Montag, 24. November 2008

unterwegs, den 20. November 2008


Halb acht Uhr im Zug nach Bern. Der Tag bricht langsam an, es regnet nicht und ist nicht beissend kalt.

Kurz vor unserer Landung in Zürich spreche ich meinen Sitznachbarn doch noch an. Wie bei jedem Passagier, der sich bei dem Nachtflug in Nairobi neben mich setzt, bin ich zuerst gar nicht erfreut, hätte lieber zwei Sitze zum Schlafen gehabt. Und habe eigentlich auch auf einen bequemen Flug gehofft, in Nairobi werden gleich acht Container - bei Flugfracht sind das Aluboxen von rund zwei-mal-zwei-mal-drei Metern mit Aufschrift „Jettainer“ - in den Frachtraum geladen, ich finde, damit dürfte das Flugzeug nun wohl genügend beladen sein. Doch weit gefehlt, neben Touristen steigt in Nairobi eine ganze Gruppe Schwarzer ein, die Frauen verhüllt, Kinder und junge Männer, Muslime offensichtlich. Auf den gelben Tüchern der Frauen ist UNSR aufgedruckt. Flüchtlinge aus Somalia meint mein Sitznachbar, der Leiter der Gruppe, die wüssten von nichts. Doch als ihm die Stewardess aufträgt, die Leute über die Toiletten zu instruieren, meint er kurz, die wüssten das schon. Er selbst – vernehme ich nun – ist Kenyaner und begleitet die Flüchtlinge bis nach Amerika, sie sind also nicht für die Schweiz bestimmt. Erstaunlich eigentlich, dass die „Swiss“ wählen und nicht etwa „Kenyan Airways“. Das arme Flugpersonal ist ziemlich gefordert mit einem gänzlich gefüllten Flugzeug und rund fünfzig Passagieren, die noch nie geflogen sind und folglich auch keine Ahnung haben von den Regeln und zusätzlich kein Englisch verstehen, mein Sitznachbar amtet als Übersetzer und Aufseher. Und irgendwie bin ich froh, ich muss es zugeben, dass die Gruppe für den Weiterflug bestimmt ist, ich werde wohl langsam rassistisch. Doch wenn ich die Leute anschaue, in ihre Gesichter blicke, mir überlege, dass die in ihrem bisherigen Leben wohl nur etwas kärgliche Landwirtschaft betrieben haben und wie sie gewohnt haben, wie gelebt, was sollen denn die in der Schweiz sinnvolles tun können, wie sich jemals hier einleben, mindestens die erwachsenen Frauen? Und wie werden die mit unserer Kultur zurande kommen? Ehrlich gesagt wünsche ich mir keine Islamisierung der Schweiz. Stelle mir vor, wie das wäre, wenn mich auch hier die Frauen plötzlich darauf ansprechen würden, weshalb ich mich denn nicht verschleiere? Das sei doch schön, würde mir bestimmt gut stehen, das sei doch gut. Selbst die Jungen, auch mein Modell Leluu vor ein paar Tagen, meinen das in Sansibar. Und wenn ich mich plötzlich auch hier wieder rechtfertigen müsste, dass ich keine Kinder habe. Und nein, auch keine wolle, Danke.
Muslimische Afrikaner für Amerika. Das war wohl bereits vor der Wahl Obamas eingefädelt worden. Im Flughafenshop von Sansibar stöberte ich gestern Abend etwas herum. Ob ich nach dem Kanga von Obama suche, fragt die Verkäuferin. Nein Danke, antworte ich. Und blicke auf das hässliche Stück Stoff mit dem Aufdruck Obamas, sein Gesicht ist zu einer lächelnden Fratze verzerrt, doch hier scheint das zu gefallen, die Kangas sind äusserst gefragt.

Als wir über Sizilien fliegen bin ich wieder hellwach. Der Schlaf war schlecht und kurz, ich habe seit drei Tagen rheumatische Schmerzen im Rücken und muss so immer wieder neue, für kurze Zeit schmerzfreie Positionen suchen. Schon bald dann eine Riesenstadt, Rom, stelle ich auf der Fluginformation fest. Auch der nette junge Steward, der erstaunlicherweise während dem ganzen Flug seinen Humor nicht verliert, bestaunt bewundernd das Lichtermeer. Ist wohl noch nicht lange dabei. Später die einseitig scharf abgeschnittene Lichterkette entlang der italienischen Westküste, spärlicheres Hell über dem Apennin, ein Lichternetz dann wieder über der weiten Poebene. Ob da auch bereits Weihnachtsbeleuchtung mitblizt? Dann das Tessin, ich versuche zu erraten, über welchen See wir fliegen, der Flugplan ist jetzt zu ungenau. Später stelle ich fest, dass nicht mehr Lichterlinien entlang von Küsten, sondern Lichterbänder die Täler hinauf kriechen. Unterscheiden kann man die daran, dass sie beidseitig ausfransen, keine scharfe Kante haben, die Gebirge dazwischen sind fühlbar. - Plötzlich verblasst der ganze Glanz, Wolken müssen sich unter das Flugzeug geschoben haben. Schwarz ist es dann lange, durch eine Nebelschicht sinken wir dem Boden zu und erst kurz vor der Landung leuchtet das Lichtermeer von Zürich auf.

Im Zug. Der heranbrechende Tag enthüllt mir eine Landschaft unter tiefen Wolken, verstädtert entlang der Geleise zwischen Zürich und Bern. Hässlich, die Bäume jetzt praktisch kahl, doch das Gras noch erstaunlich grün. Weidende Pferde, das fällt mir auf, in Sansibar sieht man nur Büffel und Ziegen und Esel. Deshalb habe ich gedacht, dass Pferde wohl tropisches Klima schlecht vertrügen, denn Touristen würden einem Strandritt sicherlich nicht abgeneigt sein. Das stimmt aber offensichtlich nicht, denn die Prinzessin Salme berichtet von edlen Pferden, die ihre Brüder geritten hätten. Und von weissen Maultieren, die für die Damen bestimmt gewesen seinen. Sehr edel und selten auch sie, nur für die bessere Gesellschaft bestimmt. – Maultiere gibt es heute in Sansibar kaum mehr, doch Esel sehr viele und meist sehr schlecht behandelt. Im „Passinshow“, dem Konkurrenzlokal zum „Lukmaan“, viel älter jedoch, mit vielen Jahren Erfahrung, gibt es nun eine gedeckte Terrasse. In der Mitte der Tische wurde ein grosser Teich mit Fischen gebaut. Daran eine Tafel, die von der Gründung der Tierschutzorganisation von Sansibar kündet, eine Weile bereits ist das her. Wenn man nur etwas davon merken würde.

Sansibar, den 19. November 2008


Der Flug ab Zanzibar hat eine Stunde Verspätung, es ist bereits Nacht, das ärgert mich, mit der Sicht auf das Korallenmeer wird so nichts. Nach den Lichtern der Stone Town döse ich ein und als ich erwache, sehe ich bereits Daresalaam unter uns. Und glaube den „International Airport“ zu erkennen. Darauf fliegt jedoch die „Zanair“ Maschine einfach weiter, ich warte darauf, dass sie abdreht, jetzt fliegen wir bereits über gänzlich unbeleuchtetes Gebiet. Wo sind wir, merkt denn der Pilot nichts und alle Passagiere dösen vor sich hin? Ich werde unruhig, die Tunnelgeschichte von Dürrenmat kommt mir wieder einmal in den Sinn: Auf in den Abgrund und niemand merkt etwas. - Nach einer Weile tauchen wieder Lichter auf, sicherlich sind wir zehn Minuten geflogen, das Flugzeug immer horizontal, ich habe nichts von einer Kurve bemerkt. Und trotzdem mussten wir wohl einfach eine Warteschlaufe gedreht haben, denn wieder ist es der internationale Flughafen, nicht der lokale, auf dem wir schliesslich landen.

Im Flughafen von Daresalaam. Ein starker Ventilator verdrängt die stickige Luft, die Klimaanlage scheint heute nicht zu funktionieren, ich setze mich gerade darunter, so ist die Hitze erträglich. Ich habe ein Bier bestellt. Nach der Abreise von Babs und Familie das erste, ein einziges Mal in dieser Zeit habe ich mir einen Gin Tonic gegönnt.

Nur einen Monat Sansibar diesmal. Viel zu wenig. Obwohl ich mich vom ersten Tag an Zuhause fühlte. Und auch mit dem Ali prächtig auskam. Wie viel einfacher sind doch Beziehungen, wenn man nicht mehr die Erwartungen des verliebten, des dauernd verletzten Partners hat. Wir hatten solch eine gute Zeit zusammen, dass ich mich fast wieder in ihn verliebt habe. Mindestens bin ich mir diesmal viel weniger sicher als das letzte Mal, dass ich nicht mehr zurückkehren werde. Die Leute fragen mich: Wann kommst du wieder, ich sage „ich weiss es nicht“ und wenn sie insistieren „ in zwei-, in drei Monaten, je nach Laune eben, hier nimmt es ja eh niemand so genau mit der Wahrheit. Und mit der Zeit sowieso nicht. Doch dass ich zurückkomme, da bin ich sicher. Zu viele Leute kenne ich nun hier. Zu angenehm ist dieses Leben, dieses Schweben irgendwie. Nicht dass ich hier nichts tun würde, überhaupt nicht, unterdessen bin ich bereits recht beschäftigt. Doch nehme ich eben das ganze nicht gleich wie in der Schweiz. Auch wenn ich beispielsweise mit meinem Ölstrandbild heftig und lange gekämpft habe, nie zufrieden war, so konnte ich mich doch viel einfacher als in der Schweiz davon lösen. Jeden Tag drei, vier Stunden, fertig schien mir das Bild nie, doch trotzdem konnte ich danach hinausgehen, das ganze verfolgte mich nicht Tag und Nacht. Diese Gelassenheit. Empfinde ich die Leute hier als gleichgültig und träge, so glaube ich, ist ihr Einfluss, die ganze Stimmung hier, auf mich wohltuend heilsam. Nicht gleichgültig, noch lange nicht gleichgültig bin ich hier, auch nicht träge, aber eben doch gelassener, als ich dies je in der Schweiz schaffe. Der Zauber von Sansibar – von Afrika vielleicht überhaupt – ist wahrscheinlich, dass etwas abfärbt von der Lebenseinstellung hier. Das merke ich bei allen Weissen, die hier sesshaft sind, manche erschienen mir sogar bereits extrem angepasst. Vielleicht kommt das mit der Zeit - und ganz so weit möchte ich ja nicht gehen. Ein Leben zwischen beiden Welten ist also perfekt. Wenn auch aufwändig, das stimmt schon. Ankommen und Aufbruch, beides braucht Energie, soviel gilt es zu erledigen, nichts sollte vergessen werden.

Zurück zu Ali und Sansibar. Ich bin stolz auf ihn. Er hat bewiesen, dass er durchaus fähig ist zu lernen. Der Lukmaan wird immer professioneller, läuft immer besser, viele Fehler wurden ausgemerzt, Kosten eingespart, ich bin erstaunt, was alles gelaufen ist. Und überall in der Stadt sprechen mich Leute an: „Mama Lukamaan“. Der Lukmaan, ein ausgezeichnetes Restaurant, auf der ganzen Insel kenne man den. Sogar Mzungus kämen regelmässig dort essen. Was wahr ist, die Gemeinde der ortsansässigen Weissen schätzt den Lukmaan sehr, ist treue Kundschaft und auch die Travellers getrauen sich immer häufiger dorthin. Ali hat das Restaurant nun praktisch übernommen, ich sehe seinen Partner Othman nur noch ganz selten dort. – Was natürlich auch etwas traurig ist, ganz offensichtlich schaffen es die beiden nicht, im Team zu arbeiten. Und vielleicht ist es ja auch Weisheit, wenn sich der eine ohne Groll und Streit einfach zurückzieht und den anderen machen lässt. Auch wenn ich das schade finde, wie viel einfacher wäre es doch, das ganze gemeinsam zu managen - doch so geht es ganz offensichtlich ebenfalls. Mindestens unter der Regie von Ali. Und ist wohl der afrikanische Weg, das muss ich akzeptieren. Keiner macht dem anderen Vorwürfe, wenn der nur noch gerade im Restaurant auftaucht, um dort zu essen. Der Othman möge eben im Moment einfach nicht, nein, Streit hätten sie keinen gehabt. Schwierig für mich zu begreifen.

Sorgen macht uns im Moment nur das Haus. Und wehmütig schaue ich mich heute noch einmal genau um, bevor ich es Richtung Flughafen verlasse. Ich bin nicht sicher, ob ich dies jemals wieder in der gleichen Art sehen werde. Die Besitzerin will das Haus zurück, ist zwar immer freundlich lächelnd in ihrem schwarzen Schleier, doch wenn ich in ihre Augen schaue, so lachen die überhaupt nicht mit. Vertrauen habe ich sowieso keines mehr. Noch vor einem Jahr sagte sie uns, nein, verkaufen wolle sie nicht, doch wir sollten uns keine Sorgen machen, hier könnten wir bleiben, solange wir wollten. Das musste sie doch damals gewusst haben! Sicherlich hätte ich von Anfang an intensiver und kompromissbereiter für ein eigenes Haus geschaut, wenn wir eben nicht bereits ein sehr schönes bewohnt hätten mit dem alle im Vergleich abfielen. Item, jetzt ist es zu spät, die Häuser in der Altstadt haben bereits Preise fast wie in der Schweiz. Nur dass dabei keine rechtlichen Garantien bestehen. Baugesetze gibt es zwar schon, aber wenn der Nachbar etwas anderes machen will, dann muss er einfach genügend dafür bezahlen.

