Mittwoch, 29. November 2017

2017.11.27, Sansibar

Gestern habe wir den ersten Kandidaten für den Job als Manager vom Lukmaan getroffen. Es war eine Empfehlung von Annuar, unserem einzigen Koch mit professioneller Ausbildung, er hat mit ihm im „Kendwa Rocks“, einem grossen Resort im Norden der Insel, gearbeitet. Für uns Teilhaber war dieses Treffen eine Premiere, ich habe das noch nie gemacht und die anderen sicher auch nicht.
Ich fand den Mann zuerst zu scheu, nicht genug Persönlichkeit für diesen Job - womit er sehr gut zu Annuar, unserem Koch passt, der zwar gut ist, aber als Chefkoch untauglich, weil er bei den Mitarbeitern keine Autorität hatte, nun kocht er im kleinen Kiponda Lukmaan. Schade, mit etwas Unterstützung könnte man Annuar gut gebrauchen um das Küchenpersonal zu schulen.

Später im Gespräch fand ich den empfohlenen Mann, Anthony heisst er, also ein Christ, besser, ich denke er ist fähig. Sicherlich kein Aufschneider, vielleicht zu wenig Durchsetzungskraft, doch wenn er von Salum und Othman unterstützt würde, beide wollen ja weiter mitarbeiten, dann wäre er bestimmt eine gute Wahl. - Doch abwarten und Tee trinken, seine geforderten 2600.- Dollar pro Monat sind gerade etwas viel.

Lelu, aus der Familie Othmans, ist Kleinunternehmern. In ihrem winzigen Laden in der Altstadt findet sich ein interessanter Mix von Waren. Henna-Tatoos  macht sie übrigens auch, eigentlich wollte ich schon lange einmal vorbei gehen...

Sonntag, 26. November 2017

2017.11.26, Sansibar


 
"Al Munar" heisst das Gebäude. Es wurde für den Verkauf pinselrenoviert.

Blick Richtung Fischerhafen
Das Araberhaus im Malindiquartier lässt mich nicht mehr los. Ich mag dieses saubere, doch vom Tourismus noch wenig berührte Quartier gleich hinter dem Fischerhafen. Wenige grosse alte Gebäude stehen dort, viele niedrige und viel Grün, das gibt Luft. Auf der einen Seite der Fischerhafen und Fischmarkt, der im hinteren Teil in das Mangrovengebiet übergeht.
So alt, wie sie aussieht, mit ihren mächtigen, bis 1m dicken Mauern im Erdgeschoss, ist die Liegenschaft nicht, aus dem Jahr 1952, ganz allgemein sind die historischen Häuser hier weniger alt als man meint, die ältesten Häuser kaum mehr als 100 jährig. „Al Munar“, heisst das Gebäude, „Al Manaar“ finde ich im Internet, eine Libanesische Zeitung, die über Weltpolitik berichtet, das sieht seriös aus und wäre spannend, näher studiert zu werden. Die Sicht aus dem Libanon, nicht aus dem Westen, ein Foto von Trump lächelnd, nicht grimmig oder lächerlich aufgeblasen wie bei uns. Mag man ihn wohl dort?

Richtung Mangrovengebiet, das versteckt hinter den Häusern liegt.

Die grosse Baraza, traditionelle Sitzbank, vor dem Haus

Ich mache nun Skizzen, ein Restaurant im Erdgeschoss wäre perfekt, Tische draussen in der Gasse, eine riesige Baraza, eine Sitzbank hat es bereits, gegen die Morgensonne ausgerichtet, später im Schatten des Hauses, beim hiesigen Klima perfekt, auch keinen störenden Verkehr hat es. Positiv für Touristen, meint Salum, die meisten Einheimischen störten sich nicht daran, die suchten keine Ruhe. Der Umbau muss nicht sofort sein, das wäre eine Reserve, denn man weiss ja nie, wann der Besitzer der Liegenschaft des Baobab Lukmaan gierig wird und die Miete nochmals erhöht oder den Platz zurück haben will und selber betreiben. Der Sohn der Besitzerin des ehemaligen Lukmaan, ein Mann aus der Werbung aus Daresalaam, hat das 
mit dem alten Standort so gemacht. Er macht es  gut, das muss man zugeben, und ist eine echte Konkurrenz geworden. Doch ist das viel einfacher an einem Ort, der bereits bekannt ist und in vielen Reiseführern immer noch als Lukmaan vermerkt.

Im Erdgeschoss. Solche Gebäude sind mit der i-phone-Kamera schwer festzuhalten....

