Samstag, 16. Dezember 2017

2017.12.10, Sansibar

Sarahs sansibarischer Ehemann in dem Zentrum, das gleichzeitig ein Dorfladen ist.
Heute mache ich Sahras Exkursion ins Dorfleben von Pete. Ich will wissen, ob das etwas ist, das ich meinen Gästen empfehlen kann, denn so viele interessante Exkursionen gibt es nicht. - Vielleicht besser gab es. Schliesslich haben inzwischen viele NGO’s daran gearbeitet, Einheimische zu Tourguides auszubilden, eigentlich müsste das geändert haben. - Doch bin ich seit gut 10 Jahren nicht mehr Touristin und kann deshalb nicht aus eigener Erfahrung sprechen.



Sarah neben einem Ochsenkarren, einer der  Attraktionen des Rundganges
In Pete werden auch jetzt noch traditionelle Lehmhäuser gebaut, das finde ich erstaunlich. Für die Leute, die kein Geld hätten für ein "modernes" Haus, meint Sarah.

Links eine der von Sarah kreierten Uniformen an einem einheimischen Guide. Geschmacksache, vor allem die Farbe, rechts daneben, Sarahs Ehemann als Medizinmann. Er macht das gut, seine Stimme hat etwas beruhigendes, ich denke, das kann Kranken gut tun. Überhaupt gefällt mir die Exkursion, obwobwohl ich anfangs skeptisch bin, denn Sarahs historische Exkurse finde ich recht subjektiv. Doch so einfach kommt man als Mzungu sonst nicht ins Dorfleben hinein. 


2017.12.09, Sansibar

 



Immer noch ein regnerischer Tag, die Katzen sind faul, ich nutze die Zeit zum nähen. Am Abend gehe ich mit Salum in der alten Hauptpost essen, die Regierung hat das Obergeschoss umgebaut und vermietet es jetzt. Nun hat es dort einen italienischen Laden, der Salami und Parmesan und andere Köstlichkeiten verkauft, sündhaft teuer alles, eine Taperia, mit alkoholischen Drinks und Snacks und im Moment einen Japaner, dort wo vorher ein Italiener war. Wir entscheiden uns für den Japaner. Der Service ist gut, fast etwas zu schnell, das Essen kommt rasch, ist schön angerichtet und schmackhaft, einzig scharfe und salzige Saucen vermisse ich etwas. Salum findet dazu, sehr gesund, ist es auch und für Sansibarische Verhältnisse etwas gar wenig gewürzt. Ich erkläre ihm, dass die Japaner eben die einzelnen Zutaten gut spüren wollten. Salum erstaunt mich damit, dass er besser als ich mit den Stäbchen isst. Beim Chinesen, vor Jahren, in Gümmligen, dort wo er gearbeitet habe, dort habe er das Essen mit Stäbchen gelernt.

"James Kibonge -  Kibonge heisst etwas wie fett -  for president, ist ein Spruch, den ich oft gehört habe. Vermutlich, weil er so ziemlich alles macht. Übrigens heisst Salum bei seinen Angestellten Obama, bei Leuten, die sein Auto besser kennen, jedoch Mr. Trump, wegen der Aufschrift. Und Othman heisst bei den Angestellten im Lukmaan Magufuli, wie der heutige Präsident von Tanzania

Anschliessend spazieren wir ins Fischerquartier um zu schauen, wie es dort des nachts aussieht. Ruhig ist es rings um das Araberhaus, angenehm, nicht beängstigend, Leute sitzen herum, sauber, schliesslich gehen wir Richtung Bawani Hotel. Die alte Hotelanlage wird nun abgerissen, eine moderne Siedlung soll dort entstehen, ein neues Quartier für die Mittelklasse. Doch die Disco im damals futuristischen Betonbau, die funktioniert immer noch, auch wenn im Schwimmbad, durch dessen Glaswände man vom Raum aus sehen kann, schon lange kein Wasser mehr ist. Vor dem Eingang der Anlage steht das winzige Häuschen von James Kibonge, er verkauft dort alkoholfreie Getränke an die Nachtschwärmer. Herzlich lädt er uns an den einzigen Tisch ein, serviert Mangosäfte und das Wasser, von dem er weiss, dass Salum es liebt, eingeladen natürlich, sind wir, dazu auch noch Salznüsschen. Der James, meint Salum - genau der, der auch die Bäume pflegt - den kenne er schon seit Jahren. Der mache so ziemlich alles und habe im Lukmaan seit dem Anfang mitgeholfen, wenn es Probleme gab. Er entstopfe Toiletten, die gesamte Kanalisation, pflanze und schneide Bäume - nun hoffentlich besser - und des nachts verkaufe er Getränke hier. Schlafen? Er habe eine Familie Richtung Flughafen, dort schaue er ein- bis zwei Mal pro Woche vorbei. Sonst sei er ja hier. Er schläft wohl im winzigen Laden am Boden. Oder auf dem bequemen Sessel, den er mir anbietet.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