Ali erzählt mir am Stand von Jambiani, er habe Folgendes beobachtet und darüber nachgedacht: Paare mit afrikanischem Mann und weisser Frau, das funktioniere eben nicht so recht wegen dem Glauben. Weil sich die Frauen nicht bekehren wollten, weil Mzungus eben überhaupt keinen Draht zu Mungu, zu Gott mehr hätten. Doch wollten diese Männer zurück zu gläubigen einheimischen Frauen, dann gehe das eben auch nicht. Nichts gäbe es mit diesen Frauen zu diskutieren, die wüssten von nichts, keine Gespräche seien da möglich. Das müsse eben doch ändern. Von klein auf habe er in seiner Gesellschaft gelernt, dass Frauen nichts Wert seien, zu nichts fähig. Entsprechend würden eben die Frauen das auch glauben, sich kaum um Bildung bemühen, sich mit sehr wenig zufrieden geben, Ehemann und Kinder, das genüge, obwohl ja die Männer meist früher oder später davonlaufen würden, da gäbe es einfach keine Verständigung. So getrennt, wie die Welten von Männern und Frauen in seiner Gesellschaft gelebt würden, so getrennt dürften sie eben doch nicht sein, denn was wolle man da mir seiner Frau machen, ausser Sex? Kein Wunder, dass sich keine richtige emotionale Beziehung entwickle, die Beziehungen oberflächlich und endlich blieben.

Das Flughafenrestaurant füllt sich auf, es stinkt nach altem Frittieröl. Nach dem zweiten Bier fühle ich mich etwas betrunken, dafür weniger melancholisch. Ich befürchte ein volles Flugzeug und damit eine schlechte Nacht. Ganze Reisegruppen von Schweizern im Flughafen und die vielen Italiener fliegen wohl auch noch mit „Swiss“. Morgen in der kalten Schweiz. Wo Gelassenheit bewahren nur ein Wunsch.

Sonntag, 23. November 2008

Sansibar, den 16. November 2008


Ich beklage mich über meine Ungeschicklichkeit. Die Mangos, die ich auf die Küchenablage stelle, kugeln zu Boden, die Limetten ebenfalls, die Bleistifte vom Tisch und der Geschirrberg auf der Abtropffläche fällt immer wieder in sich zusammen. Doch was kann man da tun, hier ist ja alles schief, nie wirklich eben, selbst der Stuhl, auf dem ich gestern Abend auf der Dachterrasse hoch über der Altstadt im „Emerson Restaurant“ gesessen bin, war so schief, dass er meine Wirbelsäule zu einer schmerzhaften Verdrehung zwang. Doch vielleicht war das gar nicht der Stuhl, sondern die ganze Terrasse. Oder das ganze Haus. Da fällt eben viel häufiger etwas zu Boden.
Aus einem ähnlichen Grunde sage ich der Frida, der Managerin der Chumbe Island, des Marinen Schutzgebietes, für das ich eine Tafelausstellung konzipiere, dass sie die neuen Tafeln für die Ausstellung besser etwas zu gross bestellen solle. So zwei bis drei Zentimeter. So könnten wir hoffen, dass alle Rahmen gross genug sein werden. Und auf dem Anschlagsbrett im dortigen Büro lese ich den Spruch: Der glücklichste Mensch ist derjenige, der mit Bedingungen und Zuständen zurechtkommt, die alles andere als perfekt sind.

Missverständnisse. Leluu, die Nichte von Othman, dem Partner Alis im Lukmaan, kommt mich besuchen. Da sich Othman – wider unserer Abmachung im Juni – im Moment kaum noch im Restaurant zeigt, frage ich Leluu, was denn ihr Onkel, bei dem sie wohnt und die Kinder betreut, nun so mache. Der arbeite in einem Hotel, glaube sie, und ich frage nicht weiter. Frage dann später den Ali, was eigentlich los sei, sein Partner arbeite nun in einem Hotel. Ali versteht das nicht, meint, das glaube er nicht. Und lacht später und meint, die Leluu habe mir von einem Hotel erzählt? Das Wort werde im Swahili auch benutzt. Allerdings nicht im richtigen Sinne, „hoteli“ bedeute hier Restaurant, die Leluu habe den Lukmaan damit gemeint. Leluu spricht zwar erstaunlich gut Englisch, besucht eine Computerschule, da scheint sie ihrem Onkel nachzuschlagen, doch offensichtlich benutzt auch sie das Englisch auf Swahilistyle.

Heute ist Sonntag, wir fahren an die Südostküste, nach Jambiani. Mittlerweile kenne ich die Insel wohl besser als die Schweiz. Was allerdings auch einfacher ist, mit ihren nur 90 km Länge und 30km Breite. Die Strassen sind in den letzten Jahren erstaunlich gut instand gestellt worden, bis nach Jambiani hinunter ist alles neu geteert, wir brauchen nur noch etwa eineinhalb Stunden für die Reise. Und durchqueren dabei extrem warme Luft, kurz darauf aber auch wieder kühle. Die Fahrt erinnert mich an das Schwimmen im Meer oder in einem See, wo man immer wieder warme, aber auch kältere Strömungen durchquert. Auf dem Motorrad spürt man die Umgebung eben viel besser. Auch die vielen Gerüche, Blüten aus dem Wald und der traumhafte Duft blühender Orangenhaine hinter den uralten Mangobäumen, die eine rechte Weile als Allee die Strasse Richtung Süden säumen. Sie sollen noch von Sklaven, auf dem Fussweg zu ihrem neuen Zuhause, gesteckt worden.

Am Abend essen wir Früchte. Ali meint, ich solle aufpassen bei der Mango, da habe es vielleicht Würmer drin. Ich frage ganz erstaunt warum, das habe es doch noch nie gehabt, doch er meint, das sei möglich, und diese Mango sehe so aus. – Erst jetzt werde ich mir bewusst, dass es in den Tropenfrüchten eigentlich kaum einmal Würmer hat, weder in den Ananas, den Papayas, den Bananen, den Jackfruits noch eben den Mangos. An den Pflanzen zwar viel Ungeziefer, doch die Früchte selbst sind auch ohne Chemie im allgemeinen makellos – wenn nicht überreif und bereits verfault. Gegenüber unseren Äpfeln, Birnen, Zwetschen, Himbeeren und Brombeeren, die doch alle - mindestens biologisch gepflegt - häufig mit Würmern versehen sind. Wir seien bereits im Paradies hier, meine ich zu Ali. In Anspielung auf unsere häufigen Diskussionen darüber, dass ich nicht an Paradies und Hölle glauben kann. Wir seien bereits im Paradies, das Erdenleben sei gelebt, wir hätten dies ganz einfach nicht mitbekommen und seien nun bereits tot und auf der anderen Seite. Ali mag das nicht lustig finden.

Sansibar, den 13. November 2008


In den Tropen ist man nie alleine – bereits den vielen, die Insel Sansibar bevölkernden Menschen auszuweichen, ist ein Kunststück. Doch angenommen, man schaffe dies, so ist man noch lange nicht alleine, denn auch unzählige Tiere möchten gerne unser Gut teilen. Ali hat mir erzählt, dass Ratten in den Dächern wohnten und dass diese den bereits recht dicken Stamm der Passionspflanze als Wendeltreppe von den Dächern herunter benutzen würden - ich zweifle da etwas daran. Doch beim Kochen höre ich häufig ein Pfeifen oben im Dach, besonders wenn es Käsetoast gibt, das scheint die Tiere auch hier extrem nervös zu machen. Und wirklich, während dem Nachtessen steigt dann fast täglich ein Tier denn Stamm hinunter, doch würde ich das eher grosse Maus, denn Ratte nennen. Ali regt sich auf, rennt dem Tier mit einem Stock nach, doch das findet jedes Mal rechtzeitig ein Versteck irgendwo. Ich finde die Tiere anfangs süss. Nur werden sie sehr rasch unflätig und kennen keine Tabus mehr. Einen Zutritt zu der vergitterten Küche müssen sie sich auch irgendwie geschaffen haben, denn am Morgen liegen die Abfälle überall verstreut. Und auf dem Brunnenrand entdecke ich Mäusekot, ebenfalls in einem Blumentopf, dessen Boden durchwühlt ist und dessen Pflanzen zu welken beginnen. Das geht mir doch zu weit. Ali denkt an eine Katze. Ich habe nichts dagegen. Obwohl mir die hiesige Rasse fast etwas zu anhänglich und aufdringlich ist. Und vor allem zu laut, hiesige Katzen brauchen ihr Stimmorgan viel häufiger als ihre europäischen Artgenossen, das scheint ein wichtiges Kommunikationsmittel zu sein. Doch für mich tönt das laute Miauen häufig wie ein nerviges Jammern.

Auch andere Tiere hier sind ungewohnt lärmig. Das Buschbaby, von dem ich kürzlich in der Nacht wenigstens deutlich einen buschigen Schwanz im Licht der Strassenlaterne davonhuschen sah, hat eine aufdringlich laute und vielfältige Stimme, die es ungeniert mitten in der Nacht gebraucht. Und die indischen Raben, zu einer Plage geworden, denn sie eliminieren den übrigen Vogelbestand, krächzen auch bereits zur Zeit des Morgenrufes des Muezzin ungehalten laut. – Da ist mir unser heimlicher und wohl in Vielzahl vorhandener Hausbewohner, oft kaum wahrgenommen, so diskret ist der, doch viel lieber. All die kleinen weisslichen Echsen, die Geckos, die sich absolut geräuschlos flink an Wänden und Decken fortbewegen und keine Laute von sich geben – mindestens keine, die von uns wahrgenommen werden könnten. Und erst noch Mücken und andere Insekten – unsere schlimmsten Feinde hier – vertilgen.

Sansibar, den 12. November 2008


Als ich dem Strand entlang nordwärts um die Shanganispitze herumgehe, empfängt mich nach der Biegung erfrischender Wind: Der „Kazkazi“ bläst, der berühmte Nordostpassat, der die Seefahrer aus Indien und Arabien bis nach Sansibar gebracht hat. Nach wechselhaften Tagen mit plötzlichen Regenfällen, viel Schwüle und kaum Wind, scheint sich der Sommerwind – zögerlich noch, kein wildes Wehen, das Meer aufwühlend und die Fische in tiefere und für die lokalen Fischer unerreichbare Gründe hinunter treibend – zu installieren. Alle ankernden Schiffe, selbst die grössten Tanker, haben heute ihren Bug gegen Norden gerichtet, die riesigen bis winzigen Leiber schön parallel ausgerichtet. - Und Zuhause flattert die Wäsche fröhlich im Hof, denn bis hierher reicht der erfrischende Wind.

Das Geisterschiff. Am vorigen Abend bin ich auf der Terrasse des „Archipelago“ gesessen, weil ich wieder einmal schauen wollte, wie weit die Arbeiten unten in den „Forodhani Gardens“ fortgeschritten sind. Doch, man sieht langsam Strukturen, Mäuerchen, die ersten Bäume sind gepflanzt worden, irgendeinmal wird auch dieses Vorhaben ein Ende nehmen, ich freue mich darauf, diesen grossen Strandabschnitt der Stadt, der nun bereits fast ein Jahr geschlossen ist, wieder in Besitz nehmen zu können. Und die neue Hafenanlage soll bereits nächstens fertig gestellt sein. Man muss ja auch das Positive sehen. Nicht nur an der Tatsache herumstänkern, dass die Abwasserleitungen beim kleinsten Regenfall den ganzen Inhalt der Kanalisation direkt am Strand ins Meer schwemmen, in Rohren, die eigentlich nur für das Regenwasser vorgesehen sind und dass es so bisweilen statt nach Regen riecht, nach etwas ganz anderem stinkt. In Swahili heisst duften „nukia“ und stinken „nuka“. Ist eben alles recht nahe beieinander.
Doch zurück zu dem Schiff. Im „Archipelago“ geniesse ich den perfekten Cappuchino und schaue aufs Meer hinaus. Es ist bereits praktisch finster und plötzlich bemerke ich ein hell erleuchtetes mit Lichtergirlanden dekoriertes Riesenschiff ganz nahe am Strand. Das muss ein Kreuzfahrtschiff sein, mehrstöckig, ein Hochhaus ist das, beleuchtete Fenster, langsam scheint es sich abzudrehen, weshalb habe ich das vorher nicht bemerkt? Ich bezahle, will dem Lichterbaum nachlaufen, kaufe unterwegs noch Brot, das dauert, viele Leute sind da und bis ich den Strand beim „Tembo Hotel“ erreiche, ist der ganze Spuk verschwunden. Ich glaube das kaum, keine Spur mehr von einem hell erleuchteten Schiff, die gewohnten, dürftig beleuchteten Fährboote im Hafen, sonst Dunkelheit. Habe ich Halluzinationen? Dem Strand entlang gehe ich südwärts nach Hause und als ich die Shanganispitze erreicht habe, dort wo die Halbinsel abdreht, da sehe ich es wieder, dieses Riesending, doch bereits recht weit draussen, mit Kurs Richtung Daresalaam. Das muss ja gewaltige Motoren haben, dass es mit solch einer Geschwindigkeit verschwinden konnte! – Später erzähle ich dem Ali von meinem Erlebnis. Nicht ein Kreuzfahrtschiff sei heute vor der Stone Town geankert, meint er, ganze zwei seien es gewesen. Hier weiss man doch immer alles. Der Ali kommt ja weit weniger häufig am Meer vorbei als ich, doch wissen die Händler, die Guides, die Bettler, die Restaurants, überhaupt alle davon, wenn die Stadt von einer Horde bleicher und schwach bekleideter Mzungus überschwemmt wird, die keine Ahnung von den Preisen hier hat. Und alle erhoffen sich ein gutes Geschäft.

Sansibar, den 11. November 2008


Sonnenuntergänge hier. Wie manchem habe ich wohl bereits zugeschaut? Und immer noch empfinde ich es als etwas Ungeheuerliches, etwas Feierliches, eine Ruhe überkommt mich, Zeit existiert nicht mehr, häufig kann ich mich von der rasch wechselnden Szenerie des Einnachtens erst trennen, wenn der Himmel praktisch schwarz geworden ist. Schemenhaft erkenne ich noch Dahus, Fischerboote, die gemächlich durchs Dunkel hinausziehen. Sehen tut man das eigentlich nicht mehr. Wenn dies ein Bild wäre, Tiefblauschwarz mit wenigen Schattierungen, ohne Kommentar, dann wüsste niemand, was das sein soll. Wie vieles doch unser Hirn ergänzt, interpretiert, was das Auge kaum mehr sehen.