Auch ohne Renovation könnte man im Erdgeschoss weiterhin Lagerräume vermieten und im hinteren Teil meine Katzenpension einrichten. Der Muhammad, der Katzen auch mag, findet sofort, eine NGO gründen, Veterinärstudenten zur Pflege, die müssten ein Praktikum vorweisen und wären froh darum, der Muhammad hat sich sehr an das System der Volunteers gewöhnt. Ich aber will nichts gründen und auch nicht mit der Regierung in Kontakt kommen, das ist mir alles zu kompliziert und langwierig. Nur einen jungen Mann anstellen, ich kenne da verschiedene, ohne Familie und froh, einen anständigen Gratiswohnort zu haben. Er wäre dann gleichzeitig watchman, hier wohnt in jedem verlassenen Gebäude jemand zur Aufsicht. Er würde sich um die Tiere kümmern und bräuchte keinen riesigen Lohn. Nebst füttern und reinigen gehörte es zu seiner Pflicht, den Tierarzt zu rufen, wenn eine Katze krank oder verletzt ankäme, mit Dr. Rahma habe ich bereits den perfekten Mann. Und etwas herumreden, dass man diese Tiere aufnehme und später, gepflegt und kastriert, wieder abgebe. Das genügt. Solches verbreitet sich von selber hier, die Leute lieben eigentlich Katzen und füttern sie, auch vor den Moscheen, doch niemand kümmert sich um deren Gesundheit und die Geburtenkontrolle. - In Japan gäbe es ein System von „parrainage“, meint Muhammad weiter, da würden sich Leute verpflichten, für eine bestimmte Strassenkatze zu bezahlen. Die hätten dann Halsbändeli mit einer Nummer darauf, so dass man sie erkennen könne. Doch wozu? Katzen sind derartig verschieden, die kann man doch auseinander halten. Und Nummern finde ich gar nicht gut, einen Namen brauchen sie

Samstag, 25. November 2017

2017.11.24, Sansibar

Mit den Katzen geht es weiter, nun gut, die beiden sind gesund und gefrässig und verspielt und leben hier etwas in einem Katzenparadies. Nur gibt es noch viele weitere Waisen und kranke Katzen, wenn man sich einmal darauf konzentriert hat, hört das nicht auf, ich muss mich zusammen nehmen……



Selfille (links vorne Arm) mit Katzen

Mit dem Lukmaan geht es auch vorwärts, Othman ist endlich so weit, wir suchen nun auf Job-Internet-Plattformen professionell einen Manager für das Restaurant. Erstaunlich, wer sich da alles meldet, schon wenige Stunden danach. Eine Journalistin, ein Jurist und eine Eventmanagerin, die für das Filmfestival ZIFF gearbeitet hat, verschiedene Finanzfachleute, die im Erdölgeschäft- oder für die Regierung tätig waren - obwohl wir ausdrücklich geschrieben haben, mit Erfahrung als Manager im Restaurantbereich. Viele gut ausgebildete Leute müssen auf Arbeitssuche sein. Aber auch: der Lukmaan ist nun weit herum bekannt und eine gute Adresse.

Auch Siri hat es nun bis zum letzten Tabu, meinem Bett gebracht. Wie kann man solch ein Katerli rauswerfen?

Othman hat sich entschieden, ein Fernstudium zu machen, da gibt es nun gute Angebote, und weiter im Lukmaan zu arbeiten. Ich hoffe nun, auch er sieht ein, dass er dann nicht mehr derjenige ist, der macht, was er will und überall eingreift, sondern als Angestellter - gleich wie das Salum auch will - für sein Ressort zuständig sein wird. Mit einem sicherlich bescheideneren Lohn als bisher

Donnerstag, 23. November 2017

2017.11.22, Sansibar

Um zwölf Uhr nachts wache ich auf, ich höre ein jämmerliches Miauen, das muss der Jojo sein, der Neue hat eine tiefere und etwas gebrochene Stimme. Es kommt von unten, ist das lebhafte Kerlchen nun doch hinunter gefallen? Hastig ziehe ich mich an und will hinaus stürzen, da schmiegt er sich bereits an meine Beine, nicht du also, Jojo, da muss es noch einen weiteren Jämmerling geben. Das Geschrei entfernt sich zwar etwas, wird leiser, das Kätzchen muss sich die Gasse hinauf entfernt haben, doch ich höre es bis in die Morgenstunden miauen, das ist schwer zu ertragen. Doch jetzt noch ein weiteres Katzenbaby aufzunehmen wäre unvernünftig, schliesslich reise ich schon bald wieder nach Hause.