2017.12.08, Sansibar

Endspurt im Erdgeschoss, der grosse Saal mit Nebenräumen und die Wohnung auf der Rückseite sollen bald vermietet werden. Für Einheimische, die Wohnung, finde ich, welcher Ausländer wolle schon im Erdgeschoss so dicht am Puls der Nachbarschaft wohnen. Salum hat trotzdem eine Innenausstattung gemacht, die eher für Mzungus gedacht ist und gedenkt auch, sie an solche zu vermieten. Studenten vielleicht, für 250.- Dollar müsste das möglich sein. Die Kosten für den Ausbau? Salum kennt sie nicht, er habe das nie auf eine einzelne Wohnung gerechnet. Rendite, Profit, diese Begriffe sind hier nie angekommen. Der grosse Saal sei viel zu schade für ein Büro, finde ich, der müsse dringend so vermietet werden, dass er für ein grösseres Publikum zugänglich sei.


Der Reiniger, er kommt immer, wenn die Handwerker ihre Putz- und Farbresten hinterlassen haben, wir kennen uns unterdessen gut, er ist schon seit Jahren mit dabei, dem gefalle die Wohnung im Erdgeschoss sehr, der würde sie sofort mieten, sage ich Salum. Ich aber fände die Bodenplatten und die Küchenschränke aus Holz eher Swiss made und bünzli, aber ja, das ist natürlich Geschmackssache.

Samstag, 9. Dezember 2017

2017.12.08, Sansibar

Obwohl es nun bereits Dezember ist und damit die kleine Herbstregenzeit vorbei, haben wir in den letzten zwei Tagen  ein paar gewaltige Regengüsse gehabt und heute Morgen finde ich es fast etwas kühl, will heissen um die 26 Grad mit Wind.

Freitag, 8. Dezember 2017

2017.12.06, Sansibar

Unterwegs nach Mwera
Heute fährt Juma, der Sansibarer, der in Kanada lebt und merkwürdigerweise fast immer gleichzeitig wie ich in Sansibar weilt, zurück in die Kälte. Er arbeitet als Lastwagenfahrer in diesem grossen Land und scheint dort recht gut zu verdienen. Seine Frau, ebenfalls eine Sansibarerin, die beiden haben zwei Kinder, liess sich von ihm scheiden. Sie hatte wohl keine Freude daran, dass er vor Jahren hier ein Grundstück gekauft hat und ein Haus errichtet, und sich nach einer zweiten Frau vor Ort umgesehen, Salum hat ihm bei beidem geholfen. Nun steht das Haus, besser heraus gekommen als ich erwartet habe, und das grosse und fruchtbare Grundstück in Mwera ist von einer hohen Mauer umgeben. Juma, sicherlich eine gute Partie, sucht eine neue Frau. Nicht einfach meint er, die seien alle nicht „serious“. Nicht einfach, meint Ajba, sei Juma, mit seinen riesigen Ansprüchen an eine Frau.


