits muss ich nun entweder um den halben Häuserblock herum laufen um meine Kätzchen im Erdgeschoss zu besuchen, oder quer durch Salum und Mgenis Wohnung gehen. Beides suboptimal. Zum Glück sitzt mir die E.T. gerne auf die Schulter, sie springt nicht hinunter, den Foro kann ich dann gut in den Armen transportieren. Sie scheint sehr stolz zu sein dort oben, genau wie Chango stolz ist, als einziger ins Haus hinein zu dürfen, seine Geschwister, vor allem die stinkfrechen Schwestern, jage ich immer hinaus. Oder interpretiere ich da etwas, das es so im Tierreich nicht gibt? - Der gute Teil dieser Änderung. Das Risiko, dass sich die Winzlinge bei mir oben einnisten ist damit gedämmt. Es hätte nur noch wenig gedauert, bis sie es geschafft hätten, die ganze Treppe zu mir hinauf zu kommen.

Strassenarchitektur. Meine neuste Kreation, ein Gebärhaus für Katzen.
A propos wohnen. Seit drei Tagen ist eine unheimlich dicke hochschwangere Katze immer bei der hinteren Türe, ich denke, sie möchte hinein kommen zum Gebären. Doch ist das nicht möglich, im Erdgeschoss kann man nicht einfach ein Fenster offen lassen, denn sonst haben wir bald Duzende von Katzen im Haus. Ich habe deshalb mit Sachen, die im Erdgeschoss herum lagen, ein regensicheres Hütchen gebastelt für die Mutter. Allerdings ist sie wirklich riesig, ich bin nicht sicher, ob sie dort gebären kann. Doch als Aufzuchtsort für Kätzchen ist es sicherlich geeignet, mindestens meine zwei Kleinen haben es sofort als Spielhütte entdeckt. Die werdende Mutter hat ihnen dabei zugeschaut, hoffentlich hat sie kapiert. Das Häuschen hat weiter den Vorteil, dass es hier im Strassenbild nicht auffällt. Ganz normaler Abfall.

Sonntag, 25. März 2018

2018.03.20, Sansibar

Nach der frustrierenden Sitzung von gestern Abend gehe ich erst einmal ins Serena Hotel einen Gin Tonic trinken. Der kostet dort, in gediegener Atmosphäre und mit bester Bedienung genau gleich viel wie in irgend einem anderen Lokal. Das *****Hotel scheint die Nebensaison zu spüren, ich bin der einzige Gast.

Abendstimmung beim Serena Hotel
Anschliessend spaziere ich durch die Forodhani Gardens nach Hause, der Rummel dort hat noch nicht begonnen, es ist zu früh. Unter einem Gebüsch sehe ich ein kleines Kätzchen ganz allein, auch es ist einäugig oder, vielleicht auch nur stark verschmutzt, die eine Hälfte des Gesichts ist braun verkrustet. Spontan entscheide ich, dass dies der Spielgefährte von E.T. wird, wenn ich schon eine einäugige Katze habe, dann können es auch noch zwei werden.
Der Kleine, es ist ein Bub, ich werde ihn „Foro“ nennen, so wie die Leute hier zärtlich die Gärten benennen, beginnt in meinen Armen sofort zu schnurren, als Kätzchen aus dieser Essbudenstätte, ist er sich Leute gewohnt. 

E.T. oben und Foto darunter. Bei den Katzen herrscht eindeutig das Matriarchat.

Bereits sehr relaxed, der kleine Foto, ein süsser Kerl. Ich hoffe, das mit dem Auge kommt wieder gut bei sorgfältiger  Pflege.

E.T. reagiert freudig auf den Neuen und springt ihn sofort an und will spielen, der Kleine reagiert darauf, doch ist er noch lange nicht so fit. Er möchte vor allem essen, seinen neuen Ort erkunden und bei mir schmusen, er scheint die Mutter zu vermissen. War er wohl wirklich ganz alleine oder war da noch eine Mutter, die einfach gegen diese Verschmutzung, jemand muss ihm etwas, ich hoffe nicht Fett, über den Kopf geleert haben, hilflos? Der Tierarzt Rama kommt heute die beiden Kleinen anschauen und gegen Würmer behandeln. Und gegen alles andere, was notwendig scheint.


Freitag, 23. März 2018

2018.03.19, Sansibar

Übermorgen wird der Sansibari, der in Österreich verheiratet ist und Manager vom Lukmaan werden soll, hier ankommen. Ich bin etwas erstaunt, wurde ich doch nicht mehr informiert, dabei bin ich es, die die ersten drei Monatssaläre bezahlt.
Ajba sitzt nun jeden Tag im Mkunazini Lukmaan, sie ist eine recht gute Gastgeberin geworden und nörgelt nicht mehr nur dauernd an den Angestellten herum, sie scheint ihre Berufung gefunden zu haben. Stolz erzählt sie mir, dass sogar berühmte Schauspieler und Minister im Lukmaan essen kämen. Salum sah ich gestern Nachmittag, er hatte alle Angestellten versammelt. Er erzählte mir, dass er ihnen vom neuen Management erzählt habe. Nur deshalb weiss ich nun, dass der zukünftige Manager übermorgen hier ankommt.