In der Krankenstation. Links Jojo und rechts Siri

Vollpension mit 5 bis 7 Mahlzeiten täglich, je nach Bedarf, Zimmerreinigung täglich, medizinische Versorgung inbegriffen, erkläre ich meinen beiden Schützlingen bei der Anmeldung. Sie unterschreiben, glauben mir aber offensichtlich nicht, die ersten Mahlzeiten verschlingen sie hastig und viel zu viel, als ob sie dächten, man wisse ja nie, wann weitere kommen. Beim ersten, dem Jojo habe ich auf die Vernunft gezählt, beim zweiten dann nicht mehr, kleine Rationen trotz Klagen. Doch hört er bald mit dem Fressen auf, ist apathisch, nach fünf Tagen Blut im Stuhl, zwar ist er wieder etwas lebhafter, doch der Tierarzt muss her, nun liegt Jojo apathisch herum. Hat Siri, so nenne ich den Zweiten, „Geheimnis“ auf Swahili und bei Mac auch bekannt, irgend eine für Babies tödliche Katzenseuche mitgebracht? Nein, meint der Tierarzt, die Würmer, die abgestorben nun die Darmwand verlassen hätten und einen Teil davon mitgerissen, deshalb das Blut. Das werde aufhören und sei nicht schlimm, Antibiotika gegen Entzündung, für Jojo ebenfalls, irgend ein Babyfieber, die Nase tropfe ja nicht. - Die Sorgen, die man mit zwei so kleinen Dingern hat! Eigentlich bin ich ganz gerne nur für mich selber verantwortlich. Sobald man so etwas übernimmt - Kinder wären noch schlimmer - gibt das auch Emotionen - wobei Gute ebenfalls, zum Glück.

2017.11.21, Sansibar

Unser Haus von der Dachterrrasse des Pyramid Hotel aus gesehen: Die roten Dächer im Hintergrund

Vollkommen falsch hier, der Kerl mischt sich überall ein....
Unser Nachbar, das grosse Gebäude links im Vordergrund, hat seine Fassade nun auch renoviert, unser Haus ist klein rechts dahinter zu sehen, da stimmen die Grössenverhältnisse nicht.


Zu Salum werden Wasserhähnen gebracht, alte Möbel, viel Unbrauchbares ist bei, doch er hat ein gutes Gespür und wählt das Richtige aus. Die Leute wissen, dass er immer wieder Sachen kauft. So werden ihm auch Liegenschaften angeboten, insbesondere wenn ich hier bin. Deshalb frönen wir beide momentan wieder unserer gemeinsamen Leidenschaft und gehen fast täglich Liegenschaften in der Stone Town anschauen. Heute war ein sehr schönes arabisches Haus dabei, auch im Malindi Quartier, aber nahe beim Fischerhafen auf der anderen Seite der Hauptstrasse. Leider wurde es für den Verkauf billig pinselrenoviert, das müsste alles wieder weg. Die Preisvorstellungen sind hoch, doch wenn man sich in einem anständigen Preis findet….. so billig wie hier, gibt es in der Schweiz keine Häuser. Also falls jemand Lust auf etwas Lauschiges hat und auch etwas Mut, wir könnten da beratend gut helfen.


Auf der Dachterrasse eines "German Buildings", eines Gebäudes in europäischem Stiil, ebenfalls in der Hafengegend. Durchaus eine interessante Liegenschaft mit drei Wohnungen.

Montag, 20. November 2017

2017,11,19, Sansibar



Ich mache ein paar neue Fotos, mit Grün nun auf den Terrassen, für Airbnb und booking.com

Sonntag. Endlich schaffe ich es, den Muhammad in mein Haus zu locken, der ist immer so beschäftigt. Er war noch nie hier seit renoviert worden ist, wir haben ihn vor dem Kauf mitgenommen, schliesslich ist er Architekt, er konnte uns beratend beistehen. Obwohl, wie schon ein paar Mal gesagt, ein Praktiker ist er nicht. Seine eigene Liegenschaft ist eine unendliche Baustelle, er hat sie extrem unbequem und nicht unbedingt ans Klima angepasst umgebaut. Eigentlich ist er dauernd am Bauen, im Moment ist gerade das Dachgeschoss daran, drei nicht fertig renovierte Geschosse hat die schmale Liegenschaft bereits darunter, wohnen kann man überall nur notdürftig, doch dafür, dass er rund 20 Jahre seines Lebens in Europa verbracht hat, scheint er geringe Ansprüche zu haben, bei ihm gibt es weder Ventilatoren noch Moquitonetze und das Treppenhaus ist lebensgefährlich. Ist wohl deshalb seine italienische Frau nur sehr selten hier?