Wie immer wird am Strand Fussball gespielt. Momentan ist bei Sonnenuntergang Ebbe und da beinahe Vollmond ist, sehr niedrige Ebbe, die Fussballfelder sind also gross. Und neben den Fussballspielern steht ein Teil der Mannschaft etwas abseits in einer Reihe. Blick gegen Norden, Richtung Mekka, dem Meer zugewandt. Koordinierte Bewegungen, Kopf senken, Kopf heben, Kopf senken, auf die Knie, den Kopf vornüber beugen, die Stirne berührt den Sand. Bei diesen Jungen hat das Abendgebet nicht das in sich Gekehrte, das ich häufig bei Betenden beobachte. Eher wie Gymnastik sieht das aus, man will wieder spielen gehen, muss seine Pflicht erfüllen. Das ist aber nicht bei allen so. Kürzlich beobachtete ich einen alten Mann ganz alleine in der flirrendheissen Mittagshitze am Strand, niemand sonst, alle haben sich in den Schatten geflüchtet. Doch er, ganz versunken beim Gebet, scheint nichts von der Hitze zu spüren. Und am Morgen früh treffe ich häufig eine Gruppe Inder am Strand. Sie machen Gymnastik, eher gemächlich oder sitzen im Wasser und parlieren, und eine Frau macht ihr Joga und meditiert anschliessend. Die Magie dieses Ortes scheinen viele zu fühlen.

Als ich um die Halbinsel zurück gegen Süden wandere, ist es bereits tiefe Nacht. Aus dem üppig grünen Garten des „Serena Hotels“ klingt die Musik eines Tarab Orchesters, der Garten ist raffiniert beleuchtet, kleine Lämpchen hängen überall, Prinzessin Salme lässt grüssen, mit den Beschreibungen des prachtvollen Harems und Palastes des Sultan. – Daneben aber bleibt mir Salme fremd in ihrem Denken und Empfinden. Doch führe ich dies nicht auf den unterschiedlichen Kulturkreis zurück, es ist eher das Benehmen der Oberschicht, der Adligen und Könige, deren Luxus und Pracht und Verschwendungssucht, die mich abstösst. Woher kommt das Geld? Von den Sklaven die für die Herrschaft arbeiten, von Sklaven die verkauft werden. Da hilft es mir wenig, wenn Salme beteuert, dass ihr patriarchalisches System sehr gut mit diesen gewesen sei. Ein paar wenige wohl, diejenigen die am Sultanshof arbeiteten, häufig nur zu Repräsentationszwecken gehalten wurden und hübsch gekleidet vom Reichtum des Besitzers zeugten, denen ging es wahrscheinlich nicht allzu schlecht, doch all die übrigen? Überhaupt ein patriarchalisches System. Vielleicht nicht allzu schlecht, wenn der Patriarch ein gütiger Mensch. Doch eben trotzdem schlecht, weil es die Verantwortung, das Denken auf die kleine Führungsschicht konzentriert. Die übrigen haben zu gehorchen und zufrieden zu sein. Und gewöhnen sich an diese Rolle. Nachwehen dieses Systemes sieht man auch heute noch in Afrika: Die Leute sind sich gar nicht gewohnt, selber Initiativen zu ergreifen. Nicht einmal daran, selbständig zu denken. Denn dies war nie erwünscht. Und wurde bereits mit der Religion gerechtfertigt, die blinden Gehorsam wünscht und jegliches Hinterfragen verbietet.

Sansibar, den 9. November 2008


Heute ankern ganze fünf Jachten vor der Stone Town. Die drei, die bereits seit Tagen im Hafen sind plus zwei neue Segeljachten. Die Destination scheint sich unter Weltenbummlern herumgesprochen zu haben. Ich sitze mit Mody im „Tembo Hotel“ und versuche die Farben, die Stimmungen des Sonnenunterganges im Gehirn festzubrennen. Für mein Ölbild, das ich Zuhause am malen bin. Ein Strandbild, Sonnenuntergang vor Sansibar, alles andere als eine leichte Aufgabe. Das Risiko, dass es ein total kitschiges Ding wird ist riesig. Ich riskiere es trotzdem. Und die Übung, alles nur mit Skizzen festhalten, kein Foto, mit Absicht nicht, diese Herausforderung gefällt mir. Weil man nur so wirklich ein Bild kreieren kann. Eine Landschaft, Menschen, Stimmungen im Kopf oben zusammengesetzt mit Elementen der Realität, quasi ein Erschaffen einer imaginären, aber möglich scheinenden Szenerie. Durch die Methode des Malens verfremdet. Kompliziert wohl, meine Gedanken, auch das Malen alles andere als eine einfache Sache. Doch mir gefallen Herausforderungen. Und die Tatsache, das es hier sehr schwierig ist, draussen Menschen zu malen, rasche Skizzen müssen genügen, hilft mir dabei, dies endlich zu versuchen.

Ich beginne einen Vorteil der Kleinstadt zu geniessen. Der Hauptort von Sansibar, dessen Zentrum die Stone Town ist, hat rund 200'000 Einwohner, also etwa gleich viele, wie Bern. Doch im Zentrum leben viel weniger Leute. Dazu kommen noch diejenigen, die täglich von den Vororten herkommen, doch das bleibt eine übersichtliche Masse. Wenn ich das Haus verlasse, kommt es kaum jemals vor, dass ich nicht auf Bekannte treffe, mit denen ich nicht ein paar Worte wechseln könnte, etwas trinken gehen, was weiss ich, man hat hier meistens Zeit. - Und ist hartnäckig, eine weit verbreitete Eigenschaft. So muss ich einen Jüngling, der zu mir in den Durchgang hinein kommt, weil ich beim Malen wegen dem Licht, aber auch wegen der Dämpfe des Terpentinöls das Tor offen lasse, nach einer Viertelstunde Blabla, während der ich versuche, ihm klar zu machen, dass ich beim Malen keine Gesellschaft wünsche, fast gewalttätig wieder hinausweisen. Auch sind viele Leute, die etwas verkaufen wollen, extrem klebrig. Und auch Mody ist hartnäckig in seiner beständigen Frage, ob wir nicht wieder einmal zusammen ins Hotel gehen könnten, ein vergnüglicher Nachmittag und so. Ob ich denn alles vergessen habe? - Ob er denn kein schlechtes Gewissen seiner Frau gegenüber habe? – Nein, warum denn, meint er. Immer wieder.

Heute stellt mir Sarah, die Jüdin mit schweizer Pass und Schweizerdeutsch sprechend, einen weiteren Landsgenossen vor, Christoph mit Namen, glaube ich. Er ist Lehrer, sein Sabbatical geniessend, sechs Monate weg vom Berufsalltag, da fand er es spannend, für einen Kollegen einzuspringen, der hier in Sansibar ein Hilfsprojekt auf die Beine gestellt hat. Dieser Lehrerkollege also sammelte in der Schweiz Spendengelder um irgendwo im Osten der Insel, in einem kleinen Dorf, eine neue Dorfschule zu erstellen. Er leitete dies ein, verhandelte mit den zuständigen Behörden und beauftragte einen Architekten, die Sache zu übernehmen, richtete ein Bankkonto hier ein, reiste zurück in die Schweiz, hat in mehreren Tranchen bereits 120'000 Dollar nach Sansibar überwiesen und war erstaunt, dass die Sache etwas ins Stocken geraten war. Und schickte so seinen Kollegen aus, um danach zu schauen. Der beauftragte Unternehmer hier meinte, das brauche noch mehr Geld, 246'000 Dollar genau, er habe da bereits 20'000 zusätzlich vorschiessen müssen. Das wurde nun langsam suspekt, die Baustelle musste besichtigt werden. Christoph und Sarah und ein Architekt und weitere Leute gingen so das Projekt einmal anschauen. Das Resultat: Der zuständige hiesige Projektleiter hat ein neues Motorrad und neue Kleider, die Schulgebäude werden vom beigezogenen Fachmann auf höchstens einen Fünftel des Wertes geschätzt, die Gebäudequalität als miserabel bezeichnet, die Dachbalken aus völlig ungeeignetem Holz, das Fundament ungenügend, die Mauern zu dünn, alles in allem ein Gebäude, in dem es gefährlich sei, Kinder zu unterrichten, weil akute Einsturzgefahr bestehe, länger als fünf Jahre stehe das kaum, meinte der Fachmann. Das Geld wurde regelmässig bei Eingang vom eingerichteten Konto abgehoben, wo es jetzt ist wissen die Götter, jedoch sicher nicht in dieser Schule.

Er werde diese Typen vor Gericht ziehen, meint Christoph. Das sei Betrug, Diebstahl gar, eine grössere Sache, das bringe er in die Zeitung. Wo denn, frage ich, hier interessiere solches doch niemanden. Niemand finde das etwas Besonderes. Denke höchstens, diese dummen Mzungus, kaum zu glauben, solche Leichtgläubigkeit. Eine moralische Verurteilung, das könne er hier nur von ganz wenigen erwarten, das sei gewiss. In der Schweiz müsse man solches in die Zeitungen bringen, damit all diese gutmeinenden, leichtgläubigen Helfernaturen dort endlich etwas realistisch würden, geheilt. Und merkten, dass es nicht damit getan sei, Geld hierher zu senden. Nicht Geld brauchen die Leute hier, Bildung brauchen sie. Anleitung zum selber kritisch Denken einerseits, aber gleichzeitig moralische Grundsätze. Nur frage ich mich, ob man unsere Moral exportieren kann. Obwohl es doch eigentlich genau dieselbe ist, wie die hiesige. Die Gesetzestafeln von Moses kommen auch im Koran vor, die moralischen Richtlinien sind gleich. Nicht töten, nicht lügen, nicht stehlen, nicht bestechen und weiteres und – das gebe ich zu, auch dies in beiden Büchern genau gleich – nicht die Frau eines anderen begehren. Keine ausserehelichen Beziehungen. In beiden Büchern genau gleich stark gewichtet. Trotzdem scheinen hier in Sansibar auch nicht die geringsten moralischen Grundsätze auch wirklich breit praktiziert zu werden. Für Christoph, den Schweizer, ein Kulturschock und eine Katastrophe. Doch gleichzeitig merke ich, dass auch ihn wohl der Sansibarvirus bereits ergriffen hat. Wie ein Trip sei es hier, die Bilder, die Farben, wie Opium, wie dauernd verladen fühle er sich hier. Diese Schönheit – auch wenn er seit diesem Desaster kaum mehr schlafen könne.

Sansibar, den 7. November 2008


Der Morgen beginnt mit klarem blauem Himmel, nichts erinnert an die Regenfälle der vergangenen Tage. Das Meer ist bereits am frühen Morgen belebt. Fisherboote kehren vom nächtlichen Fang zurück, meist grössere Boote, mit Segel, jetzt auch häufig zusätzlich mit Motor. Andererseits werden winzige Boote, für eine Person geschaffen, meist ausgehöhlte Baumstämme, hinausgepaddelt, manche haben zusätzlich ein kümmerliches Segel, man hofft auf einen guten Fang. Wie zufällig – und wohl auch zufällig – verteilen sich die Boote auf dem Meer, durchkreuzen ziellos die weite, heute kaum gekräuselte Fläche in der Hoffnung, dass genau dort, wo sie durchkommen, der grosse Fang wartet. – Das Meer sei hier praktisch leer gefischt, meint die Schwedin, die auf Chumbe Forschung betreibt. Eine Kollegin sei daran, die Fische zu zählen, das Ergebnis hier um die Stone Town sei deprimierend. Und trotzdem fahren sie hinaus. Täglich. Man müsste ihnen schon etwas anderes vorschlagen können, wenn man dies verbieten will.
Inzwischen ist meine Wäsche gewaschen, neuen Uhr morgens, bereits sind viele Wolken am Himmel aufgezogen, man weiss hier nie, was der Tag bringt.

Gestern mache ich die Bekanntschaft unserer Nachbarin, der vermeintlichen Engländerin, doch sie spricht mich auf Hochdeutsch an, sie sei Deutsche, meint sie, lebe seit Jahren in Dänemark. - Bei all den Gerüchten lag also doch Saada, die Frau des deutschen Exkonsuls am nächsten. Die meinte, Dänin sei die, und Ärztin und wolle hier eine Praxis auftun. Das will sie allerdings bereits nicht mehr, zu kompliziert hier das Prozedere. Sie arbeite schon seit Jahren in Ostafrika, aber so kompliziert wie hier in Sansibar sei das sonst nirgendwo. Das brauche sie nicht mehr. So eine Spur willkommen fühlen möchte sie sich doch. Und wieder einmal stelle ich fest, dass die meisten Leute, die längere Zeit hier in Afrika in der Entwicklungshilfe gearbeitet haben, recht zynisch und desillusioniert geworden sind. Da muss man wohl sehr aufpassen. Henning Mankell zeigt das in seinen Romanen ja sehr gut auf. Wie Goodwill, naive Menschenliebe in Hass und Rassismus umschlagen können. – Sie also, die deutsche Dänin, verbringe lediglich noch den Winter hier in Sansibar. Allerdings nie mehr als zwei Monate am Stück, das halte sie nicht aus, gehe zwischendurch Freunde besuchen in Ostafrika.
Später meint sie, nirgendwo gäbe es derartig viele NGO’s, die in irgendwelchen Belangen tätig seien wie in Sansibar. Was bedeutet dies? Vermutlich, dass sich auch Entwicklungshelfer lieber dort niederlassen mit ihren Projekten, wo das Leben nicht allzu unangenehm ist. Eine Insel, das Meer, und durch die touristischen Zentren sind eben doch fast alle europäischen Annehmlichkeiten irgendwie erreichbar. Andererseits bin ich aber nicht ganz so sicher, ob Sansibar über all dieser Wohltaten so glücklich sein darf. Man hat sich hier etwas daran gewöhnt, dass alles irgendwie von jemandem finanziert wird, Eigeninitiativen der Bevölkerung kommen kaum zustande. Dies in einer Gesellschaft, die bereits historisch gesehen immer bemuttert wurde, in der selbständig denkende Menschen nicht gefragt waren, in der man die Obrigkeit achtete, sich nichts anderes vorstellen konnte. Eigentlich beschreibt dies Prinzessin Salme in ihrem Buch sehr gut – nur dass sie daraus ganz andere Schlüsse zieht als ich, nämlich die, dass ein patriarchalisches System gut sei. Sie spricht den Schwarzen Vernunft und Mündigkeit ab, ist deshalb auch sehr skeptisch, das die Sklaven auf Geheiss der Engländer übergangslos in ihre Freiheit entlassen werden sollen. Die seien es nicht gewohnt, selbst für sich zu sorgen, da müsse man langsam vorgehen, Schritt für Schritt. Und hat mit ihrer damals und sicher auch heute in Europa kaum populären Meinung vielleicht gar nicht so unrecht gehabt – mindestens unterstützt dies der Ali voll und ganz. Genauso, wie man vielleicht nach der Kolonialzeit auch nicht einfach hätte abziehen sollen.....Doch die Grundfrage bleibt: Wer hat denn diese Menschen unmündig gemacht und war das so richtig? Item, tempi passati, ich finde, es ist höchste Zeit, dass sich die Sansibaris daran gewöhnen, ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Jeder einzelne.

Sansibar, den 6. November 2008


Die Wahl Obamas gestern habe ich in Sansibar miterlebt, vor vier Jahren ebenso den Tod von Papst Johannes Paul. Das hat die Leute damals erschüttert, erstaunlicherweise, sind doch mehr als 90% Muslime. Doch offensichtlich hat der selbst hier einen äusserst guten Ruf gehabt, man hat getrauert. Und das fand ich noch befremdlicher als die für mich unbegreiflich sentimentale Reaktion Elas, einer Polin zwar und katholisch, doch für mich ein modern denkender Mensch. Weshalb also diese Gefühlsregungen wegen einem Papst, den ich persönlich viel zu konservativ fand, Gefühle für jemanden, der mich – ich gebe das zu – völlig kalt liess? - Bei Ela sicherlich auch, weil sie Polin ist. Der Nationalstolz schwingt immer irgendwie mit.
Beim Ausbruch des Irakkrieges war ich in Belize City. Hier waren es weniger die Reaktionen der Bevölkerung. Sehr heiss war es, eine gefährliche Stadt hiess es, auch hatte ich mich eben von meinem Vater getrennt, der zurück in die Schweiz flog. Neu allein und billig reisend fand ich es notwendig, ein Hotel mit Klimaanlage und Fernseher zu buchen. Dort sah ich in den Nachrichten, dass die Amerikaner den Irakkrieg nun doch begonnen hatten. Gegen den Willen des grössten Teiles der Weltbevölkerung. Die Ereignisse der Weltgeschichte, verknüpfen sich mit meinen Reisen. Einzig von der Abwahl Blochers letztes Jahr im Bundesrat habe ich hier nichts mitbekommen. Das ganze erst einige Tage später vernommen.

Doch die Wahl eines amerikanischen Präsidenten ist etwas ganz anderes als die Abwahl eines schweizerischen Bundesrates. Ein Unterstützungskomitee für Obama gab es selbst hier in Sansibar. Und den Sieg eines Schwarzen empfindet man als Sieg Afrikas. In Kenya soll es zu Freudenfesten gekommen sein. Dort gäbe es ja sonst nicht viel zu feiern mit Odinga, dem ehemaligen Oppositionsführer und jetzigen Premierminister, und Kibaki, dem Präsidenten, witzelt man hier, deshalb werde lieber der Obama verehrt. - Besser ist wohl die Einstellung Alis. Das Gute an Obama sei, dass er ein Mensch sei, der auch zuhören könne, kein arroganter Alleinregent wie der Busch. Jetzt werde sich Afrika Amerika, das zu Buschzeiten – trotz grossen Entwicklungshilfegeschenken – sehr verhasst war, bestimmt wieder mit ganz anderen Gefühlen zuwenden. Effektiv glaube auch ich, dass der grösste Nutzen dieser Wahl ist, das man Amerika wieder Kredit gibt. Ob sich dies jedoch ebenso stark in den Arabischen Ländern auswirken wird, das muss der Obama erst noch beweisen, denn die Tatsache allein, dass er ein Schwarzer ist, wird die Araber wohl kaum versöhnlich stimmen. Ein weiterer Bonus dieser Wahl ist bestimmt, dass man Amerika wieder stärker zutraut, eine funktionierende Demokratie zu sein und nicht Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Wie sonst, so findet Ali, hätte ein Nachkomme ehemaliger Sklaven Präsident eines solchen Landes werden können? – Obwohl dies eigentlich in zweierlei Beziehung falsch ist. Einerseits, weil Obamas Vorfahren ja nicht als Sklaven nach Amerika gekommen sind, sondern viel später als Einwanderer, andererseits aber ebenfalls, weil Obama nicht ein ganzer Schwarzer ist sondern nur ein halber, die weisse Mutter sieht man seinem Gesicht sehr gut an, wenn man etwas afrikanische Physiognomien studiert hat. Eigentlich perfekt für Amerika – einzig noch etwas Südamerikanisches Blut würde dem ganzen gut tun.

Sansibar, den 4. November 2008


Ein grosses blindes Frachtschiff verlässt heute Morgen den Hafen Richtung Daresalaam. Blind nenne ich es, weil sich die hohen weissen Schiffswände gänzlich fensterlos emporheben, darüber nur kleine, barackenartige Aufbauten, ich frage mich, wo das Steuerhaus liegen mag? Unter den weissen Schiffswänden ragt der dunkelblaue Teil des Schiffsrumpfes aus dem Wasser empor, der beladen zum grössten Teil unter der Wasserlinie liegt, das Schiff muss gänzlich leer sein. Merkwürdig geformt ist dieser tiefe Teil des Rumpfes. Während sich der Bug oberhalb der Wasserlinie verjüngt, stösst unterhalb eine Art Spitze - abgerundet, vielleicht besser ein Horn - wieder weit ins Wasser hinaus. Und am Heck sehe ich einen Fortsatz, wie eine Treppenstufe aussehend, der normalerweise nicht sichtbar ist. Beängstigend muss es sein, mit einem Fischerboot nahe unter diesem Monster vorbei zu gleiten.
Das Frachtschiff ist leer bei seiner Abreise von Sansibar, hier wird kaum mehr etwas Exportwürdiges produziert. Nicht wie früher, als die Boote Wertvolles, Elfenbein, Gold und Silber, Luxus für den Sultan und weitere Reiche, nach Sansibar brachten und gefüllt mit Gewürzen – Sklaven auch, das darf man nicht vergessen, ihnen verdankte die Insel wohl den meisten Reichtum – wieder abreisten. Heute ist der einzige Devisenbringer der Tourismus. Gefährlich findet dies Da Silva. Eine Bombe, ein Attentat könne das ganze Touristengewerbe vernichten, die Wirtschaft zerstören. Wie dies bereits in mehreren Destinationen geschehen sei. - Doch Touristen sind vergesslich. Menschen überhaupt.

Bereits vor Monaten ging das Gerücht um, dass die allgegenwärtigen Plastiksäcke verboten werden sollten. Doch nichts passierte, überall wurde man mit Unmengen von Plastiktüten eingedeckt, blau meistens in der Farbe und so waren auch die Meeresufer, die Landschaft im allgemeinen, jedes Grundstück in der Stadt, das von einem zusammengefallenen Gebäude eingenommen wurde, auch die Zweige an den Bäumen, mit blauen Plastiksäcken übersät. Man regte sich etwas auf, dass nicht ausgeführt, was doch gut und beschlossen, und vergas diese Ankündigung.
Nun, nach drei Monaten Abwesenheit, stelle ich fest, dass plötzlich die Plastiksäcke fast vollständig verschwunden sind. Erstaunlich eigentlich das Tempo. Wahrscheinlich ist der Stock der Tüteneinkäufer – die sicherlich Druck auf die Regierung gemacht haben – nun aufgebraucht. Papiertüten jetzt wieder überall, die Leute, die geflochtene Einkaufskörbe verkaufen, machen ein gutes Geschäft und Brot und viel anderes wird eben wieder in Zeitungspapier eingewickelt. Nicht hygienisch? Ich erinnere mich daran, dass auch im Tessin zur Zeit meiner Kindheit die Salami oft in Zeitungspapier verkauft wurde. Wir Deutschschweizer fanden das zwar etwas komisch, haben die Esswaren aber trotzdem gegessen und ich erinnere mich an keine Probleme. So tue ich das jetzt auch hier. – Das einzig wirkliche Problem bleibt die Abfallentsorgung, in Papiersäcken lässt sich der Abfall schlecht lagern, doch hierfür wurde keine Ausnahme gemacht, so dass jetzt alle Leute ganz gierig auf der Suche nach den letzten Plastiksäcken sind. Ich schlage Ali vor, den Abfall in einem alten Eimer hinauszustellen. Nein, meint er, der werde sowieso gestohlen. Also eines der gebrauchten Wasserbidons abschneiden und dazu einsetzen. Man wird hier erfinderisch. Das liebe ich an Afrika.

Sonntag, 2. November 2008

Sansibar, den 1.November 2008



Auch heute Morgen ein kurzer heftiger Regenguss, nach dem der Tag mit fast wolkenlos blauem Himmel angefangen hat. Ich habe mich erkältet, Halsschmerzen, Schnupfen und Kopfschmerzen. Doch das kommt kaum vom Regen. Gefährlicher für meine Gesundheit scheint mir das häufige Schwitzen, die Tage sind bereits wieder sehr schwül. Jetzt ist zwar noch nicht ganz Sommer, der kommt erst im Januar und Februar. Dann ist es zwar noch heisser, aber irgendwie doch erträglicher, weil immer der Nordostpassat, ein starker Wind aus Nordosten, weht. Im Moment ist es häufig windstill und drückend.

Ich bin nun wieder gänzlich eingelebt hier. Die letzten beiden Nächte habe ich den Muezzin – momentan um viertel vor fünf Uhr morgens– nicht mehr singen gehört. Obwohl der doch gleich im Nebenhaus lautsprecherverstärkt seine Botschaft bringt. Und wie ein Echo hört man die übrigen Muezzine rings herum singen, denn nicht alle bringen ihre Botschaft exakt zu der gleichen Zeit.

Im Hafen lagern drei Jachten. Zwei moderne Segelschiffe, eines davon ein Katamaran, und ein nachgebautes altes Piratenschiff. Noch nie habe ich gleichzeitig drei Jachten hier ankern gesehen. Auch dies wohl ein Zeichen dafür, dass Sansibar endgültig zur anerkannten Touristendestination emporgestiegen ist.

Sansibar, den 30.November 2008


Ich besuche heute den wohl bekanntesten Maler Sansibars, John da Silva. Portugiese von Geburt, die Portugiesen waren vor langer Zeit die ersten Kolonisatoren hier, die Familie wanderte dann nach Goa, Indien, aus und kam zurück auf die Insel, als Da Silva zehn Jahre alt war. Nun ist er ein alter Mann, nach zwei Gehirnschlägen geschwächt, er sieht nur noch auf einem Auge, was das Malen sehr erschwere, wie er bedauernd, jedoch nicht wehleidig, meint. Doch noch immer versuche er regelmässig draussen skizzieren zu gehen. Drinnen, am Schreibtisch, das sei nichts, er müsse vor Ort sein. Und damit verstehen wir uns bereits bestens. Am Vorabend sprach er mich beim Afrikahouse an, ich war daran, bei Sonnenuntergang zu skizzieren, und lud mich in sein Atelier ein. Riesig ist sein Lebenswerk, luftige Aquarelle, eigentlich mehr Illustrationen, mit Filzstift sehr frei und fein vorgezeichnet, er benutzt den Stift wie in einer Radierung, nur spärlicher, doch trotzdem mit Strichen etwas schattierend. Die Farbe wird anschliessend recht unabhängig vom Sujet in bunten, fein aufeinander abgestimmten Farbflächen aufgesetzt, viel Fläche bleibt dabei weiss. Und heute, beim Betrachten der meist verfleckten Altstadtmauern, die unterschiedliche Farbschichten hervorblicken lassen, scheint mir sein eigenwilliges Farbkonzept logisch. Er sei Autodidakt meint er noch, habe sich die Aquarelltechnik selber beigebracht.

Neben den vielen Aquarellen und Zeichnungen sammelt Da Silva auch alte Fotografien und Postkarten, sogar Briefmarken über Sansibar. Er hat damit ein sehr wertvolles Archiv geschaffen von der Stone Town, der Altstadt, die – wie wir beide bedauernd feststellen – in letzter Zeit systematisch zerstört wird durch den Umbau in Hotels. Die Häuser werden dabei meist um ein- bis zwei Stockwerke erhöht, die Stadt verliert immer mehr ihren ursprünglichen Charakter - nachdem sie jahrelang vernachlässigt wurde und viele Gebäude während der langen Zeit, in der Da Silva hier gemalt hat, bereits zusammengebrochen sind, gar nicht mehr existieren. Was mich an diesem alten Mann, der trotzdem irgendwie jung wirkt, vor allem fasziniert ist, dass er es schafft, nicht verbittert über all die Veränderungen auf der Insel zu sein. So frage ich ihn bei Fotografien von leicht bekleideten Frauen im Stile der 50iger Jahre, ob dies denn wirklich in Sansibar gewesen sei? Natürlich meint er, Sansibar sei vor der Revolution gänzlich anders gewesen. Eine blühende Stadt, kulturell hoch stehend, wohlhabend, den letzten Sultan habe er auch noch gekannt, auch der sei dem Vergnügen nicht abgeneigt gewesen. Erst nach der Revolution habe das dann geändert. Ob er nicht daran gedacht habe, wie andere Weisse, Araber und Inder, von hier wegzuziehen? Nein, man sei ja nicht ausgewiesen worden. Die Leute hätten einfach keine Perspektiven mehr gesehen im neuen System und seien gegangen. Für ihn jedoch, der nichts besessen habe, sei das kein Problem gewesen, man habe ihm auch nichts wegnehmen können. Und ausserdem sei er neugierig gewesen auf dieses neue System, den Kommunismus, das habe ihn damals interessiert. Obwohl er dann später, vor rund 20 Jahren, mit dabei gewesen sei von der Regierung einen Wechsel zurück in die Marktwirtschaft zu fordern. Doch damals, da habe er das begrüsst. Sei eben immer neugierig gewesen auf die Menschen, auf Veränderungen. Wohl deshalb ist es ihm gelungen, all die grossen Umwälzungen hier als Chronist, als Beobachter überhaupt nicht verbittert zu dokumentieren und kommentieren. Ich sollte mir diesen weisen Mann zum Vorbild nehmen. Wahrscheinlich ist es auch dies, was denn gesundheitlich gschwächten Mann irgendwie jung erscheinen lässt: Sein Interesse an den Menschen, seine Neugier.

Bagamoyo, den 23.Okrober 2008


„Usiku mwema“, gute Nacht, ich bin zurück in Afrika. Seit fünf Tagen.

Babs, Alex und Sophie habe ich in Sansibar getroffen - den Ali natürlich ebenfalls, doch davon später - und wir sind zusammen weiter gereist in den Saadani Nationalpark und nun bin ich hier, in Bagamoyo allein, nach zwei Flaschen Bier, und wundere mich, wie gut mein Swahili noch ist. Mindestens war es mir möglich, mich mit der Frau, die den Alkoholladen betreut und auch mit der Frau, die hier kleine Speisen zubereitet, zu unterhalten. Wir haben uns meistens verstanden. Ich habe der Getränkeverkäuferin „chipsi na mayai“ bezahlt, da sie zwar den Fisch ass, den ich ihr anbot, nicht jedoch meine Chipsi teilen wollte. Oder sich gescheut hat, mein Angebot anzunehmen und mitzuessen. Item, nachdem sie mir etwa dreimal sagte, dass sie „chipsi na mayai“, also Frites in einem Eiomelett sehr liebe, habe ich begriffen und ihr diese Speise bestellt. Ich meine das nicht sarkastisch, für zwei Teller Frites mit Salat, einmal mit zwei Fischen und einmal mit Ei und zwei Bieren und einer grossen Flasche Wasser zahle ich am Schluss weniger als acht Franken, das scheint mir okay – obwohl vielleicht ein Vermögen hier. Item, ich habe tapfer Swahili parliert: ein Kind, dreijährig und sechsundzwanzig Jahre alt, nein, ich keines und zweiundfünfzig. Ich ein Haus in Sansibar, sie ebenfalls Familie dort, man fühlt sich nahe, sie Muslimin, das stelle ich jetzt fest, der Schleier ist mir in der düsteren Beleuchtung gar nicht aufgefallen. Erst als sie mich fragt, ob ich das liebe (sie meint das Bier) und ich „ja“ sage und sie? meint sie nein, Soda liebe sie, und „chipsi na mayai“, erst da habe ich geschaltet. Item, man unterhält sich erstaunlich gut, ich erfahre, dass der Besitzer ein Schwede, seit zwei Jahren hier erst und ganz alleine, keine einheimische Frau, nein, der fühle sich gut so, das sei kein Problem und nein, es sei nicht ungefährlich hier des nachts. Für mich als Mzungu, als Weisse, sei es gefährlich, nachts auszugehen, nicht so für sie. Ich bestelle ein weiteres Bier und frage sie nicht, weshalb sie als Muslimin und Nichtalkoholtrinkerin mir überhaupt Bier verkaufe. Wir verstehen uns gut, die Frau gefällt mir. Und wir können auch gut zusammen schweigen. Merkwürdig, das funktioniert lange nicht mit allen Leuten, oft wird Schweigen peinlich. Nach dem zweiten Bier fühle ich mich müde genug, in mein Zimmer zu gehen und freue mich auf einen frühen Morgen hier im Dorf. Oder der Stadt. Wie gross ist Bagamoyo überhaupt? Ein Ort, in dem ich mich wohl fühle.

Gestern im Wildpark Sadaani auf Safaritour. Nicht besonders viele verschiedene Tiere wollten sich zeigen, doch der Park hat eine sehr abwechslungsreiche Vegetation und am besten gefallen mir sowieso die Giraffen und von denen zeigten sich sehr viele. Das Ressort im Norden des Parks, das meine Schwester gebucht hat, ist zwar etwas abgelegen, aber wunderschön. Der einsame Sandstrand, einige tote Bäume und Algen im weissen Sand, Kokospalmen dahinter und dazwischen eingestreut die Bungalows, besser komfortablen Zelthäuser unter Palmendach. Hoch gestelzt auf einer Holzplattform und mit Aussicht, das mag ich besonders.

Und noch einen Tag früher die Anreise mit Mody, „no problem“ meint er. Wie immer. Das Camp, das Babs gebucht habe sei gleich neben dem, das er kenne, er wirkt ganz sicher, das sei kein Problem, das finde man schon. Doch bei der Ankunft am Festland, in der Nähe der Flussmündung, muss man dann doch landen und Einheimische fragen. Nein, nicht hier, meinen die, weiter nordwärts. So fahren wir. Später ein Telefon der Lodge - es ist jetzt bereits drei Uhr - wo wir denn steckten? Mody übersetzt uns, gleich um die Ecke, dann seien wir dort. Die Landspitze, die er meint, ist dann allerdings etwa eine Stunde entfernt und hinter der Landspitze zeigen sich nochmals unberührte Strände, keine Behausungen weit und breit. Nach einer weiteren Stunde nordwärts segeln, wir haben bereits seit einer Weile keinen Empfang mit dem Telefon mehr, wird die Besatzung langsam sichtlich unruhig. Weiter könne es nicht mehr sein, meint Sharifu, der Kapitän, und irgendeinmal kommt das Gerücht auf, die Lodge sei gar nicht direkt am Strand, die hätten wir wohl bereits verpasst. Wir Mzugu schauen den Plan im Reiseführer an und sind überzeugt, dass es noch weiter nordwärts gehen müsse, eben nicht gleich nebeneinander, wie der Mody das sah, doch die Crew will wenden, irgendwo landen und dann schauen, dass man uns mit einem Auto suchen kommt. Wir willigen ein, eine Stunde lang wird zurück gesegelt, der Sonnenuntergang naht, immer noch keine Verbindung zu der Lodge, wir werden langsam alle unruhig. Ich finde, dass man im nächsten Dorf landen solle, ich habe genug vom Bootsfahren, die Wellen beginnen mich zu nerven, ich will an Land. Und merke erst jetzt, dass die Crew und vor allem Mody, dies verhindern wollen, im Halbdunkel am Dorf vorbeizufahren versuchen. Und werde wütend, denn erst jetzt begreife ich wirklich: Sie haben Angst an Land zu gehen. Löwen, auch sonst wilde Tiere, das gibt es nicht in Sansibar. Bereits die unbekannte Bevölkerung, die glauben, hier auf dem Festland, da gäbe es nur Halsabschneider und Menschenfresser, ich sollte mich daran erinnern, so war das doch immer. Vor allem, was sie nicht kennen, haben sie Angst. Jetzt werde ich wütend. Erst eine Tour anbieten, so tun, als ob man alles wie aus der Westentasche kenne, und sich nicht einmal bemühen, das ganze auch richtig zu organisieren. Typisch afrikanisch eben.
Erst am nächsten Tag vernehmen wir von der Leiterin der Lodge, dass sie dem Mody am Vortag der Reise telefoniert habe um im alles genau zu erklären. Doch der habe nicht zugehört, so getan, als ob er alles bestens kenne. Und erst jetzt begreife ich, weshalb der Mody immer von 30 Minuten gesprochen hat, die diese Lodge von der anderen entfernt sei. 30 Kilometer wurde ihm gesagt. Doch dies bedeutet für den Mody nichts. Nicht dass er das Wort nicht verstanden hätte, es ist dasselbe in Swahili. Aber was ein Kilometer in Realität ist, davon hat er offensichtlich keine Ahnung. Man hätte ihm sagen müssen, eine Distanz so ungefähr von der Stone Town bis Kendwa. Das kennt er, das hätte ihm etwas bedeutet, die 30 Kilometer eben nicht. Und so hat er das umgedeutet in 30 Minuten und Zuhören ist eh mühsam, also verliess er sich darauf, dass er sich dann schon durchfragen könne. Nur hatte er das Pech, dass an dieser Küste im Moment kaum Fischerbote vorbeikommen, denn es sind keine Fische hier. Doch so etwas hat sich der Mody ganz einfach nicht vorstellen können.

Daressalaam, den 21.Okrober 2008


Leider gerade ausgebucht der Flug von 12Uhr30, heisst es im Büro der Coastal Airlines. Hätte 46'000.-Shilling gekostet. So gehe ich eben zu einer anderen Fluggesellschaft. Hier kostet der Flug zehntausend Shilling mehr. Obwohl Coastal Airlines immer die Teuersten waren, den besten Service hatten. Auch wenn das Ticket bereits geschrieben ist, weigere ich mich, soviel zu bezahlen. Aus Prinzip, man lässt sich nicht gerne ausnehmen. Und gehe zurück und buche den zwei Uhr Flug bei Coastal. Wobei es nun wieder heisst, dass ich dann eventuell doch bereits um 12 Uhr 30 fliegen könne. Geschäften die denn alle zusammen? Wird der Flug einfach teurer, wenn man möglichst rasch fliegen will? Weil sie wissen, dass wir Mzungus alle so ungeduldig sind? - Man wird misstrauisch hier.
Mehr als 11% Teuerung dieses Jahr in Tansania, lese ich in der Zeitung. Man beklagt sich. Verständlicherweise. Doch in Kenya haben sie 25% Teuerung und in Uganda auch fast. Und wir Schweizer haben ja gar keine Ahnung wie wertvoll es ist, einigermassen stabile Preise zu haben. Und haben dann überall in diesen Ländern dauernd das Gefühl, betrogen zu werden. Auch ich. - Wenigstens habe ich mich nicht geweigert, die drei Dollar mehr als im Frühjahr für ein Taxi vom Flughafen ins Hotel zu bezahlen. Das kann gut die Teuerung der vergangenen sechs Monate gewesen sein, ich werde vorsichtig.

Der Flug ist dann doch voll, da kann man nichts machen, ich muss bis zwei Uhr warten. Ich gehe in die Coastal Airlines Lounge hinüber. Komfortabler Raum mit guten Toiletten, das muss doch bezahlt werden, die übrigen Gesellschaften haben das nicht. Einzig ein Restaurant fehlt. Wie auf dem ganzen nationalen Flughafen hier, sobald man eingecheckt hat. Doch Warten ist merkwürdigerweise bereits wieder einfach für mich. Die Zeit hat keine Wichtigkeit hier. So viele Leute stehen herum, schwatzen – obwohl die meisten eine Flughafenuniform haben, also hier angestellt sind. Was ihre Aufgabe ist, bleibt mir aber schleierhaft. Die Ungeduld fällt von mir ab, dieses zeitlose Gefühl, das sich vor allem am Anfang hier immer einstellt, ist etwas Wunderbares. Und kurz auch im Gegenpart vorhanden, wenn ich zurück in die Schweiz komme. Ankommend ist alles offen – obwohl mich in der Schweiz dann der lokale Rhythmus sehr schnell wieder einholt.
Ich möchte mich in Sansibar ankündigen, habe keinen Schlüssel für die Wohnung, doch meinem Natel ist der Schnauf ausgegangen. Auch dies nicht mehr wirklich ein Problem. On verra.

20.Okrober 2008, unterwegs

Jedes Mal im Flughafen treffe ich auf Ordensschwestern. Nonnen scheinen viel in der Welt herum zu fliegen. Vor allem nach Afrika. Wenigstens ist der Zürcher Flughafen diesmal nicht voller orthodox gekleideter Juden wie sonst eigentlich immer. Dieses demonstrative Zurschaustellen der Religion macht mir jedes Mal Mühe. Genau wie der Schleier der muslimischen Frauen in Europa - aber eigentlich ist ja die Uniform der Nonnen dasselbe. - Die Gläubigen reisen viel, wäre die Schlussfolgerung. Fliegen viel, da ist man Gott etwas näher. - Oder fallen mir vielleicht auch nur mehr auf in letzter Zeit.
Zwei Männer, es könnten Palästinenser sein, Nordafrikaner auf alle Fälle, dunkel, Arabertyp, diskutieren in einer Sprache, die ich nicht kenne über die 100ml-Grenze für Flüssigkeiten. Das schliesse ich daraus, dass sie auf das Plakat vor dem Sicherheitscheque zeigen und unruhig palavern. Beide haben grosses Handgepäck, Gastarbeiter vermutlich, zu viel Parfum vielleicht, die Geschenke, das kann Schwierigkeiten geben. Vor allem, wenn man so aussieht wie sie.

Abflug bei schönstem Wetter, der Schatten des Flugzeuges verfolgt uns unscharf über die Landschaft. Nebelschwaden kriechen von Norden her durch die flachen offenen Täler und wo sie aufhören, werden sie durch den Siedlungsbrei abgelöst, Verstädterung allüberall. Eine Wolkendecke schiebt sich unter das Flugzeug, die plötzlich wieder aufreisst und den erstaunlich blauen Zürchersee hervorschauen lässt. Dann bereits Berge, verzuckerte zackige Gipfel, der erste Schnee. Die Schatten in den Tälern sind noch riesengross um zehn Uhr Morgens, die Sonne steht bereits wieder tief. Dort wo der Schnee grossflächig klebt müssen die hohen Gipfel sein, sehen kann man die Höhe der Gebirge vom Flugzeug aus überhaupt nicht, weniger noch als auf einer Landkarte. Wie blassfarben und kahl doch die Berge sind, schroff und eindrücklich jedes Mal. Im Süden der Alpen wird es dunstiger und sehr hell, wir scheinen diesmal weit ostwärts zu fliegen. Richtung Triest türmen sich schroff gezackte Bergsilhouetten im Dunst, erinnern mich an Aquarelle, die ich kürzlich gesehen habe, an chinesische Tuschzeichungen auch, das müssen die Dolomiten sein. Immer heller wird es, die Landschaft zerfliesst zu gleissendem Weiss. Irgendeinmal ganz unscharf, glaube ich unter dem Weiss die Lagunen Venedigs zu erkennen. Das Apero dann - ich begnüge mich mit Tomatensaft, habe in den letzten Tagen genug gesündigt - ringsherum wird vom freien Alkoholangebot profitiert, Wein, Whisky-Cola, alles gratis, man greift zu. Die Chefstewardess scheint mir immer dieselbe zu sein auf diesem Flug. Nicht mehr ganz jung, blond, spricht perfekt Swahili.
Der Dunst hat sich über dem Mittelmeer zu Wolkenbänken verdichtet, mit schafwollen zerkräuselter Oberfläche. Nach dem schemenhaft unter den Wolken auftauchenden Brindisi, biegt das Flugzeug gegen Osten ab, Richtung Griechenland, dann Ägypten. Nicht mehr über Libyen wie früher meistens - wohl kaum ein Zufall. Die Wolkenbänke haben sich zu locker vereinzelten Schäfchenwolken aufgelöst, das Essen ist gegessen, nicht besonders gut diesmal, finde ich, der Flug ist voll ausgebucht, das hätte ich nicht gedacht, war doch mein Ticket vor einem Monat noch sehr billig. Kleine Schiffe, grosse Schiffe, erstaunlich gut sichtbar im tiefen Blau des Mittelmeeres, selbst aus 10'000 m Höhe. Die griechischen Inseln jetzt, die Ufer meist steil, gestochen scharfe Umrisse, farblos blass die Abhänge. Viele Afrikaner hat es diesmal im Flugzeug. Ausgemergelte grosse Männer, apathisch in Decken gehüllt oder dicken Winterjacken. Unglücklich sehen sie aus. Einwanderer aus Somalia? Oder falsche, die zurückgeschickt wurden?
Psycho-Test in der „Elle“, die ich gratis am Flugzeugeingang mitgenommen habe. Dass man für so etwas Geld bezahlen kann, ist doch fast nur noch Werbung drin. Und merkwürdigerweise sieht das, was nicht Werbung ist häufig noch sehr ähnlich aus, das kann man kaum mehr unterscheiden. Psycho-Test also, man muss die Zeit vertreiben. Ich schaue die Resultate mehrerer Charaktere an, da ich das ganze nicht schriftlich machen will und so nur abschätze, was zutreffen könnte. Bei jeder Variante fühle ich mich geschmeichelt, finde das passe gut zu mir. – Blödsinn, dieser Test, der schmeichelt wohl jedermann, macht alle glücklich und bedeutet überhaupt nichts. Enttäuschender Hochglanz. Auch die Artikel in dieser Zeitschrift sind zwar meist süffig geschrieben, aber absolut belanglos.
Jedes Mal, glaube ich, fliegt das Flugzeug eine andere Strecke. Diesmal erscheint mir die Wüste nicht sehr lang. Ich döse meinen Verdauungsschlaf - der Rotwein wirkt auf dieser Höhe und um die Mittagszeit beträchtlich - und wache erst über einem langgestreckt sich dehnenden Wasserband. „Lake Nasser“ stelle ich auf dem Bildschirm fest. Ist das wohl der Assuan-Staudamm? Sieht etwas wie ein Fjord aus, die verästelten Ufer. Aber alles im blassen Wüstensand, hier bin ich noch nie darüber geflogen. Dann wieder Wüste, es wird sehr dunstig. Sandblass zu unterst, verschiedene Rosatöne dann bis zum Horizot – vom Dunst gebildet wohl – der als dunkelgraue Linie hervortritt. Darüber ist es weiss, dann in hellblau übergehend und schliesslich hoch im Himmel oben tiefblau. Recht rasch wieder, über dem Sudan sind wir bereits, inselartig kleine Felder in den Wüstensand gestreut, die langsam grösser werden. Sowohl die bepflanzten Flächen als auch die einzelnen Felder, bis sie den Sand fast ganz verdrängen. Und später von tiefen Wolkenbänken abgelöst werden. Darunter dunkel und bläulich das Land, das jetzt im Schatten liegt. Der Himmel verändert sich nochmals: Zuoberst nun Dunkelgrau das gegen unten langsam in Blassblau übergeht. Helle Wolkentürme ragen vom Dunkel der Landschaft bis zu unserem Flugzeug hinauf, das leicht zittert bei deren Durchqueren.

Swiss Garden Hotel. Man kennt sich bereits – und doch wieder nicht. Neue Angestellte, auch kann ich mir die Gesichter hier noch schlechter merken als in der Schweiz. Item, den schweizer Boss - Pfister, nicht Zürcher heisst er vernehme ich eben - lässt sich nur noch selten blicken. Er habe jetzt auch ein Unternehmen für Klinikmaterial, erklärt mir Abel, der sich als Manager vorstellt, er sei nicht mehr immer hier. Da hatte er ja die richtigen Gäste, Entwicklungshelfer zumeist. Die konnten ihm bestimmt sagen, was die Spitäler hier am dringendsten brauchen. Man merkt das Fehlen des Chefs etwas, finde ich. Die Qualität im Hotel hat nachgelassen. Obwohl die Angestellten sehr höflich sind. Etwas langsam und ungeschickt halt, für mein Sandwich mit Käse und Tomaten braucht es gut 20 Minuten. Und dann ist es sehr dick geschnitten und komisch unförmig. Messer und Gabel werden auch dazu serviert und gegessen haben es die Angestellten wohl kaum je selber, wie sollten die also wissen, wie sich so was isst? Der Stacheldraht oberhalb der Grundstückmauer fällt mir erst heute auf. War der schon immer dort, oder sind das neue Sicherheitsmassnahmen? Und der Kühlschrank bei der Bar dröhnt und die Grillen zirpen gleichförmig und mir fällt die ungewohnte Nähe wieder auf. Die Leute, die im Zimmer nebenan zusammen sprechen, die Fenster sind ja alle offen. Man lebt in Afrika viel dichter aufeinander. Die erste Nacht wieder in Afrika. Gestern habe ich mich sehr gefreut. Auch auf den Ali. Unsinnigerweise. Heute bin ich müde. Man wird morgen weiter sehen.
Als ich um halb zehn in mein Zimmer hinüber gehe, bin ich die letzte, die das Restaurant verlässt. Alles ist ruhig, ich noch nicht ganz, schliesslich wäre jetzt in der Schweiz erst halb neun. Vor dem Badezimmerfenster höre ich es schnarchen, das muss der Nachtwächter sein. Am Morgen um fünf Uhr geht es dann bereits wieder los, meine Nachbarn stehen auf. Geräuschvoll scheint mir, aber das sind eben die überall offenen Fenster. Ich nehme das im Halbschlaf wahr. Diese merkwürdig wunderbar schwebende Art, mit der ich hier am Anfang immer schlafe. Das Flugzeug, das dicht über dem Hotel fliegt dringt kurz in meine Träume ein, der Hahn, der penetrant laut und früh kräht, Afrika eben. Aber nicht eigentlich die Geräusche einer Riesenstadt. Eine Oase in Daresalaam, dieses Hotel.

Dienstag, 29. Juli 2008

22. Juli 2008



Bereits im Zug nach Bern. Der Himmel ist bedeckt, schwarze Wolken, doch viel höher im Himmel oben als in Sansibar, scheint mir, ich traue ihnen nicht. Viel eher beginnen sie hier zu regnen. Ein indisches Paar vis-a-vis im Abteil, Hindi, traditionell gekleidet, das Mädchen mit Hennazeichnungen an den Armen. Ganz offensichtlich verliebt und frisch verheiratet. Brahmanenkaste denke ich sofort, wer sonst hätte genug Geld für eine Hochzeitsreise hierher? Der Film „die Unberührbaren“ kommt mir wieder in den Sinn. Ich bin mit dem Urteil der ZIFF-Jury einig. Sie gab diesem eindrücklichen Film den Dokumentarfilmpreis. Ich fühle mich jetzt ein wenig in Sansibar, das gleiche Paar - allerdings kaum derartig in der Öffentlichkeit verliebt - hätte mir dort ebenso begegnen können. Auf der anderen Seite des Ganges ein Schweizer Geschäftsmann, nicht von den höheren Kadern, sonst würde er erste Klasse fahren. Der hartnäckig versucht, sein Labtop ans Internet zu kabeln. Scheint nicht zu funktionieren, er wirkt genervt. Was für Probleme wieder hier!

21. Juli 2008


Alles ist dann plötzlich sehr schnell gegangen. Nach der Vorführung meines Filmes realisiere ich erst richtig, dass in fünf Tagen bereits mein Rückflug ist, so vieles ist noch am Fliessen, nicht beendet, ich muss mich überall verabschieden – für immer, denke ich jetzt, doch den Leuten sage ich im allgemeinen nur, ich wisse nicht genau, wann ich zurückkehren würde, manchen sogar sage ich im Oktober, was will ich. Man kann das nicht sagen: Für immer. Den Leuten von Chumbe Island muss ich berichten, dass die Zeit für ein weiteres Treffen nicht mehr reicht, denn das Festival geht ja noch bis Sonntag weiter und ich möchte davon profitieren und schliesslich auch noch einen Tag haben, um mit Ali etwas zu unternehmen, wir haben diesmal sehr wenig Zeit gemeinsam verbracht. - Und jetzt sitze ich bereits im Flughafen von Dar es Salaam und warte auf meinen Weiterflug in die Schweiz. Bin merkwürdigerweise sogar hungrig und bestelle mir ein Sandwich mit Frites.

Zurück zu der Vorführung meines Filmes. Alis Absage in letzter Minute, er wolle nicht an die Vorstellung kommen, vielleicht sei er doch zu hart umgesprungen mit seinen Landsleuten, alle arbeiteten ja im Moment intensiv daran, dass Sansibar eine Touristendestination werde. Und dann berichte er über die Korruption hier, zeige die hässlichen Seiten auf. Auch die Behörden, mein TV-Spot zum Stromunterbruch sei ja bereits nach einer Vorführung verboten worden. Die Film-Arena sei jetzt kein guter Ort für ihn. Allein dann im Scheinwerferlicht mache ich die Ansage des Filmes, ich habe nicht gewusst, wie einsam man sich auf einer grossen Bühne fühlt, geblendet vom Licht, ich sehe und höre nichts vom Publikum und weiss auch nicht, ob meine Stimme gut in den Lautsprechern vernehmbar ist, denn ich selbst auf der Bühne höre davon nichts. Ein verunsicherndes Gefühl.

Unheimlich langwierig scheinen mir heute die unzähligen Sicherheitskontrollen im Flughafen. Ich muss ein Formular ausfüllen, das scheint mir neu, normalerweise war dies nur bei der Einreise der Fall. Und alles wird peinlich genau durchgeschaut. Auch dies haben die Afrikaner von uns gelernt und bis zur Perversion verfeinert: die Bürokratie. Nicht nur in Sansibar scheint der Staat der grösste Arbeitgeber zu sein. Religion und Bürokratie haben wir den Afrikanern aufgedrängt. Jetzt scheinen sie mit weit gewaltigerem Eifer als wir sich an uns rächen zu wollen für diese Geschenke. - Irgendeinmal habe ich es dann trotzdem geschafft, eingecheckt, wieder einmal sitze ich im einzigen, muffeligen auf MacDonald getrimmten Flughafenrestaurant. Und habe, wie des Öfteren in letzter Zeit, das Gefühl, dass man sich an mich erinnert, mir freundlicher als normal zulächelt. Ich erinnere mich natürlich nicht. Wie immer.

Zurück zu der Vorführung meines Filmes. Der Ton war furchtbar am Anfang, die Lautsprecher scheppern und ich rannte schleunigst zum Mann am Mischpult, den ich bereits am Vortag bei einem Gespräch mit seiner Freundin stören musste, denn der Ton des Filmes war kaum zu hören - was den Mann allerdings nicht im geringsten zu stören schien. Heute bringe ich ihn mit Mühe dazu, etwas an seinem Mischpult herumzuhebeln und nach etwa zehn Minuten Geschepper schaffen wir es doch noch, einen ordentlichen Ton zu haben. Sogar einen erstaunlich Guten, die zwei Tage im Tonstudio, die ich mir am Schluss noch geleistet habe, haben ganz offensichtlich etwas gebracht. Die Bildqualität ist von der Schärfe her ordentlich, das Bild aber häufig düsterer, als ich mir dies von kleineren Projektionen her gewohnt bin und die Farben blasser. Trotzdem, eigentlich erstaunlich gut für meine kleine Hobby Panasonic-Kamera. Der Handlung kann ich heute kaum folgen, habe das Gefühl von Längen, das Publikum ist ruhig, ist ja auch kein Film, der zum Lachern oder zu Zwischenrufen animiert, ich habe das Gefühl, dass er wohl niemanden interessiert und bin dann sehr erstaunt über den Schlussapplaus, der grösser ist als meistens. Hat also doch gefallen. Viele Leute kommen mir gratulieren, Mzungus vor allem, doch auch einige Einheimische finden, das sei ein sehr schöner, sehr feiner Film, auch die Bilder gefallen. Erleichterung. Ali erlebt dann das Ganze zum Glück in den nächsten Tagen auch positiv, viele Leute sprechen ihn an, gratulieren ihm zu diesem Film, seiner Offenheit auch, ich fühle, dass ihn das stolz macht. Das Restaurant spürt das ganze ebenfalls, habe ich doch gleich auch organisiert, dass den Touristen am Ende der Vorführung Flyers mit Adresse und Werbung für den Lukmaan in die Hand gedrückt wurden. Viele Leute scheinen das genutzt zu haben, mindestens drückt sich auch Othman äusserst positiv über den Geschäftsgang der letzten Tage aus. Nur reisen natürlich diese Festivalbesucher auch irgendeinmal wieder ab. Trotzdem waren auch heute noch die Mehrzahl der Gäste im Restaurant Touristen. Und die würden auch etwas mehr für die Speisen bezahlen. Mindestens diejenigen, mit denen ich diskutiert habe und denen ich die Sorgen mit dem Restaurant erklärt habe. Alle finden, dass man sehr wohl den Touristen, mit einer Bemerkung in der Speisekarte, dass die Einheimischen hier kaum einen Zehntel dessen verdienen, was ein Europäer selbst unter schlechtesten Bedingungen verdient, etwas mehr verlangen könnte. Aber wahrscheinlich sind Ali und Othman noch nicht so weit.

Umgekehrt: Ich spreche auch ausgiebig mit der Gründerin von Chumbe Island, ebenfalls einer regelmässigen Festivalbesucherin. Was, die würden immer noch keinen Profit machen mit dem Restaurant? Das solle ich doch gerade mal vergessen und meine Investitionen zurückverlangen. Natürlich würden die Geld verdienen, mir nur sagen, das gebe keinen Profit. Als Weisse sei man immer die Dumme, die betrogen werden dürfe. Nach 50ig Jahren Entwicklungsarbeit in Afrika könne sie mir dies sagen. Selbst die besten ihrer langjährigen schwarzen Freunde hätten sie irgendeinmal enttäuscht und betrogen. Das müsse man akzeptieren, mit dem müsse man leben können, Vertrauen sei hier fehl am Platz. Überhaupt scheint „Misses Chumbe“, genau gleich wie der deutsche Exkonsul, nach vielen Jahren Entwicklungsarbeit in Afrika doch recht zynisch geworden zu sein. Erzählt mir von ihrer Arbeit, erst als Vertreterin für Regierungen, da sei es etwas besser gewesen mit der Korruption, ein gewisser Respekt vorhanden. Dafür enttäuschend, was die ausgeführten Projekte betreffe. Nun, bei ihrem privat aufgezogenen Marinen Schutzreservat, da seien die Behörden ja schamlos. Selbst die Lehrer müssten bezahlt werden, damit sie auf einen gratis Erziehungsausflug auf Chumbe Island kämen mit ihren Schulklassen. Ohne Bezahlung käme da niemand. Und das Schlimmste: Dafür dass sie jährlich ungefähr 50 Schulklassen gratis auf ihre Insel nähmen und sie unterrichteten in Umweltanliegen, also etwas täten, das eigentlich der Staat machen müsste, dafür müssten sie auch noch Steuern bezahlen. Weil im Gesetz stehe, dass auch Steuern bezahlt werden müssten, wenn Gäste gratis ins Hotel kämen. Meinen Einwand, dass dies ja vielleicht sei, damit nicht alle als Gratisgäste deklariert würden, lässt sie nicht gelten. Agenten, die müsse man gratis einladen, sonst gehe das Geschäft gar nicht, das sei normal. Überhaupt sei doch das ganze nur dazu da, den Behörden erneut Gelegenheit zu geben extra Geld in die eigenen Taschen zu wirtschaften.

Auch am Filmfestival werden wir also die Probleme nicht los, die verfolgen einen hier. Und Ali meinte gestern gar, als ich ihm sagte, dass ich nicht mehr zurück komme, weil mir unsere Geschichte ausweglos erscheine, das könne ich nicht. Ich sei nun ein Teil der „matatizo“, der Probleme, ich könne da nicht mehr hinaus.
Und einfach ist das wirklich nicht. Gestern noch haben wir gemeinsam einen Ausflug an die Ostküste gemacht. Das erste und einzige Mal diesmal, sonst haben wir nie Zeit dazu gefunden, denn Ali arbeitete jetzt ernsthaft und es schien mir nicht logisch, dies einerseits zu fordern und andererseits ihm dann Vorwürfe zu machen, er habe keine Zeit. Trotzdem finde ich, dass er sich eine Vertrauensperson suchen muss, die ihn ersetzen kann. Sieben Tage die Woche arbeiten, das geht nicht über längere Zeit, das hält niemand aus.
Wir beide geniessen den gestrigen Ausflug nach Matemwe. Ein noch recht unverdorbener Küstenstreifen im Nordosten. Kleine und luxuriöse Ressorts, Privatvillen, kilometerlanger Strand, wilde Felszacken zwischendurch, meist feinster Sand. Palmblatt gedeckte luftige Häuser, die nicht im geringsten einer hier heimischen ursprünglichen Siedlungsart entsprechen. Tropentraum der Europäer eben. Doch das funktioniert auch bei mir. Die Siedlungen fügen sich gut in schönste Gartenanlagen ein. Viel besser, als die Betonsiedlungen mit Klimaanlagen, die sich auch auf Sansibar langsam ausbreiten. Und Ali meint, dass der Tourismus doch irgendeinmal wieder zusammenbreche. Die wahnsinnigen Abgaben, die die hiesigen Behörden einforderten. Da habe schon manch einer aufgeben müssen. Wie ein unvernünftiger Parasit eben, der seinen Wirt derartig schädige, dass er zugrunde gehe. Effektiv sieht man an der Küste auch ab und zu Hotelruinen, die bereits wieder von der Natur zurückerobert werden.

Im Flugzeug jetzt. Fiebrige Erregung wie immer. Ich bin gerne unterwegs. Im Lautsprecher wird gemeldet, dass eine schwarze Damenjacke im Warteraum liegen gelassen wurde und man sie abholen könne. Ich habe bereits beim ersten Sicherheitscheck meinen Pass liegen gelassen und dies dann beim nächsten mit Schrecken bemerkt. Langsam geht das zu weit. So wie ich innerhalb einer Woche zweimal meinen Schlüsselbund verloren habe – Ali hat den mit stoischer Ruhe zweimal ersetzt, da ist er wirklich bewundernswert, kein Tadel, keine Vorwürfe, die mache ich mir selber. Auch meinen Memory Stick verliere ich diesmal endgültig und das Seltsamste, auch das kleine Gartenschäufelchen lässt sich partout nicht mehr finden. Langsam fange auch ich an, an Übersinnliches zu glauben. Sachen verschwinden einfach und der Vorhang zum Vorratsraum hat sich gestern aufgebläht, das sah ich genau, obwohl dort drinnen gar kein Fenster ist und auch kein Windhauch geweht hat. Erschrecken tut mich solches nicht, erstaunen schon, ich bemerke es. Und weiss, dass ich vollkommen nüchtern und klar bin. Die Geisterwelt. Im Koran, wohl auch in der Bibel beschrieben, soweit bin ich mit Lesen noch nicht gekommen.
Und ich sage dem Ali, dass seine Art, mir den Glauben schmackhaft zu machen, nie funktionieren könne. Nicht mit dem Verstand könne ich glauben. Eine wissenschaftliche Erklärung der Religion - viele Muslime, vor allem bei „Peace TV“, versuchen sich darin – nütze mir nichts, eher versperre es mir den Zugang zum Glauben. Das sei wie bei der chinesischen Medizin. Wenn ich die mit meinem Verstand begreifen wolle, dann funktioniere es nicht mehr. Als ausgebildete Biologin mit westlicher Logik könne ich sie wissenschaftlich analysierend nur Humbug nennen. Verstehen wollen sei da eben falsch. Funktionieren könne das bei mir nur wenn ich den Verstand beiseite lasse. Und ebenso ergehe es mir mit der Religion. Wissenschaftliches Analysieren entferne mich nur davon.


16. Juli 2008


Am Sansibar-Filmfestival gibt es drei Typen von Filmen: Einerseits Filme von Weissen, über Afrika, andererseits Filme von Afrikanern, die an Europäischen Filmschulen eine Ausbildung gemacht haben und schliesslich noch Filme von Afrikanern, die nie in Europa waren und Filme, öfters wohl das Fernsehen einfach kopieren. Das führt dann zu Filmen im Stil der „Nolywood Production“. Actionfilme und Komödien werden afrikanisch adaptiert, die Vorbilder sind erkennbar, doch kann man bereits von einem eigenen Stil sprechen. Die Filme der ersten beiden Gruppen sind für mich einfacher zugänglich, können besser oder schlechter gemacht sein, aber entsprechen irgendwie meiner Psyche, meinem Verstand. Die wirklich afrikanischen Filme machen es mir weit schwerer und ich frage mich nun, ob man zwischen Kulturen überhaupt neutral beurteilen, einen Film bewerten kann. Wahrscheinlich nicht. Wir messen die Filme nach unseren Ansprüchen, nach unserem Geschmack und Diktat. Unserer Art zu denken und zu empfinden. Ich stelle fest, dass bereits der Job, für die Touristen am richtigen Ort in der Stadt Werbeposter aufzukleben von einem Einheimischen ganz anders angegangen wird als von einem Mzungu. Wir schauen an andere Orte hin, wir haben eine andere Logik und glauben deshalb, die Afrikaner hätten keine. Alles eben aus unserer Sicht.
Für meinen Geschmack sind eigentlich bei allen afrikanischen Filmen die Plots, die Geschichten sehr schwach. Viel zu viele Leute kommen vor und die werden nicht eingeführt oder angehängt an bereits bestehendes Filmpersonal. Die Storys sind ebenso undurchsichtig wie die afrikanischen Verwandtschaftsverhältnisse komplex. Vielleicht haben die Leute hier eine bessere Gabe, solche Zusammenhänge zu erfassen? Ich konnte das bisher nicht austesten, Ali wollte mich nie ans Festival begleiten, doch ich hoffe, ich komme noch dazu, dies mit Afrikanern zu diskutieren. Erschwerend zum Verständnis der Handlung ist für mich sicherlich immer noch, dass ich Schwarzafrikaner nicht leicht auseinander halten kann – obwohl ich da grosse Fortschritte gemacht habe. Auch die Art der Filmaufnahmen, häufig sind die Gesichter zu wenig gut ausgeleuchtet. Eine weitere erschwerende, „auch“ afrikanische Mode ist es, mit der Kamera sehr nahe an die Gesichter heran zu gehen, Kinn und Stirne werden oft angeschnitten, manchmal sogar noch mehr.


Einerseits sind die Geschichten für mich also nur beschränkt fassbar. Andererseits natürlich auch die Themen. Gestern Abend sah ich den Ugandischen Film „Battle of the souls“. Das fing mit Zeitungsausschnitten zu unerklärlichen Unfällen an. Eine Geschichte von drei Freunden, die sich regelmässig des Abends im Ausgang treffen. Darum herum drapiert die Geschichten, die jeder einzelne in seinem sonstigen Leben noch hat, Frauen, Kinder, Freundinnen, Arbeit, doch es geht noch, ich folge dem ganzen im Ganzen. Eines Abends taucht in der Bar ein Typ auf, bei dem mir von Anfang an klar ist, dass dies der Teufel sein muss. Warum könnte ich nicht sagen, denn er hat weder einen Geissfuss, noch ist er sonst absonderlich hässlich, doch sein Auftreten, sein Blick macht das klar. Der Typ nun bezahlt die ganze Abendrunde und verlässt dann das Lokal diskret, indem er einen Aktenkoffer mit sehr viel Geld zurücklässt. Bis hierher ist die Anlage des Filmes wirklich spannend: Werden die drei Freunde der Versuchung widerstehen? Das Geld behalten, es zurückgeben? Und warum hat dieser unheimliche Fremde sie eingeladen? Es ist klar, dass dieser Koffer Zwietracht bringen wird, die drei Freunde auseinander reissen. Nach vier Tagen kommt dann der Teufel zurück, zusammen mit einer Frau, der man auch sofort ansieht, dass sie zur Gattung der Dämonen gehört. Aber eben subtil, nicht plump, das ist gut gemacht. Der Teufel nun ist nicht böse, dass bereits ein Teil des Geldes weg ist, bedankt sich im Gegenteil bei den Dreien und lädt sie ein, mit ihm zusammen zu arbeiten, er habe da sehr lukrative Geschäfte. Die drei zögern jedoch, das ganze kommt ihnen unheimlich vor. Weiter geht der Film mit einer abstrusen Party, Sexspiele, die immer noch nicht verschmerzte Ex-Freundin des einen taucht mit einem anderen Mann auf, die Geschichte entgleitet mir immer mehr, wird irgendwie auch unheimlicher, zwei der Freunde fliehen von der Party, weil sie etwas spüren, einer bleibt dort, immer weniger ist klar, wer zu den Dämonen gehört und wer Opfer ist, die Situation und auch der Film werden chaotisch. Bilder vom Teufel, der neben dem Zurückgebliebenen aus trüb sumpfigem Wasser auftaucht und ihn dann brutal zusammenschlägt. Derselbe Mann abwechselnd im Gegenschnitt in einer Kirche, vor einem Prediger am Boden liegend, sich in Krämpfen und schäumend windend, es muss sich um eine Teufelsaustreibung handeln. Schliesslich ein Autounfall (das war doch am Anfang, die Zeitungsausschnitte), einer der Freunde stirbt, ein zweiter muss bereits gestorben sein, das ist mir entgangen, und schliesslich sehen wir den dritten zusammen mit den zwei, in persilweiss strahlende Roben gekleideten Verstorbenen, es ist klar, dass sie nun Engel sind, die ihrem Freund erklären, er sei noch nicht im Jenseits, aber er müsse jetzt kämpfen, zu Gott halten, sich vom Teufel losreissen. Der Film endet schliesslich mit einem passenden Bibelspruch, Schluss. – Ein undenkbarer Film bei uns, denn das ganze ist ernst gemeint. Mindestens bemerke ich, dass das afrikanische Publikum äusserst betroffen sitzen bleibt. Ich selber habe eher ein müdes Lächeln auf dem Gesicht, was soll das, und dann diese oberkitschigen Schlussbilder und die Moral. Der Anfang des Filmes hätte Besseres verdient und hat auch Besseres erwarten lassen.

Heute Abend wird mein Film gezeigt. Ich habe viel Werbung gemacht unter der lokalen Bevölkerung, Flyers verteilt, denn ich möchte, dass möglichst viele Einheimischen kommen, ein Publikum, das sehr schwer ins Kino zu locken ist. Ob sie mit meinem Film etwas anfangen können?

15. Juli 2008


Wenn ich alte Texte von mir durchlese, so stelle ich fest, dass ich mehrmals in meinem Leben dieselben Erkenntnisse gehabt habe. Eigentlich bedenklich, die Entwicklung ist also nicht riesig. Und merkwürdigerweise hatte ich doch jedes Mal das Gefühl, etwas zum ersten Mal gedacht oder begriffen zu haben.
Etwa meine Stimmungen - obwohl dies vielleicht doch eher ein Problem des höheren, beziehungsweise wechselnden Alters ist, wird mindestens gesagt. Meine Stimmungen also, die stimmen nicht immer und sind vor allem extrem unberechenbar, das kippt und kentert und richtet sich wieder auf. Ein Schiff ohne Steuermann, nicht einmal ein Ruder hat das. Die Stimmungswechsel überfallen mich einfach, ohne Ankündigung, ohne, oder kaum durch äussere Einflüsse gerechtfertigt.
So die letzten Tage. Zu Beginn des Festivals die Euphorie. Endlich wieder etwas Kulturelles, endlich wieder ein Programm im Tag. Träume ich in der Schweiz oft genug davon, in den Tag hinein leben zu können, so stelle ich hier fest, dass gänzlich ohne Verpflichtungen zu sein eigentlich viel schwieriger ist. Mindestens auf die Dauer. So löst wohl mein durchgeplanter Festivalbesuch in meinem Körper unheimlich viel Adrenalin aus, ich bin gänzlich aufgepuscht, schlafe kaum. Und dann nach drei Tagen ebenso erschöpft, die Stimmung kippt von einer Minute auf die andere und ich werde die Launen zwischen Unlust, Depression und Unzufriedenheit während zweier Tagen nicht mehr los. Reisse einen Streit vom Zaun mit Ali – über Religion natürlich, das bietet sich so wunderbar an - und muss zugeben, dass dies völlig ungerechtfertigt und ungerecht war. Und sicherlich für Ali auch gänzlich unverständlich, vorher war ich ja gerade noch so gut drauf. Der Job, mein Partner zu sein, ist gewiss kein einfacher.
Heute beim Aufwachen noch eine schlechte Laune, aber dann ein brüsker Wechsel. Obwohl unzufrieden mit der Skizze, die ich am frühen Morgen vom Lukmaan gemacht habe - ich mag keine Zuschauer und später am Tag ist die Sicht auf das Restaurant sowieso von parkierten Autos zugebaut - diese Skizze also befriedigt mich nicht. Meist trägt dies nicht gerade zur Hebung meiner Stimmung bei. Doch heute ist es anders, ich wandere durch die erwachende Stadt zum Strand, treffe dort auf Mody und gemeinsam trinken wir einen Kaffee.
Vielleicht hilft auch die Tatsache, dass ich hier in der Stadt schon fast eine Berühmtheit geworden bin, ich werde von vielen Leuten begrüsst. Nachdem ich dem „Superpower“ ein paar Flyers zum Verteilen gegeben habe, Werbung für meinen Film, weiss nun bereits die halbe Stadt davon und die Zahl der Grüssenden, bei denen ich mich erinnere woher ich sie kennen sollte, wird immer kleiner. Dies ist der Effekt einer kleinen Stadt. Man fällt leicht auf. Viele Einheimische sprechen mich darauf an, dass ich frühmorgens am Strand joggen gehe, selbst der Kehrichtmann, ein ausgesprochen hässlicher aber liebenswürdiger Mensch, will mich dort gesehen haben. Auch meine neusten Abenteuer als Motorradfahrerin werden genau beobachtet und kommentiert. In einer kleinen Stadt ist auch vieles einfacher. Gerade für uns „Mzungus“, uns Weisse. Recht schnell gilt man hier als Fachfrau, als Autorität. Bereits Studenten kriegen Jobs angeboten, von denen sie in Europa nur träumen könnten, denn gut qualifizierte Leute sind rar. Der Schnitt der geleisteten Arbeiten deshalb auch weniger gut, man misst mit den hiesigen Ellen. Und wer in Entwicklungsprojekten arbeitet, der tut dies meist freiwillig oder für wenig Geld und wenn man nicht bezahlt, dann kann man auch nicht gross fordern.

Heute habe ich drei Filme gesehen, bei denen ich hinausgelaufen bin, das Niveau ist also wechselhaft. Zwei Filme kamen aus der „Nolywood Production“, der boomenden nigerianischen Filmindustrie. Technisch nicht auf der Höhe, die Bildausschnitte zum Teil ganz gut, viel Musik und laut, das scheint zu gefallen, aber das schlimmste sind eigentlich die Storys. Ich frage mich, in welcher Art hier Drehbücher geschrieben werden, das haut einfach nicht, man kann der Handlung nicht folgen. Spannung schon, bei den Thrillern arbeiten sie ganz gut mit Bild und Ton, auch sind die Filme nicht allzu blutdürstig, ich muss kaum wegschauen, häufig zu düster oder unscharf, die Schiessereien wirken eher wie ein Spiel.

13. Juli 2008



Vor zwei Tagen hat das Filmfestival hier begonnen und nun komme ich definitiv nicht mehr zum Schreiben, Alltägliches, Gesten, Stimmungen und Worte zu beobachten, aufzunehmen und einem Fotoapparat gleich festzuhalten. Momentaufnahmen, die in den Gehirnwindungen eingebrannt bleiben, Bilder, die darauf warten, sich in Worte – oder auch wieder Bilder, umgesetzte Bilder, gemalte, zu verwandeln. Diese Musse fehlt mir gleich doppelt. Einerseits fehlt die Zeit zu verarbeiten, andererseits scheint mit der fehlenden Gelassenheit bereits die Gabe des Beobachtens nicht mehr in gleichem Masse vorhanden zu sein, zu viele Eindrücke stürzen auf das Gehirn ein, das ja – wie uns Gehirnspezialisten lehren - sowieso nur einen kleinen Teil des Wahrgenommenen auswerten kann. Und im allgemeinen selektiv den richtigen, den wichtigen Teil auszuwerten scheint und den Rest in den tiefen Taschen des Unterbewusstens ablegt. Meistens wohl auf Nimmerwiedersehen. Gedankenballast, der nicht abgeworfen werden kann. - Oder vielleicht doch das verborgene Fundament unseres Seins? Auch bei Häusern bleibt das Fundament verborgen und ist trotzdem der Teil, ohne den jegliches Bauen in die Höhe unmöglich wäre.

Das Festival wurde mit einer Feier am Freitag Abend eröffnet. Traditioneller Tanz, dann eine Männergruppe mit modernem Pop aus den Komoren, nicht ganz mein Geschmack, und vier Luftballons mit Kerzen im Lastenkorb entschweben poethisch Richtung Meer. Pathetisch wird schliesslich das symbolische Segel gehisst, denn das ganze nennt sich ja „Festival of the Dhow Countries“, was die Länder Ostafrikas, der Arabischen Welt bis hinüber nach Indien und Pakistan einschliesst. Die Handelspartner aus alten Zeiten, als das Dahu, das traditionelle Segelschiff, das wichtigste Transportmittel war. Als Ehrengast ist die Ministerin für Tourismus und Gewerbe eingeladen. Ihre Rede fällt entsprechend nüchtern aus, die Betonung liegt auf dem wirtschaftlichen Gewinn, den solch eine Veranstaltung Sansibar bringe. - Ich hätte mir eigentlich eher eine Kulturministerin an dieser Stelle gewünscht.

Der Eröffnungsfilm war ein Spielfilm über das Schicksal der Kindersoldaten in Sierra Leone. Ein erschüttender Film, von „Arte“ finanziert, doch mit guten Bildern gedreht. Zwar kamen zwangsläufig Grausamkeiten vor, doch die Kamera blieb nie darauf stecken. Das meiste spielte sich in der Nacht bei spärlicher Beleuchtung ab, die Handlung wurde mehr durch Stimmen und Schreie übermittelt als durch Sichtbares, jedermann konnte sich so die Bilder ausmalen, die für ihn noch erträglich. Erstaunlich gut waren auch die Schauspieler, das ist bei afrikanischen Spielfilmen sonst oft ein Schwachpunkt. Häufig wird für meinen Geschmack stark überspielt. Theaterstil von anno dazumal, das wirkt bei Nahaufnahmen mit der Kamera oft etwas lächerlich – mindestens jedoch unglaubwürdig. Nicht ganz befriedigend war die Story, der konnte man in den Details kaum folgen. Viel zu viele Vor- und Rückblenden, das Kriegstribunal, das versucht Dunkel in die Geschehnisse zu bringen, dann wieder Erlebnisse, die sich im Leben des kleinen Jungen abspielten, Familie, Freunde und schliesslich auch noch die Kämpferin, die zur Frau des jungen Hauptdarstellers wird und, bereits schwanger, in einem Kampf umkommt. Diese Friedenstribunale - das Thema kam heute auch in einem Dokumentarfilm über die Bewältigung des Mordens in Ruanda vor – verunsichern mich etwas. Ob dies eine sinnvolle Lösung ist? Zu schlimm scheint mir für viele Beteiligten das Vergangene, sich wieder an die Grausamkeiten zurück zu erinnern verweigern sie, mindestens innerlich, man spürt das sehr gut. Viele behaupten, sich nicht mehr erinnern zu können, Mörder nicht gekannt zu haben – obwohl erwiesen ist, dass sie mit denen befreundet oder gar verwandt waren. Ich bin da eigentlich für das Vergessen. Aber das geht wohl auch nicht, da nicht alle Leute einfach vergessen können und ihre Rachegedanken ablegen. Wie dem auch sei, irgendwie scheint mir das chaotische der Handlung des Filmes „Ezra“, des Kindersoldaten, irgendwodurch gar nicht so schlecht zu passen zu der seelischen Verfassung der Leute, die solche Extremsituationen durchlebt haben.

Gestern dann im „House of Wonders“ ein Film über die Kaste der „Dalits“, der Unberührbaren in Indien. Erschreckend, wie stark dieses für mich absolut unmenschliche Kastendenken dort immer noch verankert scheint. Ein guter Dokumentarfilm, der die Klassentrennung innerhalb der verschiedenen Religionen in Indien untersucht. Das Kastendenken kommt offensichtlich aus dem Hinduismus, der das auch rechtfertigt, schliesslich ist jedermann für sein Karma selber verantwortlich, nur gute Leute, werden in einem höheren Zustand wiedergeboren. Folglich kann man so rechtfertigen, dass die Dalits ihr Los verdienen, da sie eben in den früheren Leben zu wenig an sich gearbeitet haben. Erschreckend auch, wie diese Diskriminierten selber ihr Los akzeptieren. Akzeptieren, dass bereits ihre Kinder auf ihre gesellschaftliche Rolle vorbereitet werden, vom Lehrer in die hinterste Ecke des Klassenzimmers verbannt und dort übersehen, dafür aber im Turnus das Schulgelände und die Toiletten reinigen müssen. Damit sie sich bereits von Anfang an ihrer Bestimmung bewusst werden. Und die Bilder, wo ein Angehöriger dieser niedrigsten Bevölkerungsgruppe seine Schuhe auszieht als er durch das Quartier einer höheren Kaste marschiert, oder wie einer im Restaurant sein Glas, ein Glas aus dem nur die unterste Kaste trinken kann, denn die macht das unrein, zuletzt noch selber spülen muss, denn der höher platzierte Restaurantbesitzer will sich nicht verschmutzen. Oder die Kinder höherer Kasten, die erzählen, dass sie sich zu Hause sofort waschen müssen, wenn sie versehentlich ein Kind der niedrigsten Kaste berührt haben - all dies empört mich zutiefst. Und der fette Brahmane mit nacktem behaartem Oberkörper, der uns erklärt, dies alles sei gottgewollt, schon immer so gewesen. Wenn man als Pfau geboren worden sei, dann bleibe man ein Pfau, wenn als Ratte, bleibe man Ratte, weshalb also wir Westler nicht begreifen wollten, dass man an diesem Schicksal nichts ändern könne? Das sei so vorbestimmt, wir sollten uns gefälligst nicht in ihre Kultur einmischen. - Ganz offensichtlich eine Religion, die von der herrschenden Klasse gemacht wurde. Das Merkwürdigste am ganzen: Dieses in den religiösen Schriften der Hindus gerechtfertigte vererbte Klassensystem wurde von den Angehörigen anderer Religionen einfach übernommen. Sowohl von Buddhisten, wie Christen und Muslimen. Obwohl mindestens Christentum und Islam - den Buddhismus kenne ich zu wenig - doch Gleichheit predigen und in ihren Schriften und Ursprüngen eigentlich für ihr damaliges Umfeld extrem sozial waren, gar als Revolutionäre verschrien. Doch in Indien benutzen die Christen unterschiedlicher Kasten auch unterschiedliche Kirchen und die Muslime, die glaubten, durch einen Religionswechsel dem Kastensystem entfliehen zu können dürfen zwar im allgemeinen in derselben Moschee beten, die Friedhöfe hingegen und das ganze übrige Leben sind auch hier strickt nach Kasten getrennt.

Gestern Abend ein Spielfilm von einem Tansanier, der in Amerika lebt. Eine Komödie über einen Rückkehrer aus Amerika der Mühe hat, sich in Dar es Salaam, „Bongoland“ im Slang, wieder zurechtzufinden. Recht gut gemacht finde ich, die Hauptfigur, ein Manager, kämpft mit der Arbeitsmoral seiner Landsgenossen. Auch mit dem Familienclan, all den Leuten, die um Geld bitten. Etwas überspitzt alles, sicherlich, doch trotzdem nicht unrealistisch.
Heute Morgen dann ein amerikanischer Film über den Aga Kahn. Teuer produziert, Stil CNN-Dokumentarfilm, für meinen Geschmack schlecht gemacht. Im Filmischen, aber auch in der Information. Ich weiss jetzt nicht mehr als vorher über diesen in Sansibar sehr wichtigen, aber auch umstrittenen Mann, er verschenkt und investiert hier viel Geld. Eher ein Propagandafilm für die Ismaeliten, eine Rechtfertigung des Islam nach den Ereignissen des 11.Septembers.
Anschliessend ein Film über die Präsidentin von Liberia. „The Iron Ladies from Liberia“ begleitet die Präsidentin in ihrer ersten Regierungszeit. Ein schönes Portrait einer Frau, die ich bewundere. Ein Land, das 40 Jahre im Bürgerkrieg stand, zu leiten ist keine Aufgabe, die ich übernehmen möchte. Ellen Johnson-Sirleaf umgibt sich mit viel weiblichem Personal, selbst die rabiate Polizeipräsidentin ist eine Frau.

Insgesamt denke ich, dass das Filmfestival wohl ähnlich wie Fribourg in der Schweiz, vor allem Filme zeigt die bewegen, politisch wachrütteln. Häufig sind die Themen derartig stark, dass man daneben ganz vergisst, gross über die Machart der Filme nachzudenken, das Künstlerische tritt ganz natürlich in den Hintergrund. Klar will ich möglichst viele Filme aus Tansania sehen, schliesslich interessiert mich mein Gastland. Daneben sind es aber vor allem die Themen, die mich dazu veranlassen, einen Film anschauen zu gehen, denn schliesslich sind mir eigentlich alle Filmemacher hier unbekannt, nach Regisseuren also wähle ich nicht.