Freitag, 20. Oktober 2017

2017.10.16, Sansibar


Nach vier Tagen reist die Delegation aus dem Oman wieder ab. Ein Hornstoss, ich bin alarmiert und gehe ins TeaHouse hinauf, schon kurze Zeit später gleitet das Schiff majestätisch aus dem Hafen hinaus. Etwas Erhabenes hat das. Irgendwie bin ich immer fasziniert von Riesendingern. Das geht mir auch mit den Bäumen so. Insbesondere der Baobab, mit seiner runzeligen Rinde, die mich an eine Elefantenhaut erinnert, bringt mich immer wieder in Entzücken.


Salum erklärt uns, wenn man die Hälfte der Afrikaner nach Europa schicken wurde und gleichzeitig die Hälfte der Europäer nach Afrika - ein Austausch quasi - denn wäre Afrika innert Kürze ein Paradies und in Europa würde das Leben schwierig werden, ein ökonomischer Kollaps. Er? Er könne auf beiden Seiten überleben, meint Salum lachend

2017.10.15, Sansibar

Ein Feigenbaum hat sich auf die Umfassungsmauer der Villa Moloo in Chwaka gesetzt
Salum fragt nach dem ältesten Sohn meiner Schwester. Der sei noch nie nach Sansibar gekommen. Nicht so ein Reisefreudiger, antworte ich, von seiner einzigen grösseren Reise sei er mit einer Thailänderin zurück gekommen, doch leider habe diese Ehe nicht gehalten. Salum will mehr wissen. Ich erzähle ihm von Saimais Problemen mit Drogen und Geistern. Das versteht Salum bestens. Im Katholizismus wie im Islam gäbe es diese Besessenheit von Leuten durch Geister. Sein Vater in Pemba, der sei ein Geistheiler gewesen. Es gebe zwei Arten mit den Geistern umzugehen. Entweder sei es ein Kraftspiel, man versuche den bösen Geist durch einen Heilungsakt aus dem Körper der Person zu vertreiben. Das sei aber nicht ungefährlich, denn manchmal sei der Geist eben stärker. So habe sein Vater einmal einen sehr starken Geist bei einer Person im Nachbardorf austreiben können. Bis er jedoch nach Hause gekommen sei, sei dieser Geist bereits dorthin gerannt und habe aus Rache einen seiner kleinen Brüder umgebracht, der sei tot und überall blutend aufgefunden worden.
Eine andere Methode sei es, mit den Geistern zu paktieren. Mit ihnen zusammen zu leben und halt manchmal etwas zu tun, was sie von einem Verlangen würden, auch dies sei eine Art, damit fertig zu werden. Die ähnle dann sehr dem, was bei uns die Psychiater machen würden, nur würden die das nicht Geister nennen.

Die Villa Moloo, rund 100 Jahre alt, wurde nach der Revolution 1963 als Spital genutzt und heruntergewirtschaftet durch ein neues Gebäude ersetzt. Sowohl das Dach, wie die Treppe, Türrähmen und Türen sind spurlos verschwunden, also vermutlich gestohlen worden.
Heute fahren wir nach Chwaka an die Ostküste, Salum hat dort ein verlassenes Haus gesehen, das er mir zeigen will. Sofort bin ich von der Villa Moloo und ihrer Lage begeistert, auch wenn sie in einem bedenklichen Zustand ist. Am Rande des Naturschutzgebietes von Joziani gelegen, am Rande des Mangrovenwaldes, kein Sandstrand, auf einem niedrigen Felsen, hierhin sollte der Massentourismus mit seinen Beach Ressorts noch lange nicht gelangen. Bei Sonnenuntergang verliebe ich mich in dieses Gemäuer.