Innenhof by night

Wir sprechen über den ehemaligen Sultanspalast, der zum Boutiquehotel „Mashariki Palace“ umgebaut wurde und letztes Jahr an den König von Marokko verkauft worden ist. Inzwischen ist der ganze wunderschöne Palast so ziemlich zerstört, die Eingangshalle mit den mächtigen Säulen und Gewölben ist verschwunden, der König brauchte eine eindrucksvollere, eine Betondecke wurde weiter oben eingezogen, die Säulen sind verschwunden und überhaupt ist ausser der Fassade  fast nichts übrig geblieben von einem der eindrücklichsten Paläste in der UNESCO geschützten Stone Town. 


Der ehemalige Sultanspalast, der momentan für den marokkanischen König umgebaut wird

Ich sage zu Muhammad, dass er, der ja viel mit der UNESCO zusammenarbeite, das unbedingt dort melden müsse. Ich müsse verstehen, meint er darauf, das er das nicht machen könne, schliesslich arbeite er für die Regierung, das käme dort ganz schlecht an. Und nein, er denke nicht, dass der Marokkanische König selber etwas davon wisse, das habe bestimmt irgend ein Unterhändler gemacht. - Muhammad will an die Regierungen glauben. Wie könnte er anders? Er müsste sonst seine ganze Arbeit als Chefplaner für die Entwicklung von Sansibar in Zweifel ziehen und seinen Job aufgeben. Das ist wohl zu viel verlangt.

Auch sonst entsteht viel Neues, häufig mit wenig Respekt für Vorhandenes, einzig die Fassaden bleiben erhalten, doch haben wir das in der Berner Altstadt nicht ebenso gemacht?


Samstag, 18. November 2017

2017.11.18, Sansibar



Vorerst geben zwei junge Katzen mehr zu tun als eine, das war eigentlich nicht das Ziel, doch ich hoffe, das ändert sich bald. Heute kam der Neue noch einmal in die Reinigung, all der verklebte Schmutz und Kot, das ging einfach nicht im Haus. Natürlich hat er sich beklagt und Jojo hat teilnahmsvoll zugeschaut, denn auch er hasst Bäder, zum Glück ist das bei ihm nun vorbei. Trotzdem scheint mir das Kerlchen nach der Prozedur zufriedener zu sein, es wäscht sich nun selber und macht sogar erste Spielversuche. Wie unterschiedlich die beiden doch sind. Gestern haben Jojo und ich dem Namenlosen zugeschaut, wie er durch das Balkongeländer hinaus wollte, etwas, das Jojo gut kann. Der Arme blieb jedoch stecken, wir lachten, das sah so witzig aus, er musste  Kopf- und Schultern zurück auf den Balkon winden. Auch im Körperbau sind die beiden unterschiedlich. Er hat einen riesigen Bauch, ist das ein Hungerbauch? Vermutlich hat er sich in den letzten Tagen nur von Reis ernährt, das finden sie hier häufig im Abfall. Wirbelsäule, Schultern und Hüftgelenke hingegen stechen scharf aus dem etwas schütteren langhaarigen Fell hervor und Kopf und Füsse sind gross. Hübsch sind der Kopf und der Schwanz, da kommt viel Tiger  symmetrisch ins Weiss. Auf dem ganzen Körper und an den Beinen sind die Tigerflecken wild verteilt, so dass man nicht recht weiss, was Färbung und was Dreck. Er ist noch etwas reserviert, doch Jojo versucht unablässig, ihn zum Spiel aufzufordern, der ist ein unglaublicher Wildfang geworden, doch wahrscheinlich ist selbst das Spielen ein Luxus, wenn man ums Überleben kämpft.

Klagen nun in stereo. Und irgendwie habe ich das Gefühl zu verstehen, wie sich Salum fühlen muss. Nur dass es sich bei ihm um Menschen handelt und dass es nicht nur zwei sind.......