Aber das passt recht gut zu der GV, die ich heute mit Hifadhi hatte, der Gesellschaft zur Rettung der Stone Town Häuser, es war das erste Mal seit drei Jahren, dass ich auch dabei war. Offensichtlich bin ich überhaupt nicht mehr auf dem Laufenden über die Leute, die nun das Sagen haben, einzig Muhammad, der mich ja auch dazu gebracht hat, dort einen Anteilsschein zu kaufen, kenne ich. Als ich an der Sitzung, offizieller Termin 16 Uhr, auftauchte, war die bereits voll im Gang. Ich war etwas erstaunt, gehöre ich doch normalerweise immer zu den ersten hier. Dann bemerkte ich, dass die anderen bereits auf eine frühere Zeit  eingeladen wurden, die nennen sich „board“, ich nehme an, das soll etwas wie Verwaltungsräte heissen, ich bin die einzige „nur“Inhaberin von Anteilscheinen und deshalb erst auf später eingeladen wurde. Obwohl ich im Moment sehr wichtig bin, denn eigentlich wollte man mir die vollen Reise- und Aufenthaltsspesen von Berend, dem holländischen Architekten und Berater von Hifadhi aufhalsen, plus zusätzlich ein Honorar von 400.- täglich. Ich fand das zu teuer, schliesslich geht es erst darum zu schauen, ob ich überhaupt mit Hidfadhi den Umbau der neuen Liegenschaft angehen will, denn auch Salum findet, dass es diesmal einen Architekten brauche, er sei überfordert. Nach Beratung mit Muhammad einigte ich mich direkt mit dem Architekten auf je die Hälfte der Spesen und kein Honorar so lange kein Auftrag, denn schliesslich bin ich ja auch Teilhaberin von Hifadhi und deshalb daran interessiert, dass es weiter geht. Jetzt, wo offensichtlich die holländische Botschaft nach 5 ergebnislosen Jahren, das ganze Projekt finanziell nicht mehr unterstützen will, die haben bisher die Reisen der Berater bezahlt. Auch die zwei Grossaktionäre Bahreza und Nicolas von der „Coastal Airlines“ - inzwischen bei einem Flugzeugabsturz tragisch ums Leben gekommen - haben ihr Sponsoring aufgehört, wir alle möchten jetzt einmal Resultate sehen.


Aussicht von dem Haus in Kiponda, dem ersten realistischen Projekt  von Hifadhi - Behrend soll deswegen nach Sansibar kommen - Richtung Mizengani Seafront Hotel und Richtung unser Haus.
Mir ist das ganze langsam äusserst suspekt, das Vertrauen fehlt. Mit Muhammad hätte ich gerne noch gesprochen, doch der verreist direkt aus der Sitzung für drei Wochen zu seiner Frau nach Frankreich. Muhammed will immer alles und überall dabei sein, doch fehlt ihm die Zeit und vielleicht auch die Ausdauer, die Sachen dann auch zu überwachen und zu Ende zu führen.

Mittwoch, 21. März 2018

2018.03.15, Sansibar


Ich raffe mich endlich wieder auf, Sachen zu machen. Will etwas fertig nähen und benutze erstmals die frisch reparierte Maschine. Schon bei der zweiten Naht blockiert sie. Wütend schraube ich das ganze Gehäuse auseinander. Erstaunlich einfach, was dahinter steckt. Ich entstaube, betätige die verschiedenen Schalter und schaue was passiert und bringe etwas Öl an verschiedenen Stellen an. Dann setze ich das ganze wieder zusammen, keine Schraube fehlt, und erst jetzt realisiere ich, dass bei diesen Blockierungen eigentlich immer nur ein Schalter falsch eingestellt war, den ich unbemerkt betätigt haben muss. Ich bin etwas stolz auf das Gelingen meiner Prozedur und denke, dass der Handwerker, der die Maschine normalerweise flickt, das wohl  schon lange bemerkt hat, mir aber nie gesagt hat, weshalb die Maschine regelmässig blockiert.

Handbemalte Bodenplatte  mit Holzimmitat auf Holz
Ein zweites Erfolgserlebnis habe ich, als ich das Plattenstück im Boden der Erdgeschosswohnung  mit Ölfarbe bemale. Es wird benötigt, weil der Zugang zu einer Leitung gewährt bleiben muss. Ich imitiere das Holzimitat. In erstaunlich kurzer Zeit gelingt mir ein gutes Resultat.

Weniger erfolgreich sind die zwei Telefonate. Sarah hat wenig Verständnis für meine Zweifel an Dr. Rama und scheint keine Freundin der Holländerin zu sein. Umgekehrt scheint mir diese Anna doch eine recht unausgeglichene Frau, ob da eine Zusammenarbeit Sinn macht? Ich erfahre auch, dass sie die Besitzerin und Betreiberin der Tierfarm ist, jedoch von der Organisation, die sich worldwidevets.com nennt und eine tolle Website im Internet hat, ihre Volunteers bezieht. Worldvidevets besteht aus einer einzigen Person, Danielle Toll, die diese Volunteers übers Internet organisiert - die bezahlen pro Woche 450.- Dollar, für längere Zeiten ist es günstiger. Ich frage mich nun, wie dieses Geld verteilt und verwendet wird. Das ganze Geschäft mit Freiwilligenarbeit ist mir doch recht suspekt. Eigentlich würde ich viel lieber erst nach tierliebenden jungen Einheimischen suchen und die dann von Anna, beziehungsweise deren Tierarzt zum Fangen und zur Pflege ausbilden lassen und sie auch entlöhnen.

Freitag, 16. März 2018

2018.03.14, Sansibar

Die Erdgeschosswohnung ist endlich fertig renoviert und eingerichtet, Salum möchte sie möbliert an Ausländer vermieten. Ich habe darauf gedrängt, denn ich finde, da müsste endlich auch einmal etwas Geld herein kommen. Er hat alles - mindestens ästhetisch - sehr perfektionistisch gemacht, da gab es immer wieder ein Detail zu verbessern, ich dachte, das nehme kein Ende.

Salum hat die Erdgeschosswohnung nach seinem Geschmack renoviert, ich finde, etwas schweizerisch, doch das kann schon gefallen. Doch bin ich immer noch nicht überzeugt, dass sich Mzungus finden lassen für eine Erdgeschosswohnung in einem doch recht populären Quartier.
Das grosse Fenster und die Türe gehen direkt auf das Gässchen hinaus, da muss man schon Kontakt mit Einheimischen mögen.
Theresia hat geputzt und vorbereitet, ihre Spezialität ist das Drapieren der Moskitonetze.