Von der Strassenseite her gesehen


Dienstag, 17. Oktober 2017

2017.10.14, Sansibar

Othman hat ein gutes Selbstbewusstsein. Oder dann einen guten Humor. Ich erzähle ihm, dass ich nun fast täglich bei uns auf dem Platz unten Touristengruppen sähe, denen ein Guide die Umgebung und insbesondere unser Haus zeige, da werde es sicherlich bald möglich sein, im Erdgeschoss einen Designladen einzurichten, denn die Touristen kämen ja bereits ins Quartier. - Die Führer, antwortet Othman, die würden denen doch nur erklären, dies sei das Lukmaan House, das gehöre zum berühmten Lukmaan Restaurant. Und lacht.


Hoffen wir, dass die renovierte Hafenpromenade auch so langlebig sein wird wie die erste.
Wikipedia: Lukmaan, auch Luqman geschrieben. In vorkoranischer Überlieferung erscheint Luqman als "der Langlebige" (al-Muʿammar). Als ihm ein langes Leben angeboten wird, wählt Luqman die Lebensdauer von sieben Geiern. Er zieht sie nacheinander auf und lebt so 560 Jahre (7 × 80 Jahre). Sein letzter Geier heißt Lubad. Als dieser die Flügel sinken lässt, ermuntert ihn Luqman vergebens zum Fliegen. Lubad stirbt und mit ihm Luqman.
Im Koran trägt eine Sure den Namen Luqmans. Dort tritt Luqman als weiser Spruchdichter auf, der Ermahnungen an seinen Sohn richtet. Eine davon: Mein Sohn, senke dein Haupt, dämpfe deine Stimme und sieh nach unten! Denn würde das Haus durch laute Stimmen erbaut, erbaute der Esel zwei Häuser an einem Tag. Auch im west-östlichen Divan von Goethe tritt Luqman auf: 
"Was brachte Lokman nicht hervor,
Den man den Garst'gen hieß!"
Die Süßigkeit liegt nicht im Rohr,
Der Zucker, der ist süß."
Dies könnte auf ein langes und genügsames Bestehen des Restaurants und des Hauses hindeuten. Allerdings findet sich auch ein gegenteiliges Zitat: Luqman gehört einer Gesandtschaft an, die nach Mekka geht, um dort Regen für ihr sündiges und von Dürre heimgesuchtes Volk zu erflehen. Die Gesandtschaft vergisst dieses Anliegen aber aufgrund der Gastfreundschaft der Mekkaner. Daraufhin wird ihr Volk vom Verderben in Gestalt einer schwarzen Wolke heimgesucht. - Auch dies könnte für Gäste und Bewohner gelten.

Letzten Freitag hat Mgeni auch den 6-jährigen Ahmedi und seinen Spielgefährten, Mgenis jüngsten Bruder, den 11-jährigen Lukmaan mit auf unseren Spaziergang in die  Forodhani Gardens mitgenommen. Besonders daran ist die Tatsache, dass dieser Lukmaan - ein eher seltener Name hier - im gleichen Jahr geboren wurde wie das Restaurant gegründet. Mgeni hat Salum aber erst 4 Jahre später kennen gelernt. Merkwürdige Übereinstimmungen. Zusammen mit der Tatsache, dass Mgeni, Salum und ich alle am 13.Mai Geburtstag haben.

Montag, 16. Oktober 2017

2017.10.13, Sansibar


Immer wieder schaue ich in meine Blumentöpfe. Die Tomaten stammen von Datteltomaten ab, die ich in der Schweiz gegessen habe. Ob sie es in den 8 Wochen, die ich noch hier bin schaffen, erwachsen zu werden und die Früchte reif? Ich rede ihnen gut zu.

