Montag, 30. April 2018

2018.04.25, Sansibar

Vor zwei Tagen ist auch Foro gestorben, ich habe zusammen mit ihm gelitten, es war furchtbar. Als ihn der Tierarzt zur Behandlung mitnehmen wollte, bemerkte Salum, dass er aufgehört habe zu atmen. Für mich war das besser, nicht nochmals eine Katze, die unterwegs unter Stress stirbt. Ich habe ihn hochgehoben, er war noch warm und weich und blickte mich zum ersten Mal seit Tagen irgendwie entspannt und glücklich an. Er liegt nun begraben in einem Blumentopf auf meiner Terrasse, wie Jojo. Nierenversagen, dann Nierenblutung meinte der Tierarzt nach der Obduktion, auch in ihn habe ich das Vertrauen verloren. Die dritte meiner Katzen starb, und das in nur einem halben Jahr.




Jetzt bin ich bereits im Flughafen von Daresalaam am Warten, ein aufwühlender Schluss, ich hoffe, meine vier weiteren Katzenwaisen, die mit Foro ihren grossen und einigenden Bruder verloren haben, kommen ohne mich zurecht. Röteli, das übrig gebliebene Männchen ist noch nicht reif, dieses Harem zu übernehmen. Er war nun mir gegenüber wieder zurückhaltender als vor Foros Tod, er war immer ein scheues und ängstliches Wesen. Wie werde ich meine vier Katzen das nächste Mal antreffen? Und : Werde ich sie noch alle antreffen? Abschied nehmen ist so nicht einfach.
Zumal auch noch eine weitere hübsche und merkwürdig charakterstarke Dreifärberin meiner Fürsorge bedürfte. Ein junges dreifarbiges Weibchen, das ich häufig neben der kleinen Moschee beim Holzkohleverkäufer gesehen habe. Ein schmutziger Ort, Abfall lockt die Katzen an. Dieses Weibchen wirkt nicht krank, ist nicht schlecht genährt, ich möchte ihm einen Platz in einem Haushalt finden, doch leider ist es immer furchtbar schmutzig. So kriegt die Dame ein Bad mit Haarshampo, was sie gar nicht mag. Später beginnt sich die Katze aber selber zu putzen und nach zwei Tagen sieht sie bereits viel besser aus. Ich denke, sie gäbe eine gute Hauskatze ab, sehr anhänglich, fast etwas zu viel für mich. Doch im Moment kann ich sie nicht im Haus behalten, sie ist kaum stubenrein und ob die zwei Studentinnen noch mehr als 4 Katzen betreuen möchten ist unwahrscheinlich. So lasse ich sie vor meiner Abreise schweren Herzens in der Gasse zurück. Sie wäre so gerne eine Hauskatze geworden und hat sich Mühe gegeben.

Neben all diesen traurigen Gefühlen ist da aber auch etwas, das mich aufwühlt. Der Besitzer von Chango, ein grosser, sehr gut Englisch sprechender Nachbar. Er ist emotional wie ich, was die Leute hier normalerweise nicht sind, insbesondere Männer. Als Chango stirbt, kämpft er mit den Tränen. Doch heute, als ich ihm sage, dass ich abreise, warum denn jetzt? Da ist etwas, auch bei mir, nicht nur unsere gemeinsame Liebe zu Katzen. Es lässt mich traurig und gleichzeitig verwirrt zurück.