Links eine Mauer der ehemaigen Geflügelfarm, das war nichts, bereits wieder abgebrochen...
...jetzt stehen dort Papayas, Bananen und Ananas. Nachdem eine Weile Wassermelonen gepflanzt wurden. Leider nichts, nicht die Melonen, aber weil damals  gerade alle Wassermelonen gepflanzt haben, der Geheimtipp, waren die Preise im Keller unten.
Ich frage Juma nach seinem Migrantenleben in Kanada. Damals, vor bald zwanzig Jahren, als er nach Kanada gegangen sei, sei das noch ganz einfach gewesen, heute nicht mehr. Er habe sich als Flüchtling registrieren lassen und bereits einen Monat nach der Registrierung - nicht erst nach dem amtlichen Entscheid - dürfe man dort arbeiten. Ich denke, das wäre doch eine gute Lösung auch für die Schweiz. Denn ich finde es besser, wenn die Afrikaner, die sowieso bei uns das Paradies erwarten, nicht darin bestätigt werden, dass man in der Schweiz überleben kann - und dies für ihre Verhältnisse doch recht gut - ohne irgend etwas dafür tun zu müssen.

Dienstag, 5. Dezember 2017

2017.12.05, Sansibar

Die Zeit eilt, ich habe nun Daten vom Baobab Lukmaan gekriegt, die machen Angst, 8300.- Dollar Defizit nur im November, plus 6 Monate Schulden bei den Steuern und weiteres, das noch nicht genau steht, auch der Kiponda Lukmaan schreibt ein Defizit. All dies macht mir Angst, ein fähiger Manager muss dringend gefunden werden, langsam kriege ich Panik. - Ich solle mich nicht aufregen, meint Salum, sie schafften das schon, auch wenn ich nicht mehr helfen wolle, Schulden hätten schliesslich hier alle, selbst die Regierung. Und die Bank, die regelmässig Essen beim Lukmaan bezieht, habe auch erst die Hälfte davon bezahlt.
Nachdem ich nun tagelang versucht habe Klarheit in das Chaos zu bringen, manchmal habe ich richtig das Gefühl - dass die gar keine Transparenz wollen, das ist schlimmer als das fallende Schweizer Bankgeheimnis - ist es wohl besser, mich da wieder heraus zu halten, mir tut das ganze nicht gut. Salum meint, er sei mir dankbar, denn endlich hätten alle - auch bei ihm selbst musste ich extrem stüpfen, dass etwas geschah - die Sachen zusammengestellt und selbst Othman müsse nun zugeben, dass es so nicht weiter gehen könne. Während ich in Panik bin wegen der Tatsachen, scheint ihn dies eher zu amüsieren.  Afrika werde ich nie ganz verstehen….


2017.12.04, Sansibar

Siri bleibt wohl blauäugig
Katzen können auch bleibend blaue Augen haben, lese ich im Internet, insbesondere all die Siamrassen und weisse Katzen, wahrscheinlich sind deshalb Siris Augen immer noch tiefblau, während Jojo nun seit Wochen eine indefinite Augenfarbe hat, rötlich wie sein Fell, was mag es daraus geben? Dafür hat er ein Tabby-Muster, wie ich erfahre, er hat eine "M"-förmige Zeichnung auf der Stirn in der jeweiligen Grundfarbe, bei ihm also rot.


Bei Jojo ist die "Tabby-Brille" hier gut sichtbar
Siri von seiner Fleckenseite her gesehen - Jojo ist ein verkappter Gepard 
Die Augen dieser Tiere sind üblicherweise hell umrandet, lese ich weiter, man spricht im Augenbereich auch von der Tabby-Brille, auch das trifft zu - der weisse Siri hat einen Tigerkatzenkopf mit schwarz umrandeten Augen. Jojo, manchmal nenne ich ihn auch Jöggu, hat allerdings zusätzlich eine schöne Gepardenfärbung auf seinem eleganten Körper.
Über Kugelkatzen hingegen finde ich nichts im Netz, nur Kugelfische, doch Siri gehört eindeutig dieser Rasse an. Sein Bäuchlein ist prallrund, immer zum Fressen aufgelegt, nun zwar auch aktiver und spielfreudiger, jedoch gegenüber dem ersten ein Phlegma. - Ich finde es interessant, wie unterschiedlich die Charakteren von Tieren sind. Dazu passt gut, dass Siri beim Spielen häufig wehleidig miaut, wenn es grob wird, während Jojo nie einen Laut von sich gibt. Während Siri eine Morgenkatze zu sein scheint ist Jojo eher nachtaktiv