2018.03.13, Sansibar

Chango nimmt den Platz ein, der frei geworden ist
Chango steht plötzlich im Zimmer neben dem Bett. „Chongo“, der Einäugige, kein schönes Wort findet Salum - Chango also, das tönt für mich gut, ein afrikanischer Donnergott - drängt darauf, Jojos Platz einzunehmen. Bereits als er noch lebte, ist er manchmal kurz hinauf gekommen.  Er ist aber nie geblieben, er hat Jojos Territorium respektiert. Das ist nun frei. Eigentlich möchte ich das nicht, ich nehme etwas Futter und versuche ihn ins Erdgeschoss zu locken. Doch nein, er legt sich auf die Terrasse, will kein Futter. Gestern noch dachte ich, wenigstens diese Geschichte habe ein Happyend gefunden. In der vorderen Nacht wollte er hinaus zu seinen Geschwistern und ist dann nicht zurück gekommen. Am nächsten Tag habe ich ihn bei den Leuten gefunden, die diese Katzenfamilie füttern. Er war dort zusammen mit einem Geschwister im Hof, der zur Strasse hin vergittert ist. Gestern Abend, als ich im Erdgeschoss den Winzling pflegte, hörte ich plötzlich sein Miauen vor der Tür und habe geöffnet. Und jetzt ist er wieder drin. Ich habe ihn zwar heute Morgen nach dem Füttern hinaus gelassen und gedacht, er komme dann am Abend zurück, doch ist er offensichtlich bereits jetzt wieder herein gekommen, als die Handwerker unten die Türe öffneten.
Die kleine E.T., sie läuft nur mit drei Beinen, eines scheint gelähmt zu sein, und der einäugige Chango leben nun im  Haus. Wobei E.T. im Erdgeschoss lebt, ich gehe sie nur mehrmals täglich besuchen und füttern. So wie das Katzenmütter auch machen.
Auch Chango wird wohl bald den Weg in mein Bett schaffen, selbst Jojo habe ich eine Weile abgewehrt, und der Winzling unten, wahrscheinlich ein Mädchen, schafft es bestimmt auch noch hinauf in die Wohnung. Dabei will ich nun wirklich keine Beziehungen mehr aufbauen zu Tieren. Mindestens keine solchen wie zu Jojo. Doch irgendwie scheinen die Katzen Mitgefühl enorm gut zu spüren. Vielleicht Tiere überhaupt. Und vielleicht fühlen sie auch, dass es mir nicht gut geht, denn Tiere sind sensibel.

Chango benimmt sich typisch afrikanisch. Hier wird jeder Platz, der im Moment nicht besetzt ist, von jemandem eingenommen. All die Handwerker, die sich auf öffentlichen Plätzen oder in Gebäuden einnisten, etwa im „House of Wonders“, das wegen Einsturzgefahr geschlossen ist. Auch privates Eigentum ist beliebt, System Squatter.  Salum hat  den Schreiner Mnjomba sich im Erdgeschoss einnisten lassen, ab und zu hilft er uns etwas. Er ist jedoch weder Bau- noch Möbelschreiner, seine Spezialität sind Schnitzereien. Nur leider macht er nun immer häufiger grosse Sachen mit der Motorsäge, der Lärm ist unerträglich, denn Mnjomba ist ein fleissiger Arbeiter, der wenig Pausen macht. Mir gefallen seine neuen Arbeiten nicht mehr, Dekorationswände für Läden, keine sorgfältige Arbeit. Wohl auch deshalb nervt mich der Lärm. - Salum beschwert sich vor allem über all den angesammelten Plunder, jetzt wo das Erdgeschoss fertig wird. Bald schon soll alles ins neue Haus gezügelt werden, dort wird ja vorerst nicht gross renoviert. Was mir aber nicht besonders gefällt ist, dass der Lärm dann dort weiter geht.

Die Handwerker, die Glasvitrinen basteln - ein grosses Geschäft jetzt mit all den neuen Restaurants - benutzen unsere grosse Baraza ebenfalls ohne zu fragen. Auch sie machen Krach, nur sind sie längstens nicht so fleissig. Salum beklagt sich, dass sie die steinerne Sitzbank beschädigten und verschmutzen. - Doch direkt dagegen unternehmen tut er nichts. Er will mit dem Nachbarn sprechen, der sie beherbergt. Oder duldet. Salum weicht allen Konfrontationen aus.


Dienstag, 13. März 2018

2018.03.12, Sansibar

Salum hat mir schon den nächsten Fall unten ins Erdgeschoss gelegt, eine arme süsse Waise die Hilfe braucht, und irgendwie hilft das auch mir, doch des nachts kann ich trotzdem nicht schlafen. Nun vor allem diese Schuldgefühle. Nicht kapiert zu haben, als er nach dem  Erwachen aus der Narkose seine Zunge ausspucken wollte, die war ihm im Weg, dann hat er nochmals erbrochen, wackelig war er auch. Ich kann mich noch gut erinnern, ich bin ihm überall hin gefolgt, weil ich Angst hatte, er könne irgendwo hinunter fallen. Aber kapiert habe ich nichts. Auch nicht, als er plötzlich nach drei Tagen seine normale Nahrung verweigerte, ich habe ihn mit Leckerbissen verführt. Schon gedacht, ich sollte den Tierarzt rufen. Aber dann eben auch wieder, nein, nun bin ich schon so weit, wie die Mgeni unten, die zweite Frau vom Salum, die mit ihren Kindern wegen der kleinsten Unpässlichkeit ins Spital rennt. Weitere zwei Tage habe ich gewartet, bis mir klar war, dass da wirklich etwas nicht stimmt. Und da war es zu spät. Nichtwissen ist auch eine Schuld.

Der namenlose Kleine

Nicht eingreifen ebenfalls, bei allem, was man sieht das schlecht ist. So hasse ich es, dass die kleinen Knaben hier mit Stecken die Katzen jagen. Gestern wieder habe ich erlebt, wie eine Katzenmutter in panischer Angst davon gerannt ist. Und die Knaben wollten zu dem ganz jämmerlich miauenden Kleinen. Ich habe sie ausgeschimpft, ja sie hätten Katzen nicht gern, meinten sie. Ich sagte ihnen, dass sie „mbaya sana“, sehr böse seien. Sie waren dann doch etwas irritiert und haben einen Mann, der herum stand gefragt. Der meinte, eher widerwillig, wohl wegen mir, sie sollten aufhören. Genau so entstehen all die Katzenwaisen, so verlieren die Mütter ihre Kleinen, die dann jämmerlich verenden. - Umbringen tun die Einheimischen die Katzen übrigens nicht. Sie geben sich auch Mühe, sie nicht zu überfahren. Nicht immer aus Liebe zu den Tieren. Vielmehr, weil sie glauben, dass es Unglück bringe, eine Katze zu töten. Das sei nicht der Islam, meint Salum, das sei Aberglaube. Immerhin scheint der Mohammed ein grosser Katzenliebhaber gewesen zu sein.