Sonntag, 29. April 2018

2018.04.22, Sansibar

Am Mittwoch war Dr. Rama hier. Erst habe ich ihm erklärt, dass ich in Daresalaam war und dass wir die Sache nun etwas anders, mit Verzögerung, doch besser geplant angehen wollten. Danach hat er dem Foro noch zwei Spritzen gemacht, denn dessen Auge ist schlechter geworden, die ganze Gesichtshälfte ist wieder stark geschwollen und Foro ist ungewohnt ruhig. Als er die Spritze kriegt heult er auf, das tut er normalerweise nicht, er ist recht schmerztolerant,  dann verzieht er sich. Als Rama gegangen ist finde ich ihn im Abfallgarten der Handwerker zusammen gekauert, er schäumt aus dem Mund. Erschrocken rufe ich Rama zurück. Eine allergische Reaktion, das gebe es manchmal als Reaktion auf die Spritze, nein, ein Gegenmedikament habe er nicht dabei. Foro geht es fürchterlich, er erbricht und hat Durchfall und dieser Schaum, hat ihn jemand vergiftet?
Foro mit den zwei Roten. Er ist der Umgänglichste von allen und hat sich immer als erster mit einer neu dazu geholten Waise angefreundet.
Ich rufe Maida an, meine neue Verbündete. Sie organisiert mir sofort ein Taxi und kommt mit zu einem Tierarzt im Stadtteil Kariako. Dort angekommen stelle ich fest, dass es derselbe Tierarzt ist, den ich bereits bei dem Geschwulst bei E.T. gerufen habe. Erst will er ihm gemahlene Kohle gelöst in Milch verabreichen, ein Mittel gegen Gift. Als ihm jedoch Maida die Sache mit den Spritzen erzählt, sie kenne das, meinte sie, ihr Bruder habe auch einmal auf ein Antibiotikum eine gefährliche Reaktion gehabt, findet auch der, da sei eine Allergie wahrscheinlicher und spritzt ihm ein Gegenmittel. Zwei Stunden später geht es Foro schon besser.


Am nächsten Tag geht es Foro bereits recht gut, er frisst wieder und gestern habe ich diesen Tierarzt nochmals gerufen, denn die beiden Weibchen, Häxli und E.T. haben immer noch „Akne“, die ist sogar noch schlimmer geworden. Nicht Bakterien, ein Pilzbefall sei das, er spritzt etwas dagegen, das sollte in ein paar Tagen wieder gut sein. Foros Auge ist auch wieder mehr geschwollen, auch er kriegt nochmals eine Spritze. - Heute Morgen kommt mich Foro nicht begrüssen, apathisch sitzt er in einer Ecke, fressen will er auch nicht, er scheint Beschwerden beim Schlucken zu haben. Foro zieht sich zurück, will weder bei den übrigen Katzen, noch bei mir sein, ein schlechtes Zeichen, am Mittag dann nochmals der Tierarzt, das komme schon wieder, Gift sei das nicht, da wäre er längstens tot. Doch auch am Nachmittag schläft er, dann erbricht er wieder, er ist sehr schwach, ich habe Angst, dass auch er stirbt.

2018.04.21. Sansibar

Mein Hexenring. Die Regenfälle haben bei mir einen Pilz spriessen lassen. Etwas unangenehm zu wissen, dass sich da unter meiner Haut Pilzhyphen ausbreiten.

Ich lerne Maida, die Nachbarin und Lehrerin kennen, die mir als Katzenliebhaberin empfohlen wurde. Eine interessante junge Frau. Nein, ans Kastrieren habe sie bisher nicht gedacht, was sie beschäftige sei, dass hier Katzen misshandelt würden. Sie habe begonnen Fotos von solch armen Geschöpfen zu sammeln und im Sinne gehabt, die zusammen mit ihren Geschichten in eine Filmform zu bringen. In Ich-Form erzählt, das betreffe einem viel stärker, das habe sie mit Rollenspielen an einer Förderschule in Südafrika erfahren. Maida, eine 21-jährige indische Muslimin hat interessante Ideen, ich verspreche ihr, dass wir zusammen etwas machen werden, denn bewegte Bilder sind ja die heutige Form, wenn man bemerkt werden will. Sie wird meinen Textentwurf  mit den Vorteilen einer Kastration für das hiesige Publikum überarbeiten und will auch Gründe aus dem Koran suchen. Geburtenkontrolle habe Mohammed nicht verboten, er habe gesagt, dass man nur Kinder haben solle, wenn diese nicht im Elend aufwachsen müssten. So unterschiedlich also kann man dieses Buch auslegen. An meinem Text gefällt Maida besonders, dass ich geschrieben habe, dass Katzenbesitzer verantwortlich seien für den Nachwuchs ihrer Weibchen, aber ebenso für die Nachkommen, die ihre Kater produzieren würden. Genau, da sage man immer, die Frauen müssten aufpassen beim Kinderkriegen. Ebenso liege das an den Männern.