Freitag, 17. November 2017

2017.11.17, Sansibar



Heute kriege ich ein WhatsUp von Cyril mit einem link zu einem Interview in der „Bümplizer Woche“. Es ist der Titelartikel, ich hoffe, das wird ihm gute Werbung und Aufträge bringen. - Mit dem interviewenden Journalisten bin ich nicht glücklich. Der hat den Artikel so geschnitten, dass es wieder einmal aussieht, als ob wir Europäer den Leuten dort nur etwas bringen und beibringen würden und nicht ebenfalls, dort etwas lernen könnten. Afrika, der schmutzige, korrupte und chaotische Kontinent. Daneben das Thema Baumpflege, das ist ja auch in der Schweiz nicht allgemein bekannt. - Ich hoffe nur, hier wird die wird nachhaltig. Die zwei Jungen, die ausgebildet wurden, sind mit einem Fischerboot hinaus gefahren, alle machen hier alles, die brauchen auch Geld. Nein, die Kletterausrüstungen habe er bei uns im Haus, meint Salum, denn ich habe Angst, dass die teuren Seile bald einmal auf dem Meer im Einsatz sein werden. Von Aufträgen habe ich nichts gehört und die Mkunazini Road, unser Paradebeispiel einer verkehrsfreien, mit Bäumen bepflanzten Strasse, sieht immer noch gleich aus wie vorher, vollgestopft mit Autos.  Aber wenigstens haben unsere Bäume einmal einen guten Schnitt gekriegt. Und werden von den beiden hoffentlich in der Zukunft gut gepflegt.



Doch muss ich auch mich an der Nase nehmen. Die kleinen Plakate, die ich an den Stadtbäumen aufhängen will, habe ich zwar fertig gemacht und laminieren lassen, doch bisher nicht platziert. Muhammads Bemerkung, damit wüssten die Leute doch nichts anzufangen, die wären ja nicht verantwortlich für die Bäume, das sei im Allgemeinen die Stadtverwaltung, das hat mich gedämpft in meinem Enthusiasmus. - Trotzdem sollte ich es tun, denn ich denke, zuerst müssen die Leute sensibilisiert werden. Erst anschliessend werden sie die Arbeit ihrer Behörden anzweifeln und vielleicht sogar etwas dagegen unternehmen. Obwohl: hier erwartet sowieso niemand etwas von der Regierung, man umgeht sie. Dass man sich auch wehren könnte, davon ist Sansibar noch weit entfernt.

2017.11.16, Sansibar

Die Augen beginnen die Farbe zu ändern, sie sind nicht mehr richtig blau. Jojo muss  um die 7 Wochen alt sein.

Jojos Augenfarbe wechselt täglich, im Moment sehen sie fast etwas gerötet aus, das Blau verschwindet und sie gleichen sich der Fellfarbe an. Was wird wohl am Schluss daraus? Ich lese, dass der Wechsel ab der 7 Woche beginnt. Auf den Ohren hat er eine Art Schuppen und kratzt sich, Räude vielleicht, ich rufe den Tierarzt an, den Sarah mir empfohlen hat. Als ich durch die Gassen laufe, entdecke ich in der Nähe des Baobab Lukmaan ein jämmerlich verschmutztes Kätzchen in derselben Grösse, etwas hässlich ist es, doch ja, das wird den Spielgefährten für Jojo geben. Eine Bettlerin, die mich beobachtet, hebt den Kleinen auf und ich wickle ihn in ein Kanga ein. Er verbringt den recht langen Weg bis nach Hause ruhig, ohne sich zu wehren, etwas jammernd, im Tuch eingewickelt geht das gut. Hier dann erst ein Bad mit Haarshampo, derartig verschmutzt war der Jojo nicht. Wasser mögen Katzen offensichtlich überhaupt nicht, ein empörtes Geschrei, aber es muss sein. Der Tierarzt gibt dann gleich beiden eine Spritze gegen Räude und steckt ihnen eine Wurmtablette ein. In ungefähr zwei Monaten könne man sie impfen, meint er, und auch gleich kastrieren, beides Männchen, er selber habe im Moment auch drei Waisen Zuhause. Die könne er sauber, geimpft und kastriert immer gut platzieren, die Leute hier hätten gerne Katzen. Der Mann, Dr.Rama, macht mir einen sehr guten Eindruck, er arbeitet eigentlich für die Regierung. Von 2005-2008 habe es in Sansibar eine NGO gegeben, die sich um Strassentiere gekümmert habe. Sehr viele Katzen seinen damals geimpft und kastriert worden. Leider sei die aber später mangels Finanzen eingegangen.



Der kleine Neue ist weiss und struppig, hat aber ein hübsches Gesicht, „geschminkte“ Augen. Die Knochen stehen heraus. Was für ein Unterschied zum pummelig gewordenen Jojo. Der ist auch weit lebhafter und will spielen. Ich hoffe, das kommt noch beim Neuen, vielleicht ist er zu schwach. