Dienstag, 30. April 2019

21.April 2019

Drohende Ungeheuer am Himmel. Oder interpretiere ich da?
Ich habe ein ungutes Gefühl, von ZAASO habe ich nichts mehr gehört, wenn ich nach meiner Katzenfamilie frage, die ich vor fast drei Wochen brachte, heisst es: allen gehe es gut, wenn nach Fotos, kommt nichts. Mir gefällt diese Stille gar nicht.
Am späteren Nachmittag fahren wir zu ZAASO hinaus.  Mein Bauchgefühl war gut, es stimmt wirklich etwas nicht, die beiden Jungen sind gestorben, Neuinfektion mit Katzenschnupfenviren. Als ich die Käfige dort sehe, wird mir auch sofort klar warum, hygienische Gründe, da wurden sicher keine Käfige desinfiziert oder Junge und Erwachsene getrennt und die Katzenbabies sind die ersten, die am Schnupfen sterben. Ein trauriger Tag, meint man, heute seien 4 davon gestorben. Und Flavi, der neue Tierarzt, den ich bezahle, meint, ich hätte sie nicht bringen sollen, viel zu gefährlich, weshalb hat mir Charles das nicht gesagt? Ich fühle mich schuldig. Beide waren auf dem Weg zur Besserung. Dem einen hätte man das zerstörte Auge entfernen müssen, denn das begann zu schmerzen, das andere hatte an diesem Samstag Morgen einen Unfall, jemand fuhr auf seinen Fuss, es wollte das Bein nicht gebrauchen. Deshalb habe ich das Angebot gerne angenommen, habe die Mutter, die so viel Vertrauen in mich hatte, und die zwei Kätzchen zu den Tierärzten gebracht. Ich war auch ein wenig froh, gebe ich zu, wir wollten an diesem Tag ans Meer fahren, und meine Kätzchen mussten 5 Mal pro Tag behandelt werden, das gab viel zu tun.

Die zwei Pfleglinge erholten sich etwas auf meinem Schoss
Bei ZAASO hat das wahrscheinlich niemand mehr getan, keine Zeit. Chaotisch. Manchmal viel zu viele Helfer, jetzt gerade keine, ich habe das Gefühl, dass die drei Tierärzte - von denen nur einer voll ausgebildet ist - vollkommen überlastet sind und in einer Art Totenstarre verharren. Ich frage mich sogar, ob sie überhaupt noch Geld für Futter für die vielen Katzen und Hunde haben, die sie beherbergen, offensichtlich wird hier nichts getötet, da kriegen traurigste Figuren ihr Gnadenbrot.
Langsam sehe ich rot mit meinen Versprechungen an ZAASO, ich habe geglaubt, eine funktionierende Tierschutzorganisation in ihrer Erweiterung in die Stadt zu unterstützen, merke aber jetzt, dass es da wohl noch ganz andere Löcher zu stopfen gibt, das macht mir Angst.

Den weiss-schwarz gefleckten Buben  nehmen wir gleich mit in die Stadt.

Ein Foto aus glücklichen Zeiten
Und die Mutter will ich morgen auch holen gehen. Ich habe sie kaum wieder erkannt, können Katzen auch depressiv werden? Die Augen entzündet und traurig, das Fell schmutzig, sie erkennt mich nicht mehr. Nein, so kann man die nicht kastrieren, selbst wenn das Risiko besteht, dass sie den Virus auf die nächsten Kätzchen überträgt. Sie war eine derartig  begeisterte Mutter. Hoffentlich schaffen wir es, dass zwei eines neuen Wurfes überleben. Anschliessend kann sie kastriert werden, denn Katzenfamilien bleiben ja sehr lange, vielleicht lebenslänglich zusammen.