2018.04.20, Sansibar

Ich sitze im Vorraum des Büros vom ZIFF Festival und warte darauf, vom Direktor empfangen zu werden. Ich habe mich entschlossen, es doch noch einmal zu versuchen mit meinem Film, den ersten Teil haben sie ja sogar im Abendprogramm gezeigt. Der Direktor, ich denke, er ist neu, wirkt professionell, aber freundlich, meint, vor vier Tagen sei die Eingabefrist abgelaufen, aber doch, etwas von Sansibar, das interessiere ihn schon. Ich dürfe mir allerdings nicht zu viel Hoffnung machen, dieses Jahr seien 4000 Filme eingereicht worden und zeigen könnten sie nur 18. Nein, weitere Unterlagen brauche er nicht, bis Mitte Mai sei entschieden. Falls mein Film angenommen werde, könne ich dann noch weiteres einreichen.


Sitzungen im Lukmaan - nun ohne mich, ich mag von den Finanzen nichts mehr wissen. Salum berichtet, man habe beschlossen, dass sich kein Besitzer mehr einfach bedienen dürfe, von nun an würde allen Teilhabern ein Lohn ausbezahlt. Ich und Awadh bekämen je 25’000.-, also etwas mehr als 12.-SFR pro Tag, Othman, Ajba und Salum, Mr.Kanzu oder sein Vertreter Ally wohl ebenfalls, würden 50’000.- also das Doppelte davon erhalten. Das klingt nach wenig, doch ein Monatseinkommen von rund 750.- Dollar ist hier bereits etwas. Dies multipliziert mal vier gibt 3000.- Dollar pro Monat, Awadh und ich werden vermutlich verzichten. 3000.- ist ein rechter Betrag. Wurde bisher soviel einfach „heraus genommen“? Dann würde ja der Lukmaan doch rentieren. Für mich ist das alles immer noch schleierhaft. Ajba und Ally und Othman sehe ich häufig mit Zetteln und Zahlen am Rechnen und Salum scheint nun - wo der Regen wohl für dieses Mal vorbei ist - ernsthaft daran zu sein, die Gartenwirtschaft für den Regen brauchbar zu machen.

Samstag, 21. April 2018

2018.04.19, Sansibar



Eine meiner täglichen Besucherinnen, eine dreifarbige Mutter, stimmgewaltig und auch sonst eine Charakterperson, wo sie ihren Nachwuchs versteckt hat weiss ich nicht.
Seit bald einer Woche zum ersten Mal etwas Sonnenschein, der Regen hat zwar kontinuierlich nachgelassen, die schweren Wolken blieben jedoch hängen, in etwas weniger als einer Woche reise ich ab. Sofort beginne ich mit waschen, denn während der Regentage ist das unmöglich, selbst die trockenen Kleider fühlen sich feucht an.
Vieles hat sich bewegt, vieles müsste noch bewegt werden. Und natürlich mache ich mir bereits Sorgen um all meine Katzen. Die fünf Kleinen im Haus, aber auch die vielen Strassenkatzen, die mich täglich besuchen und Futter bekommen. Viele kommen auch nur vorbei um etwas gestreichelt zu werden. Adoptiert zu werden und Zugang ins Haus wünschen viele, sie taten mir während der starken Regenfälle leid. - Auch Menschen haben gelitten, in den Vororten habe es Überschwemmungen gegeben, hier im Stadtzentrum blieben wir vor solchem verschont. Vielleicht auch, weil man früher noch wusste, wo man bauen darf und wo man es besser bleiben lassen sollte.