Dann wieder die Wut gegen den Tierarzt. ER musste das wissen. Weshalb hat er trotzdem operiert?

Salum meint, Schicksal sei das, ich dürfe mir da keine Vorwürfe machen. Im Islam glaubt man, dass das ganze Leben im voraus bereits in einem Buch festgeschrieben ist. Und solange man nicht mit böser Absicht etwas tue, sei das eben etwas, das man gar nicht habe verhindern können.
Und Ueli aus Myanmar meint, meine Geschichte erinnere ihn an eigene Geschichten, wo er glaubt, einen fatalen Fehler gemacht zu haben.  Dann jeweils sinniere er über das chinesisch-taoistische Wu-Wei nach - das “Nicht-Handeln” und die Kunst, so zu leben. Ohne einzugreifen die Dinge in ihrer richtigen Art und ihrer Natur entsprechend sich entwickeln zu lassen, “Sachen zu machen ohne zu handeln”. So lernen wir auf dem Weg der Konsequenzen und Handlungen….und wann wir lernen können und müssen wissen wir oft nicht.


2018.03.11, Sansibar


Ich erwache, nachdem ich spät eingeschlafen bin, aus einem Traum, der bereits entwichen ist, mit einem unerträglichen Schuldgefühl. Ich, ich bin schuld am Tod dieses lebenslustigen allerwitzigsten aller Tiere. ICH bin schuld an Jojos Tod. Ich habe eingewilligt, ihn auch ohne zu fasten kastrieren zu lassen. Das war mir ehrlich gesagt ganz recht, denn meinem Liebling war ja schwer zu erklären, weshalb es kein Znacht und kein Frühstück gab. Nichtwissen ist auch eine Schuld, ich hätte mich besser erkundigen müssen. Und der Tierarzt Rama kriegt plötzlich eine hässliche Fratze. Wie sollen wir so noch zusammen arbeiten?


Zumal ich gestern Jojo auf dieser Farm der geschundenen Tiere abholen gegangen bin. Und dabei die Holländerin Anna kennen gelernt habe. Leicht verwahrlost lebt sie dort zwischen Eseln, Hunden und Katzen, die Glück hatten und ein neues Zuhause gefunden haben. Wir hatten Mühe, diesen Ort - zwar nicht weit von der Stadt entfernt, aber entfernt von der Hauptstrasse verborgen - zu finden. Typisch scheint mir das. Die Einheimischen müssten doch den Weg dorthin kennen. - Erschwerend ist sicher, dass dieses Gebiet in letzter Zeit sehr rasch ohne Erschliessung neu besiedelt worden ist und es kaum alteingesessene Bewohner gibt.
Vielleicht könnte Ana, mit ihrem Tierarzt und ihren voluntiers - hier läuft alles nur mit Freiwilligen - mich mit der Katzenklinik unterstützen. Sie hat alles mit den Behörden bereits geregelt, führt auch Buchhaltung und bezahlt Steuern, denn sie hat vier Leute fest angestellt. Und hofft immer, dass ihre voluntiers die Medizin selber mitbringen können, denn bereits das Essen für alle Tiere ist teuer.
es hat wieder etwas Regnet gegeben. Die Luft ist frischer und der Himmel schwer
Doch, sie könne sich vorstellen, eine Anlaufstelle in der Stadt zu haben, wenn sie welche habe, könnten ihre Freiwilligen für die Tiere schauen. Die Medikamente müsse ich jedoch selber besorgen. Das Futter auch, nein nach zwei Tagen dürfe man die nicht bereits wieder aussetzen, die müsse man schon zwei Wochen behalten. Medikamenten- und Materialkosten pro Katze würden rund 10‘000.- TS betragen. Den Rama, den kenne sie gut, aber der mache mache das natürlich nicht gratis. - Nein, tut er nicht, merke ich, er hat mir 30‘000.- gesagt pro Tier, für Verbandszeug, Rasur etc., nein, er wolle dabei nichts verdienen. Bei 8 Tieren pro Wochenende hätte das bereits 160‘000.- gemacht. Kein schlechtes Tageseinkommen hier. Ist Rama also auch nur einer, der von den gutmeinenden - vor allem mitleidenden - Mzungus profitieren will? Wie das hier allgemein üblich ist rund um das Helferbusiness? Bereits seinen Kostenvoranschlag für die Käfige habe ich zu teuer gefunden und zurück gewiesen. Wir haben uns dann nach Absprache mit Salum, der von solchem mehr versteht, auf einen tieferen Preis geeinigt.

warten auf die Fischabfälle
Das Vertrauen in ihn ist dahin. Und es folgt auch Wut darüber, dass mein Jojo nun tot ist. Selbst wenn er es einfach nicht besser wusste. Solch ein wunderbares Wesen haben wir sinnlos umgebracht. - Trotzdem wäre es wohl richtig, Rama in das Projekt einzubeziehen, denn er arbeitet für die Regierung und mindestens die Tollwutimpfung hätten wir so gratis. Nein, auch den Impfstoff gäbe man ihr nicht gratis, meint Ana. Obwohl die Regierung ein Tollwutimpfprogramm hat und dabei von Südafrika unterstützt wird. Möglichst alle, auch die streunenden Tiere, sollen durchgeimpft werden um die Seuche in den Griff zu kriegen.