20.April 2019

Ein  zweites Leben hat hier vieles, ohne das man dafür etwas tun müsste. Direkt-Rezykling auf dem Land, die Leute sind kreativ. Doch was passiert mit dem Plastik danach?
Salum fragt mich, welchen Sachen ich denn nun den Vorzug gebe. Umwelterziehung, Abfallmanagement, Bäume pflanzen oder Strassenkatzenprojekt? Bei ihm ist es klar, das weiss ich, er hat schon immer vom Bäume pflanzen gesprochen. Ich sage ihm, dass ich das nicht so rasch entscheiden könne, da müsse ich mich noch besser in die verschiedenen Themen einlesen und das ganze verdauen.

verschiedene Lampenmodelle
Heute Abend gehe ich wieder einmal mit den Frauen und Kindern in die Forodhani Gardens. Nach dem Besuch des Spielplatzes gehen wir wie immer Essen von den verschiedenen Ständen holen. Nach dem Essen bemerke ich, dass ich ein schlechtes Gewissen habe. Den Abfall, den wir mit dem Plastikgeschirr produziert hätten. Mgeni reagiert nich. Und ja, dopple ich nach, vorher hätten sie die Pizzastückchen mit Zahnstochern serviert, jetzt mit einer Plastikgabel, unnötig sei dies. Nein, meint Mgeni, diese Gabel sei doch viel praktischer - aber der Plastiksabfall. Es habe doch einen Abfallkübel gleich nebenan. Damit ist für Mgeni das Abfallproblem bewältigt. Früher gab es das nicht, damals lag der ganze Abfall herum, ein Fortschritt, dass man den Abfall nicht mehr sieht, der wird in irgend einem Vorort in einer wilden Deponie entsorgt und darüber denkt man nicht nach. 
Am Strassenrand warten Autos mit Stereoanlagen. Bass in voller Lautstärke, so dass man das noch am anderen Ende des Hafens hört. Ich finde das furchtbar, doch Mgeni scheint absolut kein Problem zu sehen. Auch in Bezug auf Lärm sind die Leute hier extrem tolerant.
In Anbetracht dessen weiss ich es plötzlich: Umwelterziehung ist dringend. Ohne zuerst das Verhalten der Leute zu ändern, wird auch das teuerste Abfallentsorgungskonzept nichts bringen.

Mittwoch, 24. April 2019

15./16.April, Daresalaam

Meinolf Kuper in seinem Reich
Mit der ersten Fähre fahren Ueli, Denise, Salum und ich nach Daresalaam, wir wollen dort ein Hilfsprojekt besuchen. Erst bringen wir unser Gepäck in das Best Western Peninsula, im Stadtteil Msasani, der hauptsächlich von Expats bewohnt wird. Darauf besuchen wir in dem bereits stickig-schwülen Daresalaam die Organisation von Meinolf Kuper, dem Deutschen Entwicklungsfachman, der nun auf privater Basis die Organisationen AfriCraft und AfriArt betreibt. Im Stadtteil Msasani haben sie eine hübsche kleine Werkstadt, in der sortiert, gesäubert und rezykliert wird. Und was da heraus kommt ist erstaunlich. Meinolf hat tolle Ideen, die Ausführung ist perfekt, das scheinen alles Künstler zu sein, die hier arbeiten.

Selbst aus Flipflop Sohlen, die hier haufenweise als Einzelstücke am Strand liegen, gibt es originelles Spielzeug und praktische Türstopper. Zusammen geleimt und schliesslich mit Messern geformt wie Skulpturen, sieht das toll aus. 
Aus Bier-, Wein und Spirituosenflaschen gibt es originelle Gläser und Vasen.

Bestellungen aus Deutschland für Engelchen.
Meinolfs rechte Hand scheint gute Beziehungen zu der Regierung zu haben, das ist wichtig. Zum Glück habe ich hier Salum, ich hätte keine Lust, mit diesen korrupten Leuten zu verhandeln. Nicht alle, meint Salum, es gäbe auch Gute und durchaus Verständige. So muss man ja denken, denn ohne diese Beziehungen geht gar nichts in Tanzania. Africraft hat ein Stück Strand im besten Stadtteil von der Regierung gratis und zeitlich unbeschränkt zur Nutzung erhalten. Hier werden Stände mit Essen und Trinken aus Rezyklingmaterial - hauptsächlich PET-Flaschen - errichtet. Mit der Aktion werden einerseits Beachboys beschäftigt, die beim Einsammeln des angeschwemmten Abfalles und dem Bau der Hütten helfen. Andererseits gibt es auch für die Betreiber Arbeit und Geld, die Mittelschicht aus Daresalaam liebt es, am Abend an den Strand zu kommen. Schliesslich und am wichtigsten: Mit dieser Aktion sollen die Leute für das Abfallproblem sensibilisiert werden. - Eine riesige Arbeit. Beim raschen Durchstreifen der vorhandenen Literatur sehe ich, dass dies bereits seit rund 30 Jahren versucht wird. Von verschiedenen Organisationen, auf unterschiedliche Art, bisher offensichtlich mehr oder weniger erfolglos - wenn man davon absieht, dass es in guten Quartieren nun Abfallkübel hat und das Problem weniger sichtbar ist. Draussen in den Vororten motten die Abfallberge vor sich hin und die werden täglich höher.
Denise und Ueli vor einem als Bar bestellten PET-Recyklingstand in Arbeit


Wir besuchen auch Läden von Meinolf, in denen frisches Gemüse verkauft wird, ein weiterer Zweig von Africraft. Neben dem Anbau von Moeringa- und Baobabbäumen, deren Früchte und Blätter sehr gesund sein sollen und als Superfood getrocknet und zu Pulver verrieben nach Europa verkauft werden. Was mir nicht gefällt, sind natürlich Ort und Art dieser Läden, die werden von höchstens 10 Prozent der Bevölkerung frequentiert, sind im teuren Weissenquartier gelegen, anderswo würde das nie funktionieren. Und das Abfallproblem ist mit den wunderschönen Recyklinggegenständen noch lange nicht gelöst.

Was ich mir von Africraft und Meinolf erhoffe: Das Knowhow und die Ausbildung der bereits reichlich vorhandenen Leute in Sansibar, die Kunsthandwerk herstellen. Das muss hier auch professioneller werden, viele Gegenstände entsprechen nicht wirklich dem Geschmack, oder den Bedürfnissen der Touristen, die werden eher aus Mitleid gekauft.

Erhoffen tue ich mir natürlich auch Hilfe beim Vertrieb der Produkte in Europa. Africraft ist für mich vor allem eine Inspiration für die Geldbeschaffungsseite des Projektes, das ich in Sansibar aufbauen möchte. Die Abfallprojekte in den Beaches finde ich ebenfalls interessant. Das könnte man auch in Sansibar auf die Beine zu stellen versuchen.

Montag, 22. April 2019

14.April 2019

Ein letztes Foto vom einzigen, der anfangs 5 Kätzchen, es sitzt gleich hinter seiner Mutter. Heute ist auch das noch gestorben, es wurde von einem Motorrad überfahren.
Ein schlechter Tag, der Samstag, der 13.April. Erst schreibt mir Eddy, der Katzennachbar, das kleine rot-weisse Kätzchen sei gestorben. Von einem Motorrad überfahren, irgendwie habe ich in den letzten Tagen gefühlt, dass auch das letzte der 5 nicht überleben wird.
Dann begrüssen von Ueli und Denise, dies nicht unter dem Vorzeichen schlecht, sie sind in der Nacht hier angekommen. Trotz mehrmaligen Besuchen meinerseits im Serena Hotel, damit auch wirklich alles klappe, werden sie erst am nächsten Morgen erwartet, was mir um 4 Uhr morgens einen Anruf beschert, ob es eventuell 2 Serena Hotels hier gäbe.
Am Nachmittag ein erster gemeinsamer Ausflug in die Altstadt, wir besuchen zuerst Sasik, das Frauenkollektiv, das wirklich schöne Kissenbezüge und Bettüberwürfe herstellt und anschliessend das Zanzibar Art Center wo Hamad uns den Betrieb vorstellt.

Abends gemeinsames Nachtessen im Mercureys, darauf schlafe ich rasch ein, das ungewohnte Bier. Um viertel vor elf wache ich auf und frage mich weshalb, bis plötzlich Salum erscheint, ich solle mich rasch anziehen und hinaus gehen, es brenne bei den Nachbarn. Ich funktioniere, ziehe mich an, packe mein Handy ein und klemme Häxli unter den Arm, sie wehrt sich etwas, die Flammen vom Haus gegenüber, das knapp 8 Meter entfernt ist, schlagen hoch in den Himmel, ich renne die Treppe hinunter, Häxli strampelt sich los, Blanche und Eric wollen meine beiden weiteren Katzen holen gehen. Draussen sehe ich Mgeni, frage sie, wo die Kinder seien, die müsse sie doch sofort hinaus holen, bereits ein Chaos, viele Leute, ich habe wahrscheinlich einen Schock, laufe einfach davon, ich will nicht sehen, wie unser Haus nieder brennt und als ich beim Meer vorne bin kommt die Feuerwehr. Ich glaube nicht, dass die noch etwas retten können, bereits ist es ein Hexenkessel. In den Forodhani Gardens spricht mich eine hübsche Prostituierte an, was ich habe, auf Swahili, das spreche ich gerade überhaupt nicht mehr, ich solle ins Livingstone kommen, das will ich nicht, was machen? Zurück zum Haus. Die Feuerwehr scheint doch etwas ausrichten zu können, schliesslich haben sie die Flammen im Griff, bevor sie auf unser Haus übergreifen können. Zum Glück hatte es diese Nacht praktisch keinen Wind.


Am Morgen hat es noch etwas geraucht. Und vor allem fürchterlich gestunken.  Dieser Brandgeruch. Sobald nun irgendwo ein Feuer angezündet wird, werde ich nervös.
Irgend einmal erlöschen die Flammen wirklich, das oberste Stockwerk des Hauses ist niedergebrannt. Die Gaffer verziehen sich langsam und ich getraue mich wieder hinauf. Ein Chaos auf der Terrasse, umgestossene Blumentöpfe, ich erfahre, dass etwa 20 Nachbarn von unserem Dach aus das Feuer bekämpft haben. Rosso kommt mich freudig begrüssen, er hat sich im TeaHouse oben versteckt und vor Schreck unter das Bett gemacht. E.T. war unten im Erdgeschoss, die bleibt immer cool, und Häxli kommt um 3 Uhr morgens zu mir hinauf, sie hat vor der Türe gemiaut und Blanche hat sie hinein gelassen.

Ob diese Abdeckung wirklich gegen Regen nützt ist unklar. Erstaunt bin ich aber, wie rasch die Nachbarn, sie leben in Daresalaam und im Oman, hier auftauchen und sich um ihre Sachen kümmern
Was ich als schönes Erlebnis zurück behalte, ist sicherlich die Nachbarschaftshilfe hier. Da fast gar nichts funktioniert, was die Regierung machen sollte, helfen die Leute einander. Man ist auf die Nachbarn angewiesen. Auch deshalb nimmt man gegenseitig sehr viel in Kauf. - Obwohl auch die Feuerwehr professioneller agiert hat als ich gedacht habe. Die waren recht gut ausgerüstet und ausgebildet und die Schläuche waren lang genug, dass man vom letzten Ort, wo die Löschfahrzeuge hinkommen, bis zu unserem Haus gekommen ist.

Trotzdem. Wir haben zwar viel über Feuer gesprochen, doch bisher nichts unternommen. Ausser zwei Feuerlöschern - die nützen in solchen Situationen nichts mehr - haben wir kein Löschsystem, denn auch für den Notstrom muss man sorgen, der wurde sicherheitshalber abgestellt, und versichert ist unser Haus - wie die meisten hier - nicht.

Donnerstag, 18. April 2019

10.April 2019

Es gibt nun doch etwas Regen, wobei, richtig tropische Güsse auch wieder nicht, einen Tag lang kontinuierlichen Schweizer Regen, nur viel wärmer ist es und feucht. Die Strassenkatzen leiden, ich öffne das Erdgeschoss für sie, E.T., die das gar nicht schätzt, bleibt nun sowieso drinnen, also oben bei mir.

Am solchen Regentagen, sind meine Katzen faul, einzig Rosso hilft mir etwas auf dem Schreibtisch.
Häxli erkältet sich, ich übrigens auch, drei Tage fühle ich mich schlecht, Halsweh und Schnupfen. Häxli kriegt starkes Fieber, während zwei Tagen habe ich Angst, dass sie stirbt, doch dann wirken die Antibiotikaspritzen, sie bewegt sich wieder etwas und beginnt zu essen und trinken. An die 7 Leben der Katzen glaube ich schon lange nicht mehr, bin froh, dass wir es wieder einmal geschafft haben.

Krank will Häxli nicht ins Haus kommen, ich bastle ihr eine Hütte, die sie vor Regen und Sonnenschein schützt.

Samstag, 13. April 2019

6.April 2019


Gestern war ich mit Abassi, dem Sohn eines verstorbenen Bruders von Salum, der nun bei ihm lebt, am Open Day der Rudolf Steiner Schule in Bububu. In der Hoffnung, dass der 10-jährige Abassi, der Mühe mit dem Wechsel in die Stadt hat und in der Schule schlecht ist, vielleicht dort besser aufgehoben wäre. Zusammen malen wir ein anthroposophisches Wasserfarbenbild. Der Rest der Veranstaltung ist chaotisch, es werden von den Künstlern gesponserte Bilder versteigert, manche Bilder werden von den Künstlern selber zurück gekauft, eine Art Sponsoring auf Umwegen. Ich kaufe einen grossen Fotodruck auf Leinwand für 30.- Dollar. Mehr Verpflichtung als Bedürfnis.


Im anthroposophisch bunten Klassenzimmer malen wir Wasserfarbenbilder. Genauso, wie ich das  in der 1.Klasse gelernt habe.
Das Schulgebäude ist für hiesige Verhältnisse gut, in Bäume eingebettet, es wird von der Kidichi Spice Farm gratis zur Verfügung gestellt. Doch natürlich fehlt es auch hier am Unterhalt. Es werden Bananen gepflanzt und Küken aufgezogen, alles gut, finde ich, doch für Abassi weniger wichtig, der kommt ja vom Land. Ein ideales Gelände für von der Natur entwurzelte Stadtkinder. Doch gerade diese bezahlenden Stadtkinder will Judy - die australische Gründerin, Besitzerin von mehreren Restaurants und mit einem Einheimischen verheiratet - nicht mehr, nur noch Waisenkinder und Spenden. Blanche ist nun für das Fundraising angestellt, was auch bereits 1000.- Dollar pro Monat kostet. Eine ganze Gruppe von Leuten findet so ihr Auskommen mit der Beschaffung von Geld. Warum kein Gemisch von bezahlenden Kindern und bedürftigen Waisen möglich sein soll, verstehe ich nicht. Das wäre bereits für die soziale Durchmischen der Gesellschaft besser.

Die Steiner Schule liegt auf einem schönen Gelände.
Zurück zum Missionarischen. Judy, vor 10 Jahren eine attraktive und geschäftstüchtige Frau, läuft nun mit einem Kopftuch herum. Sie wirkt damit wie eine gestrenge Missionarin, fast erkenne ich sie nicht wieder. Wahrscheinlich auch dies eine Reaktion auf all dies, was man nicht verändern kann und was schmerzt.

Abassi in der Steiner Schule. Im Hintergrund Judy mit Schülerinnen.

Freitag, 12. April 2019

5.April 2019

Das Badezimmer wird provisorisch instand gesetzt, die leckenden Leitungen ausgewechselt, damit das Haus vom Gebrauch keinen Schaden nimmt

Im neuen Haus hinter dem Fischerhafen renoviere ich im Moment den 1.Stock provisorisch. Wasser und Strom und zwei Gitterabteile, in denen die Patienten frei herum laufen können. Wenn ZAASO, die Tierschutzorganisation, das selber macht, kommen wir nie weiter. Erst Geld beschaffen, meinen sie, Fundraising ist das neue Zauberwort. Malu, eine Südafrikanerin, die für eine australische Minengesellschaft im Kongo arbeitet und hin- und her pendelt, hat ohne Lohn und aus Überzeugung die administrative Leitung übernommen. Dies nachdem sich Anna, die Gründerin von ZAASO, aus- und abgebrannt - sie hat ihr ganzes Erbe aufgebraucht - mit ihren Tieren aufs Festland zurück gezogen hat, dort lebt es sich billiger. Doch leider hat Malu keine Ahnung vom Bauen und von den Preisen, das mache ich lieber selber.  Bereits beim  Anmelden der Wünsche ist Vorsicht geboten. Auf die Bitte an die einheimischen Tierärzte und Pfleger, eine Liste von Dingen zusammenzustellen, die für den Betrieb der Klinik notwendig sind, kam eine Wunschliste zusammen. Da ich ihnen den ganzen 1.Stock überlasse, will ein Tierarzt auch dort wohnen, was mir recht ist, doch ganze 6 Deckenventilatoren braucht es dazu nicht, die Leute haben solchen Luxus jetzt auch nicht. So habe ich die Liste mit dem Elektriker auf die Hälfte zusammen gestrichen.


Der Elektriker Ahmed hat im Behandlungsraum Lampen und Ventilatoren installiert.

Hilfsorganisation, das bedeutet weniger willkommene Hilfe als Geld. Da ist irgend einmal etwas komplett schief gelaufen in der Beziehung zwischen uns Weissen und Afrika. Wie man das rückgängig machen kann, weiss ich nicht. Die ersten Anschaffungen von Hilfsorganisationen sind meist teure Autos, ganz unabhängig davon, ob sie die für ihre Tätigkeit überhaupt benötigen.
Und da es auch hier - gleich wie mit dem Bewusstsein, dass wir ein Teil der Natur sind und eine Verantwortung haben - erst eine Veränderung in den Köpfen der Leute braucht, ist das alles eine langwierige und häufig auch deprimierende Arbeit. Ich muss aufpassen, dass ich nicht wie andere wohlmeinende Weisse, irgend einmal komplett ausgebrannt zurück bleibe.
Oder missionarisch werde.

3.April 2019

Hinter dem Fischerhafen finde ich ein Kätzchen, das kaum mehr auf den Beinen stehen kann, ich kann das nicht so lassen und nehme es mit. Doch es will weder fressen noch trinken, zu spät. Selbst die Kochsalz-Zuckerlösung, die ich ihm auf Anraten von Sybille einflösse, den meistens würden die Tierchen nicht verhungern, sondern verdursten, bringt nichts mehr. Das winzige Wesen wird schwächer und schwächer und stirbt am 3.Tag. Und das kleine Rot-Weisse vom Nachbarn sieht plötzlich schlecht aus, stirbt auch das noch?
Ein weiteres munteres weisses Kätzchen ist vorgestern hier zugelaufen, es verbringt zwei Nächte bei mir. Ausser einem Auge, das ich behandle, geht es ihm gut, es ist sehr zutraulich. Und heute plötzlich verschwunden. Gestohlen meint Salum. Ein gut gefüttertes und gepflegtes Kätzchen, das laufe nicht weg, die seien doch nicht dumm. Hoffentlich hat es einen guten Platz gefunden.

Unterdessen findet sich eine Patientin vor der Zeit im neuen Haus ein. Als ich schauen gehe, was gemacht worden ist, finde ich diese baldige Mutter bereits oben in der angehenden Klinik.



1.April 2019

Am Morgen spreche ich länger mit meinem Nachbarn Eddy, der sehr gut Englisch spricht. Früher habe er auf Containerschiffen gearbeitet, doch seit zwei Jahren sei er arbeitslos. Bei dem Problem mit dem Hafen von Sansibar spiele eben das Festland mit. Die hätten kein Interessen an einem gut funktionierenden Hafen in Sansibar, das sei Konkurrenz für Daresalaam. Desgleichen mit dem Flughafen, der seit Jahren ein Provisorium geblieben ist. Die Einwilligungen müssten immer von Tansania kommen. Es würde schon Interessenten aus Dubai und anderen arabischen Ländern geben, die Sansibar einen neuen Hafen bauen wollten, doch das werde vom Festland verhindert. Eine Erklärung, die mir einleuchtet. - Neben vielen Gerüchten, die man immer wieder bei den ursprünglichen Sansibaris hört, die sich vom Festland und den Massen der Einwanderer bedroht fühlen.