Ganz links die Seitenknospe eines Cycas, ich habe die von Georges „nursery“, er meinte, die müsse man einfach in den Boden stecken, dann wachse sie. Genügsam, karger Boden, wenig Wasser, das könnte ja eine ideale Pflanze für mich sein. Baumfarn lese ich in der Literatur nach, Nacktsamer, der Name hat nichts mit der Verwandtschaft dieser Art zu tun. eine Pfahlwurzel mache sie am Anfang um sich zu verankern. Da muss ich wohl schon bald einen grösseren Topf kaufen - wenn sie das nächste Mal, wenn ich komme, überhaupt noch lebt.
Heute ist der Tag der Übergabe der Fackel im Amani Stadion. Durch ganz Tansania sei das Licht getragen worden, erklärt uns Salum, ein Symbol der Vereinigung des Landes. Aber natürlich werde diese Feier von den Sansibarern boykottiert, da gehe niemand freiwillig hin. Weshalb für alle Schüler, alle Lehrer und sonstigen Beamten dieser Besuch obligatorisch sei.
Der Sheika, meint Othman, nein, den würden die Leute hier nicht mögen, auf meine Bemerkung, eigentlich sei das gut, dass jedes Quartier einen Vertreter habe bei dem man unkompliziert seine Sorgen deponieren könne. Der Sheika sitzt häufig im Lukmaan am Abend. Zusammen mit Muhammad, der als Beamter natürlich auch die Regierung vertritt - oder mindestens von deren Wohlwollen abhängig ist. Othman sitzt nie mit ihnen zusammen. Das sei ähnlich wie mit der Polizei, meint er, zum Sheika gehe man nur, wenn man unbedingt müsse.

Samstag, 14. Oktober 2017

2017.10.12, Sansibar


Heute ist eine Delegation der Omani in Sansibar angekommen. Die früheren Herrscher von Sansibar, die nach der Revolution 1963 zusammen mit den Indern und den Weissen aus dem Land geworfen wurden. Inzwischen hat sich das Verhältnis beruhigt, die Omanis scheinen nicht nachtragend zu sein, zu viele verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Und Salum erzählt, dass der Lukmaan für das Mittagessen der 100 Gäste zuständig sei. Nein, nicht zu viel, rund 20kg Biriani, das sei kein Problem, würden auf das Schiff geliefert. Die Omanis liebten eben das Essen von Sansibar.
Das riesige Schiff ankert im Hafen - habe ich mich doch gewundert, dass gestern Abend kein Containerschiff dort lag - es ist so hoch, dass die obersten Geschosse vom TeaHouse aus gut sichtbar sind. Im Hafen ankert ebenfalls ein graues Kriegsschiff der tansanischen Marine, aber sonst spürt man von dieser ehrwürdigen Delegation eigentlich nichts in der Stadt.


Ich habe heute erstmals mein SUP in angenehmerer Gegend als im Hafen gewassert, wir sind hinunter nach Fumba gefahren.
Zwischen 30 und 31 Grad sind die Wetterprognosen für die nächsten Tage und auch die Nächte sind um 2 Grad wärmer geworden. Bei meiner Ankunft waren es noch 28-29 Grad, hier geht es der heissen Jahreszeit entgegen. Und der Regen, beziehungsweise die kleine Regenzeit im Herbst, die wurde nach den Prognosen wiederum um eine Woche weiter hinaus geschoben.