Auch die Hühner, sie fressen so ziemlich alles, man sagt dem hier "organic",  mögen mein Katzenfutter
Mit etwas Mühe haben ich es letztes Wochenende doch noch geschafft, das Erdgeschoss fertig zu renovieren, all die Handwerker, die seit Jahren hier etwas wie ein Zuhause hatten - mit gutem Badezimmer, selbst Wäsche wurde gewaschen, die Handys aufgeladen und in der Mittagshitze gedöst, Abu hat hier sein Motorrad parkiert, weil er es Zuhause nicht hinein nehmen kann - mussten ihre Gratisbleibe nun verlassen. Sie taten das ungern und zeigten es mir. Mich nervt das, denn Sie könnten auch sagen, dass sie dankbar sind, hier während so langer Zeit geduldet worden zu sein. - Ausserdem kriegten sie ja einen Raum im neuen Haus, kleiner als bisher und das Badezimmer ist noch nicht renoviert. Trotzdem.


Der endlich geleerte und fertig gepinselte grosse Saal Richtung  Gasse.
Am Montag zogen dann die beiden holländischen Schwestern ein, die Studentinnen, die hier für Hifadhi und mich arbeiten sollen. Ihre ersten Aktivitäten sind etwas anders, als ich mir das vorgestellt habe, ich merke, dass ich von gestern bin. Bevor eigentliche Architekturarbeiten gemacht werden, macht man sich auf den Social Media präsent, Facebook und Instagram, man sendet mir die links, ich bin nun ein follower, Fotos, auch mit den Kindern und Kindermädchen von Salum, schön drapiert dekorieren sie die Liegenschaft von Kiponda, die renoviert werden soll.
Die Kätzchen finden sie zwar mit Worten süss, doch merke ich noch wenig durch ihr Verhalten, ich habe diesbezüglich nicht wirklich ein gutes Gefühl, ja, doch, die Katzen würde man riechen im Erdgeschoss, finden sie.


Freitag, 20. April 2018

2018.04.15, Sansibar

11 Uhr morgens im Baoboab Lukmaan, am Nebentisch sitzt ein Reiseführer, er will seine zwei Gäste anschliessend auf die „Prison Island“ bringen. Das kommt mir vor wie Japaner, die bei Nebel aufs Jungfrau Joch fahren, der Regen ist zwar nicht mehr stark, doch stetig.
Im Restaurant hat es pro Gast mindestens 10 Angestellte, doch man wird deshalb nicht rascher bedient, ich vernehme, dass es kein Gas mehr habe. Seit ein paar Wochen hat es in beiden  Restaurants einen Gastank, die Installation war gratis, Afrika wird nun von den Geschäftsleuten umworben. Das ist gut, das aufwändige Umhängen der Glasflaschen entfällt und damit auch ein Risiko für Fehler. Nur müsste man nun im voraus daran denken, neues Gas zu bestellen. Daran hat sich Othman offensichtlich noch nicht gewöhnt.

Ein Foto aus glücklichen Zeiten, auch Chango ist unterdessen gestorben.
Seit Freitag Abend regnet es, in der Nacht sehr stark, tagsüber etwas schwächer. Die Abläufe sind nach den vereinzelten Regenfällen der Vortage bereits gut durchgespült, das Wasser staut sich nicht, ich sehe keine Schäden.
Frisch inspiriert von meinem Ausflug nach Daresalaam wurde meine gute Laune hier rasch abgekühlt. Der Nachbar, mit dem ich den Chango teile, kommt am Mittag weinend vorbei und erzählt mir, der sei tot. Noch am Morgen habe er vor seinem Haus gespielt. Er sei rasch weg gegangen und als er zurück gekommen sei, sei Chango tot dort gelegen. Die Mutter habe laut gejammert, den die war immer noch stark mit ihrem Sohn verbunden. Chango ist in den letzten Tagen seltener bei mir gewesen, hat aber die Nacht davor bei mir verbracht. Weil es regnete, hat er den Blumentopf, den ich dafür vorgesehen habe, als Toilette benutzt. Die erdigen Fussspuren auf dessen Rand verblassen nun langsam im Regen.

E.T., Foro, die Kleine, die noch keinen Namen hat, Häxli und Röteli haben nun tagsüber freien Ausgang auf die Strasse. Natürlich wird dadurch ihr Leben gefährlicher.
Ich treffe Suzanne aus Holland, die hier für eine NGO Einheimische zu Reiseführern ausbildet, Berend hat mir ihre Adresse angegeben. Sie hat zwei hübsche Mischlingskinder, die eventuell meine Katzen füttern könnten. Die sind zwar begeistert, sie haben selber auch Katzen, doch scheint mir die Belastung nebst der Schule zu gross um zwei Mal täglich vorbei zu kommen, für die nächsten zwei Monate habe ich ja Studentinnen. Suzanne gibt mir auch noch die Telefonnummer einer Nachbarin, Maida, eine junge Inderin, die ihre Kinder unterrichtet, die liebe Katzen, eine sehr interessante Frau. Ich solle doch mit ihr einen Film über das Katzenproblem drehen, die sei sehr gut vor der Kamera. Suzanne kann sich noch an meinen Film erinnern, den ich vor Jahren am Sansibar Filmfestival gezeigt habe.

Der plötzliche Tod von Chango beschäftigt mich. Zwei Tage vorher hat jemand eine halbverrottete Katze vor unsere Türe geschmissen, zum Glück hat Salum sie entfernen lassen bevor ich sie sah, einzig der merkwürdige Geruch an diesem Tag ist mir aufgefallen. Will mir jemand etwas Böses - obwohl er mit Chango noch viel mehr den Nachbarn getroffen hat? Es gibt zwar viele Leute, die am Haus vorbei laufen und mich mit den Katzen sehen und dies wohlwollend kommentieren. Von den vielen Halbwüchsigen auf der Rückseite des Hauses höre ich jedoch auch spöttische Bemerkungen, aber Hass?

Dienstag, 17. April 2018

2018.04.13, Sansibar



Der Fährhafen von Sansibar frühmorgens
Mit dem ersten Schiff fahre ich nach Daresalaam, Abfahrt nach Fahrplan um 7 Uhr. Sobald ich unterwegs bin, stellt sich dieses prickelnde Gefühl ein, Freiheit, Schreibfreudigkeit auch. Im Fährterminal gibt es nun Sicherheitsschleusen, als „Resident“ werde ich durch den VIP Eingang geleitet, Sicherheitsvideos auf dem Schiff. Nun weiss ich, dass es unter meinem Sitz eine Schwimmweste haben müsste, beruhigend, es ist ein regnerischer Tag, das Meer ruhig, das Schiff „Lady of Zanzibar“ neu und sehr komfortabel. Erstmals fahre ich alleine nach Daresalaam, ich bin seit Jahren nicht mehr dort gewesen, denn die meisten Waren kann man nun ebensogut in Sansibar kaufen. 
Die Überfahrt dauert nur noch anderthalb Stunden. Ich sitze auf Anraten von Salum in der „business class“. In Afrika wird man als vermutlich wohlhabend immer sehr zuvorkommend behandelt. Eine hübsche junge Frau mit Baby im Arm, drückt mir beim Absitzen ihre riesige Tasche ins Gesicht. Ich bin nicht traurig, dass der Schiffsbegleiter sie in die „economy class“ verweist. Nach Daresalaam fahre ich, weil es dort die beste Veterinärklinik der Region gibt. Hier werden Tiere behandelt, aber auch Medikamente verkauft. Den Impfstoff gegen Katzenschnupfen haben sie zwar auch nicht vorrätig, der komme erst Ende Monat wieder. Trotzdem möchte ich wegen den übrigen Medikamenten für meine Katzenklinik dort vorbei schauen, denn ich bin im Moment etwas in Zweifel geraten über mein Projekt.

In der "Lady of Zanzibar"
Ist Dr.Rama der richtige Mann, oder besser, ist er der beste Mann, den ich hier finde? Den Tod von Jojo vergebe ich ihm immer noch nicht wirklich und die erste Katzenfang- und Kastrationsaktion, die ich letztes Wochenende durchführen wollte, ist ins Wasser gefallen. Auch buchstäblich. Die Regenzeit meint es nun ernster, täglich stärkere Güsse, da verstecken sich die Katzen. Ich fange einzig ein weisses weibliche Tier, das täglich vorbei kommt und sehr anhänglich ist. Am Abend dann zusammen mit Rama im Hafen noch einen Kater. Als er merkt, dass er gefangen ist, wehrt er sich fürchterlich, das gefällt mir gar nicht, diese Panik, wahrscheinlich bin ich zu dünnhäutig für solches, zum Glück beruhigt er sich bald. Die beiden Katzen bleiben über Nacht ohne Futter. Als ich am Morgen hinüber gehe, stelle ich fest, dass das kleine Weibchen, das merkwürdigerweise bereits grosse Zitzen hat, sich hinten am Kopf grossflächig alle Haare weggeschabt hat und an der Nase blutet. Salum erzählt mir, er habe es frühmorgens, den Kopf im Käfiggitter eingeklemmt, vorgefunden und befreit. Diese Käfige hat Rama machen lassen, sie haben viel gekostet und wir haben sehr lange darauf gewartet. Offensichtlich müssen sie nun noch nachgebessert werden, vorläufig fangen wir keine Katzen mehr. Auch dies ist nicht dienlich für mein Vertrauen, bei den Käfigen hat Dr.Rama sicher mitverdient. Dass er meinte, die Kosten für Medikamente betrügen pro Katze 30’000.-, Anna jedoch von  einem Drittel sprach - die Arbeit mache er gratis, meinte Rama - auch dies hat mich hellhörig gemacht. Nun gehe ich eben selber schauen.


Ankunft in Daresalaam
Daresalaam hat sich weniger verändert als ich gedacht habe, die alten Quartiere sind zwar grösstenteils verschwunden, viele Hochhäuser, doch sobald man aus dem Zentrum heraus kommt immer noch eine weitläufige grüne Stadt - mindestens jetzt, währen der Regenzeit - einzig die hohen Mauern mit Stacheldraht, die alle Besitzungen umgeben, stören das Bild. Die „Vet Care Clinic“ wirkt professionell, ich frage den Tierarzt Dr.Sinare, ob er mich etwas herum führen könne. Eine Luxusklinik für Stubentiger, ich darf selbst in die Behandlungszimmer. Nicht nur, meint der Veterinär und zeigt mir ein Gehege mit Strassenkatzen, die meisten sind jung. Zu einem Grüppchen zusammengedrängt wirken sie gar nicht unglücklich. Man versuche sie zu platzieren, doch mit der Krise sei das schwierig, die Leute dächten dann erst an sich selber. Die Krise, man hört das immer hier, welche genau, es boomt doch alles? Doch scheinen die strenger kontrollierten  Steuergesetze und das neu eingeführte Arbeitsrecht vielen auf afrikanische Art geschäftenden Betrieben - siehe Lukmaan - das Genick zu brechen. Selbst die Coastal Airlines sei in Schwierigkeiten geraten, hört man munkeln, jetzt wo die Massnahmen auf dem Festland langsam greifen.


Die alte Kirche neben dem Anlegeplatz der Schiffe steht noch, das Hochhaus dahinter kenne ich auch bereits, doch die drei Hochhäuser und ein paar weitere, meist nicht so hoch, sind neu und haben die Altstadt mehr oder weniger verdrängt.
Dr.Sinare erweist sich als sehr nützliche Person. Bestens gebildet, zusätzlich Populationsbiologe, kann er mir für vieles die Augen öffnen. Am Schluss gehe ich ohne Medikamente, dafür mit neuen Ideen nach Hause. Wie ich befürchtet habe, bringt ein planloses Eingreifen überhaupt nichts. Sinare erklärt mir, dass in einem ersten Schritt, die Bevölkerung sensibilisiert werden müsse, denn ohne die sei nichts nachhaltig. Man müsse alle Katzenbesitzer überzeugen ihre Tiere kastrieren zu lassen. Vom Islam her nicht einfach, meint er, da jedoch vor gut 10 Jahren eine Kampagne gut funktioniert hat, braucht es nur eine Auffrischung. Man müsse einen Verein gründen und die Kinder sensibilisieren. Wenn ich dann wisse, wieviele Katzenhalter bereit wären ihre Tiere kastrieren zu lassen, könne er mit etwa 10 Einsatztruppen herkommen, junge Tierärzte, die Erfahrung bräuchten, angeleitet natürlich durch eine erfahrene Person - da käme Dr.Rama ins Spiel - auch seine Kontaktperson in Sansibar meint Sinare. Man müsse nur Reise, Unterkunft, Verpflegung und ein Sackgeld übernehmen, für die sei dies ein guter Einstieg ins Berufsleben. Sinare nimmt kein Blatt vor den Mund, ist direkt, das gefällt mir, ohne Geld gehe nichts. Die Medikamente lasse man sich am besten von Europa spendieren, leider habe er aber im Moment keine Zeit solch einen Antrag zu formulieren. Ich denke an die Schweizer Chemie und sage, ich wolle das übernehmen, er müsse mir nur eine Liste der benötigten Medikamente zusenden.
In meiner kurzen verbleibenden Zeit werde ich nun versuchen, den Keim für einen Katzenverein zu streuen.

Nach dem ersten Schritt kommt dann der anspruchsvollere Teil, das Kastrieren der Strassenkatzen. Auch hier hat Sinare Konzepte. Man müsse in einer Region alle Weibchen kastrieren, die Männchen ebenfalls, bis auf ein Alphamännchen, das man nur sterilisiere. Bei dem bleibe der Geschlechtstrieb erhalten, der verteidige weiterhin sein Revier vor anderen Moudis, die einzudringen versuchten. Neu eindringende Weibchen müssten regelmässig eingefangen und kastriert werden. Verringere sich nämlich der Katzenbestand in einem Gebiet, dann werde der rasch durch neu ins Gebiet einwandernde Katzen aufgefüllt.

Schliesslich kaufe ich 20 Dosen Katzenschnupfenimpfung, sie werden später geliefert, mindestens für meine Schützlinge, ein teurer Spass, eine gesponserte Impfaktion wäre auch hier von Nutzen. Sansibar - weil kleinräumig - sei zwar in vielem einfacher als das Festland. Hingegen führe dies zu mehr Inzucht in der Katzenpopulation, was deren Immunsystem nicht gut bekomme, Katzenschnupfen sei weiter verbreitet als anderswo.


zurück in Sansibar

Bereits am Mittag fahre ich zurück nach Sansibar, den Einkauf und das Essen in Daresalaam lasse ich aus wegen dem starken Regen, der eingesetzt hat. Der Angestellte im Fährterminal nötigt mich zu einem Trinkgeld dafür, dass er mich auf das Schiff geleitet, dafür will er 10‘000.-,  ein Tagessalär, ich gebe ihm die Hälfte und finde bereits das eine Frechheit, wegen dem Regen meint er. Auf dem Schiff spricht mich mein junger Sitznachbar an, ob ich Nachrichten gehört habe? In Deutschland verbiete man alle Strassennamen von berühmten Personen. Nein, sage ich etwas beschämt, hier würde ich nicht regelmässig Nachrichten hören. Ich nehme mir vor, dem nachzugehen, sicherlich wurde da etwas falsch verstanden.