Die grossen Containerschiffe kommen nicht mehr nach Sansibar, was den Handel erschwert.




Sonntag, 7. April 2019

30.April 2019

In Rebeccas Lodge Panga Chumwi in Mnemba an der Ostküste

Ich nehme die Einladung von Rebecca, unserer englischen Nachbarin, an und gehe sie in ihrer Lodge in Mnemba  besuchen. Salum solle doch seine Familie mitnehmen, meint sie. So machen wir erstmals zusammen einen Ausflug ans Meer, Mgeni sagt begeistert zu. Es ist ein bedeckter Tag, in der Stone Town soll es sogar heftig geregnet haben, nicht so im Norden. Ich finde das genial, denn bei Sonnenschein gehe ich nicht gerne tagsüber an den Strand, viel zu heiss.

Die Kinder sind ängstlich am Meer, sie kennen das nicht. Einzig Abassi zeigt sich als Begabung, er schafft es kurz, auf meinem SUP stehen zu bleiben, doch leider hat er wenig Ausdauer.
Dafür essen sie erstaunlich gut am Tisch, das hätte ich nicht erwartet. Essen sie doch Zuhause meistens am Boden auf einer Matte und mit den Händen. Es gibt Pommes und gegrillten Kingfisch, der trocken ist. Alles gefroren und aufgetaut, meint Salum. Und da glauben die Touristen frisch gefangen Fisch zu essen, catch of the Day.


Links Mariam, das Kindermädchen, im  Hintergrund Abassi und rechts Mgeni. Ich habe zu spät an ein Foto gedacht, die Tischgesellschaft hat sich bereits wieder aufgelöst.

27.März 2019

Der schwarze Pilot im Flugzeug von Tanga zurück nach Sansibar ist extrem locker. Bis kurz vor dem Abheben lässt er seine Türe offen, denn es ist heiss. Diese Lockerheit, Verspieltheit im Positiven, vernachlässigende Unbesorgtheit im Schlechteren, scheint mir für die Leute hier typisch. Es funktioniert - oder eben auch nicht, so denken vom Schreiner über den Tierarzt bis zum Piloten. Ob da auch der Glaube ans Schicksal mitspielt, weiss ich nicht.

Das kleine Rot-Weisse ist nun das einzige Überlebende.
Es geht schnell mit dem Sterben bei diesen kleinen Dingern. Wie in der Geschichte der 10 kleinen Negerlein. Von den 5 Kätzchen verschwindet erst das Kleine, das mir den Weg zu der Mutter gezeigt hat. Etwas später das schwarz-weiss gefleckte, darauf das kleine Tigerchen und vor zwei Tagen das schwarz-rot gestromte, zu Beginn das stärkste Tier, nun ist ausgerechnet das weiss-rote geblieben, das ich einmal eine Nacht bei mir oben hatte und zwangsfütterte. Ausgerechnet das schwächliche Tier scheint einen Überlebenscharakter zu haben. Als die Mutter aufhörte, sie zu füttern und zu pflegen, ist es entschlossen zu mir hinüber gekommen, es hat eine Ersatzmutter gesucht und natürlich nicht gefunden, die übrigen Weibchen jagen es weg, einzig Rosso ist lieb, er möchte spielen. Doch das Rot-Weisse beginnt meinen Dosenfood zu fressen und im Unterschied zu den übrigen kriegt es keinen Durchfall. - Katzen sterben übrigens nicht, die verschwinden einfach. Nein, auch gerochen habe er nichts von den irgendwo verwesenden Tierchen, meint Eddy, der Nachbar.  Auch Jojo wollte sich verstecken vor dem Tod und Foro ebenfalls, was mir zusätzlich Mühe bereitet hat.


Da haben die beiden zwar kranken, doch von der Mutter umsorgten Kleinen doch viel grössere Überlebenschancen.


Ein Auge ist zwar verloren, doch wirkt das Mädchen recht zufrieden.