Sonntag, 11. März 2018

2018.03.09, Sansibar


Heute ist das wundervolle, witzige aber zarte Leben von Jojo bereits wieder erloschen. Ich verstehe das noch kaum, ein riesiges brennendes Loch ist in mir. - Dabei haben wir uns doch gar nicht so lange gekannt, seit dem 29. Oktober genau, also erst rund fünf Monate. Doch es war eine sehr intensive Zeit und eine "Amor Fou", etwas, das mich vollkommen überrumpelt hat, mit dem Flan war das nicht von Anfang an so, da ist die Liebe langsam gewachsen. Mit Jojo absolut stürmisch, man muss das schon fast Verliebtheit nennen. Die schönen Seiten davon, aber eben auch die Verlustangst. Seit meiner Rückkehr, ich habe ihn fast durch ein Wunder sofort wieder gefunden, war ich noch mehr überzeugt, dass wir füreinander bestimmt waren, dass das Vorsehung war. Jojo passte mir von seinen Charaktereigenschaften her wunderbar, sehr witzig, humorvoll, kreativ und klever - es gibt durchaus auch langweilige Katzen. Extrovertiert, ein Draufgänger auch, das war der Flan ebenfalls. Ich denke, ich kann mit ängstlichen Tieren wenig anfangen.
Wie oft habe ich über ihn gelacht und wie häufig sind wir durch das Haus gerannt, ich hinten, er vorne. Er wusste, dass das nicht ernst gemeint war, ein Spiel. Manchmal rannten wir auch in Gegenrichtung um das Himmelbett herum und stiessen zusammen. Und seine Kletterkünste, die er laufend perfektionierte und der Datteltomatenfussball, selbst wenn ich nur ein Stück Papier zusammen knüllte und weg warf, hat er das sofort als Spielzeug erkannt.
Hinaus gelassen habe ich ihn auch, er sollte ja das richtige Leben kennen lernen. Obwohl mich das immer unheimlich gestresst hat, insbesondere, nachdem ich den roten Kater als Pflegefall unten im Hof einquartiert habe, der wurde von einen erwachsenen Moudi fürchterlich traktiert und hat ein Auge verloren. 
Einfach wie mit meinem Hund war das nicht. Jojo wollte draussen nicht auf seinen Namen hören und wenn er Angst kriegte hatte er die Tendenz, nicht zu mir, sondern irgendwo hin zu rennen, wenn wir nicht mehr in der Nähe der Haustüre waren. Doch haben wir die gemeinsame Rückkehr immer geschafft. Mit viel Adrenalin, denn was nimmt man nicht alles in Kauf für solch ein Wesen.

Seit Jojo nicht mehr richtig fressen wollte, kriegte er nur noch Leckerbissen.
Das mag unverständlich sein für Nichteingeweihte, doch mit einem Tier kann genau dasselbe passieren wie mit einem Menschen. Bei Roby habe ich bereits nach kurzer Zeit das Gefühl gehabt, nicht ohne ihn leben zu können, obwohl das alles andere als gut war, er war drogensüchtig und hat mir viele Probleme gebracht. Das so etwas mit dem Jojo geschah, habe ich spätestens gemerkt, als ich drei Wochen in der Schweiz war und Salum immer Ausreden hatte, weshalb er mir kein Foto von den Katzen schicken könne, ich wurde richtig gehend krank. Und bekam dann auch eine heftige Grippe, in deren Nachwehen ich zurück nach Sansibar flog. - Das Wiedersehen mit Jojo war heftig, für beide Seiten, tagelang blieb er ganz nahe bei mir. Er liebte es am meisten, zwischen meinen Beinen zu liegen, er mochte diese Nähe, auch zwei Kissen waren gut.

Ein letztes Bild von Jojo, meiner grossen Liebe, ich ertrage die Bilder in nächster Zeit nicht mehr, liebte es, im Spalt von zwei Kissen zu liegen.
In wie kurzer Zeit war ich bereit, mein Leben umzukrempeln, Biel aufgeben, obwohl ich die Wohnung sehr mag, aber nichts für Jojo, der braucht Platz zum Spielen, letzte Woche habe ich Marco beauftragt, mir aus dem geschnittenen Holz der Bäume Kunstbäume - Kunstwerke gleichzeitig - zu basteln. Gerüste für meinen Klettermax. Gleichzeitig aber Stützen für die Netze, die ich von der Dachterrasse herunter lassen wollte, um so Jojos Leben zu sichern, alles war bereits bestens geplant. - Komischerweise habe ich sehr lange gewartet mit diesem Auftrag. Etwas Aberglaube auch, wenn man etwas fixiert, könnte noch etwas dazwischen kommen, die Angst um Jojos Leben war immer da. Bei jeder Unregelmässigkeit, wenn er nicht gerade auftauchte, wenn ich nach Hause kam, dachte ich schon, es sei etwas passiert. 

2018.03.06, Sansibar

Jojo frisst seit 5 Tagen nicht mehr normal. Erst denke ich, er sei einfach bereits wahnsinnig wählerisch geworden, denn mit seinen Lieblingsspeisen lässt er sich noch locken. Kein Dosenfutter mehr, nur noch Trockenfutter, zum Glück trinkt er noch Milch und nimmt Jogurt, am liebsten jedoch Schmelzkäse. Ich mache mir Sorgen, zumal er ein paar Mal Hustenanfälle hat. Bei einer Katze sieht das sehr schmerzhaft aus, ich habe das Gefühl das er leidet. Und frage mich gleichzeitig, ob ich nun wohl bereits gleich weit sei wie Mgeni, die wegen der kleinsten Unpässlichkeit mit ihren Kindern ins Spital rennt. Doch sie ist auch bezüglich ihrer eigenen Gesundheit extrem ängstlich, hypochondrisch, finde ich. Deshalb warte ich bis heute.

Und frage mich nun, ob ich zu lange gewartet habe. Jojo atmet sehr schwer und viel zu schnell. Das Internet weiss Rat, 20-30 Atemzüge pro Minute seien in Ruhe normal für Katzen. Jojo macht gut 60 Atemzüge. Ich rufe dem Tierarzt an und lese weiter. Das deute auf Herzprobleme hin. In seinem zarten Alter? - Nein, meint der Tierarzt, eine Lungenentzündung, und spritzt Antibiotika. Könne bei Wetterwechsel vorkommen. Nun, nach rund 2 Stunden atmet er noch viel schwerer, was kann ich auch tun, stirbt er nun? Er ist unruhig, legt sich immer wieder anders hin und möglichst entfernt von mir, meine Besorgnis scheint ihm nicht gut zu tun. Ich mache mir nun Vorwürfe, dass ich so lange gewartet habe, hoffentlich kommt das wieder gut mit ihm.

Vache qui rit, sehe ich ohne zu lesen, denn so heisst das französische Original und sieht wohl in etwa auch so aus. Später merke ich, dass es eine Kopie aus den Arabischen Ländern ist. Woher die die Milch haben weiss der Himmel.


Dienstag, 6. März 2018

2018.03.04, Sansibar

Es ist regnerisch geblieben, besser bewölkt, die Temperaturen sind etwas gesunken und damit angenehmer. Obwohl die enorme Luftfeuchtigkeit einem schwitzen macht, sobald man sich bewegt. Unangenehm finde ich die häufig nachts sehr starken Winde, eigentlich Vorboten von Regen, doch gebracht haben sie bisher noch nicht sehr viel.
Während einer dieser Starkböen, bei denen ich immer Angst habe, dass sich etwas am Haus löst, meine Wohnung ist sehr luftig gebaut, muss sich eines der Fährschiffe, die im Hafen ankern, wenn sie ruhen, gelöst haben und Richtung Land getrieben worden sein. Das Schiff hat die Quaimauer bei den Forodhani Gardens gerammt, kleinere Schäden am Schiff und der Mauer. Nun steckt es bei Ebbe im Boden fest.


let's hope

2018.03.01, Sansibar

Eine unruhige Nacht, Vollmond in zwei Tagen. Erst hat der alte Jemenit, der in einem Haus auf der Meer- also Nordseite wohnt, seine fürchterliche traditionelle Musik um 10 Uhr nachts eingeschaltet, sehr laut, der Mann muss schwerhörig sein. Ich bin ins kleine Häuschen auf der Südseite gezügelt. Doch schon bald hat hier der ebenfalls chronisch schlaflose und schwerhörige alte Araber sein Radio auf volle Lautstärke gestellt, er hört Rezitationen aus dem Koran und religiöse Musik. Während der Jemenit - er soll sehr gebildet sein - seine Anfälle nur ab und zu hat, ist der Araber täglich schlaflos. Merkwürdig eigentlich, dass man von alten Männern lärmbelästigt wird. Ich schlafe dann irgend einmal doch ein. Und werde um Mitternacht wieder wach. Jetzt höre ich unten das einäugige Kätzchen laut klagen. Ich halte das nicht aus und gehe hinunter. Es steht vor dem vergitterten Fenster zur Gasse und draussen miaut ein zweites, so öffne ich halt die Tür. Die beiden begrüssen sich im Eingang, es ist ein Geschwister, dann gehen sie zusammen hinaus und ich warte mit Jojo, der sich fürchtet, oben an der Treppe, was nun passiert. Nach kurzer Zeit kommt mein Pflegling wieder herein und ich schliesse die Tür.

Die Pflanzen sind glücklich über den Regen und wir Menschen ebenfalls

Wieder im Bett höre ich erstes Donnergrollen, bereits gestern Abend sah ich eine finstere Wolkenbank am westlichen Horizont. Heute Morgen nun Regen, doch nur kurze Zeit stark. Immerhin genug, dass die Luft etwas auffrischt und der viele Staub herunter gewaschen wird.


Zeit sich um den Zustand der Dächer zu kümmern, die Regenzeit wird bald einsetzen. Das Dach der illegal in den Hinterhof gebauten Häuser auf der Ostseite unseres Hauses wird ausgebessert.
Theresia, die Putzfrau, hätte heute kommen sollen, kommt jedoch nicht. Spontan ändere ich mein Programm. Der Staub der vergangenen heissen Tage muss weg, der erinnert an Schweiss, ich will es frisch und putze selber.
Jojo hilft mir, er jagt gerne hinter Besen oder Fegbürsten her, oder vor ihnen davon. Der glatt gegossene Zementboden wird rutschig, auch als Vierbeiner verliert man offensichtlich die Kontrolle, Jojo rutscht in den Kurven aus und spult und scheint sich dabei köstlich zu amüsieren. Noch jetzt, eine halbe Stunde später und liegend geht sein Atem sehr schnell. Schon wieder mache ich mir Sorgen. Vielleicht doch ein schlechtes Herz? Gefressen hat er heute auch kaum.

2018.02.28, Sansibar

Am Morgen früh höre ich ein klagendes Miauen aus dem Innenhof herauf, ist Jojo bereits wieder unterwegs? Nein, Jojo liegt auf der Terrasse, dann muss es das einäugige Kätzchen sein. Das hat sich wohl versteckt gehalten zwischen all dem Holz und Gerümpel - Salum, Abu, zuständig für Mörtel und Farbe und Mjomba, einer der Schreiner, sind ja alles fürchterliche Sammler. Erst heute Morgen macht es sich hungrig bemerkbar. Ich bringe ihm Dosenfutter, das es dankbar entgegen nimmt. Als ich weg gehe beginnt es wieder zu klagen, es fühlt sich wohl einsam. So spreche ich etwas mit ihm, was beruhigend wirkt, ich kann es nun sogar streicheln. - Wenn man eine Katze einmal drinnen gehabt habe sei es schwierig, sie wieder hinaus zu bringen, die komme dann immer wieder zurück, hat der Tierarzt gemeint. Im Erdgeschoss im Innenhof kann sie ja weiterhin leben. Der Salum muss halt dafür sorgen, dass das Tier dann gefüttert wird.

Das Schild für die Katzenklinik, das mir Mjomba gemacht hat. Ich bin nicht so ganz glücklich darüber, die Katze sieht so traurig aus. Der Tierarzt hingegen findet das gut. So sehe man, dass es für kranke Katzen sei und nachher gehe es denen gut.
Im Kiponda Lukmaan gab es Veränderungen. Das Buffet wurde umgestellt. Wozu, frage ich? Die Angestellten haben nun keinen Zugang mehr zu einem der Gestelle, die Salum gut in die Wand eingebaut hat, für die Arbeit also eine Verschlechterung. Für die Gäste besser, findet Ajba, so sehe man die ganze Auslage sehr gut von draussen.

Annuar, der Koch, der hier gearbeitet hat und von Ajba entlassen wurde - der tauge nichts - sehe ich heute im Baobab Lukmaan. Dort macht er nun am Buffet Salate, Kebab und Toasts. Ich lasse mir etwas servieren, das wie ein Croque Monsieur aussieht. Tomaten mit einer Mischung aus Käse, und Mayonnaise zum Strecken, heiss gemacht und durchaus geniessbar. 

2018.02.27, Sansibar


Wenn der Fischhändler im Quartier vorbei kommt, kommen Katzen von überall her angerannt.
Ein SMS vom Tierarzt heute „I want to bring cat now, is okay?“, die kranke Katze schon jetzt? „Took out the eye, now is okay“, wie kann das nur okay sein? Nein, nicht krank, das andere Auge sei gesund, der sei bei einem Kampf verletzt worden, ansteckend sei das nicht. Doch warum zwei Mal? Und warum gerade der? Der ist doch so friedlich, hat sich nie wehrt, immer wird er von allen beim Fressen weggedrängt. Eine viertel Stunde später ist der Tierarzt schon unten vor dem Haus. Wir lassen die Katze frei. Schon wieder beginnt eine andere auf ihn einzuschlagen, obwohl er nun auch bereits kastriert ist. Es ist klar, das man den kleinen Kater so - mindestens im Moment - nicht hinaus lassen kann. Ich gehe zu dem Haus, dessen Bewohner gestern meinte, das seien seine Katzen. Nein, nicht er sei das gewesen, der Bruder, und der sei für ein paar Tage nach Daresalaam gefahren. So nehme ich das Kätzchen wohl oder übel mit, einen Spielgefährten für Jojo gibt es sicher nicht ab. Ich will mich deshalb nicht an ihn binden und mache ihm im Erdgeschoss ein Lager bereit und gebe ihm Futter. Es klagt etwas, ist wohl nicht gern alleine, schade, dass die Mutter nächstens wieder Babies bekommt, sie schaut nun nicht mehr zu ihm wie noch vor zwei Wochen.
Natürlich mache ich mir bereits wieder Sorgen, wie das weiter gehen soll. Als ich vom Einkaufen zurück komme, sind Salum, der Schreiner und die Trevoverkäuferin unten im Erdgeschoss, die Türen stehen offen. Nein, von einer Katze hätten sie nichts gesehen, meinen sie.

Montag, 5. März 2018

2018.02.25, Sansibar

Ein schlechter Tag. Erst finde ich das rote Kätzchen vom Dreierwurf, die beiden weiss gefleckten Weibchen spielen oft mit Jojo, noch schlimmer aussehend als vorher unten vor der Haustür. Nun ist die ganze linke Gesichtshälfte blutig aufgerissen, das Auge sieht fürchterlich aus. Zum Glück habe ich heute mit dem Tierarzt abgemacht, der muss helfen! ich gebe dem Kätzchen Dosenfutter, Trockenfutter will es nicht mehr, und halte die übrigen Katzen fern. Ambukiza, ansteckend?  frage ich einen der Zuschauer, denn ein Unfall scheint mir langsam merkwürdig, das schien mir doch auf dem Weg der Heilung. Der Mann meint ja. Der Tierarzt, der wenig später kommt meint das ebenfalls, Katzenschnupfen. Sieht das derartig fürchterlich aus? Aber nein, lange nicht alle Tiere würden befallen, beruhigt er mich, die müssten auch sonst geschwächt sein. Einschläfern? Frage ich. Nein, das gehe nicht! Meint der Tierarzt, da würden die Leute hier sehr empfindlich darauf reagieren. Schliesslich erklärt er sich bereit, das Tier mitzunehmen und zu pflegen. Ein grosser Mann kommt vorbei, ja der Dreierwurf, die Tiere würde er füttern, er habe auch gedacht, da müsse man etwas tun. Er hilft uns das Tier einzufangen und ich hoffe, das seine Qualen so wenigstens gelindert werden.

Das nun verletzte Kätzchen noch unversehrt vorne in der Mitte, auch ein junger roter Kater, die zwei weiss gefleckten Schwestern sieht man knapp im Schatten. Links hinter dem Bougainvilleazweig die Mutter. Sie ist kaum grösser als ihre Jungen.
Mit dem Tierarzt bespreche ich den Fortgang der Arbeiten für die Katzenklinik und ich mache eine Anzahlung für den Bau der Käfige. Und doch, den Jojo könne man heute operieren, auch wenn er gestern nicht gefastet habe. - Ich bin etwas überrumpelt, finde ich doch den Entscheid zur Kastration nicht ganz einfach. Vor 100 Jahren fand man es in gewissen Gegenden ja auch kein Problem, aus Männern Eunuchen zu machen. Heute wäre das undenkbar und wir haben Tieranwälte in der Schweiz. Die Art, wie wir Sachen empfinden, verändert sich mit der Zeit. Ist es egoistisch von mir, meine Katze zu kastrieren, nur weil ich nicht will, dass sie dauernd unterwegs und von Kämpfen verletzt ist? Wäre Jojo glücklicher als Strassenkatze seinen Trieben nachlebend? Wobei ich die Kastration bei den Strassenkatzen ja gerade durchführen will, weil ich das Elend all dieser Katzenbabies und Jungtiere nicht mehr hören und -sehen kann.

Zwei Strassenkatzenmütter mit ihrem Nachwuchs. In letzter Zeit sehe ich sie häufig nur mit einem Jungen. Sind die anderen getötet oder ausgesetzt worden? So kann sich die Mutter sicher intensiver um den Nachwuchs kümmern. Dafür können die Jungen nicht mit Geschwistern spielen, und wenn die Mutter sie einmal verlässt, sind sie ganz allein und haben noch weniger Überlebenschancen. 