Freitag, 13. Oktober 2017

2017.10.11, Sansibar

Ich versuche mit Asfia zu zeichnen, denn als sie herauf kommt bin ich daran, die Masse für ein neues Moskitonetz für das Bett in der Bibliothek aufzunehmen und das ganze für den Schneider zu skizzieren. So gebe ich ihr ein Blatt Papier und einen Stift. Sie fährt mit diesem energisch hin und her, ein monotones Gekriebel, so dass eine Art Fläche entsteht. Ich zeichne ihr ein simples Gesicht vor, in der Annahme, dass sie versuchen würde, es nachzumalen. Doch nein, Afia fährt weiterhin mit dem Stift hin und her. Ich bin etwas enttäuscht, das scheint sie nicht zu interessieren. Habe ich doch in diesem Alter bereits kleinere Kunstwerke gemacht, wie ich aus der fein säuberlich datierten Sammlung meiner Mutter ersehen konnte. So beschliesse ich, mit ihr zusammen ins Erdgeschoss zu gehen und mein SUP fertig aufzupumpen, denn das Erdgeschoss ist ein Ort, wo man vieles erkunden kann ohne dass dies stört, bzw. alles verlegt wird, wie dies in meiner Wohnung der Fall ist. Asfia interessiert sich hier wenig für die Dinge und steht dafür mit ihren Schuhen auf mein Brett. Ich sage ihr, dass sie dies nur ohne Schuhe tun dürfe, doch lacht sie mich nur an und macht weiter. Später giesse ich die Pflanzen dort im Hof. Asfia beginnt Blätter  abzureissen und ich sage ihr, dass sie das nicht tun dürfe. Wieder lacht sie mich an und fährt fort. Nun habe ich genug und stelle sie entschieden vor die Tür und schliesse zu. Jetzt scheint sie begriffen zu haben. Zum ersten Mal verschwindet sie ohne ein grosses Geschrei zu machen, was ich als winzigen Erfolg werte.

Meine neuste Kreation, ich will ein neues Hosenmodell ausprobieren.  Ein doppeltes Kanga kostet hier  2.50 in schweizer Franken, also fast nichts. Allerdings ist dafür das Arbeiten mit dem billigen und locker gewobenen Stoff umso schwieriger.

Nein, die Mädchen, die ihr helfen würden, die könnten nicht kochen, meint Mgeni. Die Küche vom Festland sei viel einfacher, die Sansibarische Küche, die müssten die erst erlernen, essen würden sie die Speisen aber sehr gerne. Und nein, eigentlich wolle sie denen gar nicht unbedingt das Kochen beibringen, die seien da, um die Kinder zu hüten. Sie koche eben gerne selber. Ich finde Mgenis Küche toll. Das Verhalten aber auch bequem. Es sind die Mädchen, die mit den Kindern zu kämpfen haben. Wenn sie ihnen etwas verbieten, so rennen die schreiend in die offenen Arme der Mutter und werden dort getröstet. Kein Wunder, dass die nie gelernt haben, was nein heisst.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

2017.10.10, Sansibar

Bewundernde Blicke für die Baumschneider
Die Arbeit von Cyril geht vorwärts. Pläne von der Umgestaltung der New Mkunazini Road zu einer Fussgängerzone sind vorhanden, Dank sei den schwedischen Architekturstudentinnen, die Muhammads Departement immer wieder unterstützen. Cyrils Aufgabe ist es nun, geeignete Baumarten zu finden. Er will dies - für die Insel ungewohnt - mit einheimischen Bäumen versuchen, denn normalerweise werden immer die gleichen paar weltweit verbreiteten Zierbäume verwendet, darunter der Flamboyant und der "Indian Almond", der sehr rasch wächst und essbare Früchte macht. Cyril hingegen will Pflanzen, die schön blühen oder gut duften, was Muhammad auch gut findet. Wachsen sollen sie eher langsam, denn so müssen sie weniger häufig geschnitten werden.

Die Baumschule von George, ein gutes Trainingsfeld,
....bietet neben Pflanzen
Neue Projekte finde ich ja gut. Doch sage ich Cyril, dass mir vor allem auch daran liege, dass die Leute hier lernen würden, sich anschliessend auch um die Bäume zu kümmern. Ohne regelmässigen Schnitt und eventuell wässern am Anfang, sei die Pracht schon rasch wieder verschwunden. Deshalb dränge ich darauf, dass er regelmässig mit den zwei Jungen das Klettern und Schneiden übt, denn bisher haben wir noch keine städtischen Angestelllten, die diese Kunst erlernen möchten und die Zeit wird schon langsam knapp. So bin ich froh, wenn wenigstens zwei Jungen das richtig erlernen und vielleicht später auch weiter geben können.

....noch weiteren wundersamen Dingen Plartz