Jojo wurde heute morgen operiert. Gleichzeitig wurde der Chip eingesetzt und Blut abgenommen für den Nachweis von Tollwutantikörpern, nun läuft Jojo bereits wieder wackelig herum. Und schläft viel, doch ist das in der Hitze des Tages normal, auch mir fehlt die Energie. Da ich Jojo nicht alleine lassen will, verhänge auch ich diesen heissen Sonntagnachmittag. Gemischte Gefühle plagen mich.

2018.02.24, Sansibar

Maryke und Gareth sind von ihrer Inselumrundung zurück, beziehungsweise haben sie die Südhälfte umpaddelt und sind dann von Michamwi aus mit einem Dalladalla zurück in die Stadt gekommen.  Die ersten 6 Tage ohne Süsswasserdusche draussen campierend, auf der Ostseite der Insel haben sie in billigen Lodges gewohnt. - Sie empfehlen als sehr schönes Korallenriff das „Ras Masoni“ südwestlich von „Vundwe Island“. Diese kleine Insel grenzt südlich an Uzi Island an,  was eigentlich eine Halbinsel ist, bei Ebbe kann man hinüber fahren.

Maryke und Gareth beim campieren und Bieren. In der Hitze? In Südafrika normal.
Am Abend laden sie mich ins Äthiopische Restaurant ein. Ich treffe dort die Schwester von Gareth, die neu in Matemwe als Meeresbiologin arbeitet, eben hat sie einen Vertrag für die nächsten 3 Jahre unterschrieben. Ein Japaner ist auch mit dabei, der hier seine Abschlussarbeit macht. Über die Insel, meint er, was genau, das wird mir nicht klar. Der Mann lacht sehr viel und herzlich und laut, recht unjapanisch scheint mir das. Leider sitze ich am Tisch der Permakulturisten, hier geht es weniger lustig zu. Ein Deutscher, seit 25 Jahren in Afrika, lange in Südafrika, und eine Agronomin aus den Philippinen. Als die Spannungen zwischen den Weissen und Schwarzen immer grösser gewordenen seien, sei er gegangen und lebe seither in anderen Ländern Ostafrikas. Im Tourismus gearbeitet habe er und ja, nun bekehrt zur Permakultur. Wobei mir die afrikanische Variante der Permakultur weniger abgehoben zu sein scheint als das, was ich bisher darunter verstanden habe, recht praktisch und auf Nutzen bedacht. Zusammen mit der Philippina, beide im mittleren Alter, unterrichtet er nun Einheimische darin, wie sie ihr Land besser bebauen können, wie kompostieren und demonstrieren den Bau von einfachen, mit natürlichen Materialen erstellten Häusern. Wie Baumschulen einrichten, und Bäume pflanzen ist auch ein wichtiger Teil, Landschaftsgärtnerei ebenfalls, das macht der Deutsche auch in der grossen Siedlung Richtung Fumba, 52 Häuser für die Mittelklasse sollen dort nächstens fertig werden, unweit von der riesigen Siedlung für die Oberschicht, die Baghreza in Fumba, neben seiner Milchfabrik, besser Milchpulververarbeitungsfabrik am fertigstellen ist. Man rechnet mit einer wahnsinnigen Entwicklung hier. - Genormte Plots und Bebauung, das entsprechen doch der afrikanischen Seele nicht, finde ich. Die Südafrikaner sind nicht damit einverstanden, „gated communities“ das sei sehr beliebt, wegen der Zäune, die diese Siedlungen umgäben und wegen der Wachleute, die man gemeinsam bezahlen könne. Ja doch, diesen Mittelstand, der genügend Geld habe, denn gäbe es. Und in der von Deutschen erbauten Siedlung wird nun also dann auch noch nach nachhaltigen Prinzipien gegärtnert und angepflanzt. Ich notiere die Telefonnummer der Frau und verspreche, dort einmal vorbei zu schauen. Habe ich doch bereits viel Schlechtes über diese Siedlung gehört, sie soll fürchterlich aussehen ich bin neugierig.
Na ja, so viel lässt das nicht erhoffen. Und wo bleiben die Namen unserer beiden Gesprächspartner? Es muss das Klima sein, momentan heisse 34 Grad, irgendwie scheinen die Weissen hier ebenso in den Wolken zu schweben und es mit den Realitäten nicht allzu genau zu nehmen wie die Einheimischen. Ich denke, meinen Besuch lasse ich wohl besser sein. 

Was mich nachdenklich stimmt nach diesem Abend, ist, wie viel eigentlich bereits hier gemacht wurde und wie wenig von all den Bemühungen man längerfristig sieht. Wahrscheinlich sind die meisten, sich um die Entwicklung Afrikas Bemühenden - wir essen hier in einem teuren Restaurant, in das Einheimische kaum gehen - viel zu weit weg von den Leuten, für die sie behaupten arbeiten zu wollen.

Freitag, 2. März 2018

2018.02.22, Sansibar

Jojo macht Joga
Mein kleiner Mau schläft viel in diesen Tagen. Die strenge Hitze, die die Menschen erschöpft, macht auch ihm zu schaffen. Obwohl seine Ahnen ja Wüstenkatzen sein sollen. - Doch vielleicht wählt er auch nur die richtige Strategie: die Hitze überdämmern, aktiv ist er nur noch in den frischeren Morgenstunden und Teilen der Nacht. - Mir gelingt das leider nicht. Bei drückender Hitze kann ich nicht schlafen.
Jojo erlebt solche Hitze erstmals. Sein zartes Leben begann irgend einmal letzten August, wo die Temperaturen für hiesige Verhältnisse angenehm kühl, so um die 26 Grad, waren. Seit weniger als 4 Monaten kenne ich nun dieses Geschöpf, das mich irgendwie verhext hat. Wenn Jojo mich für einmal nicht freudig begrüssen kommt bei meiner Rückkehr, dann habe ich bereits Angst, ihm sei etwas zugestossen.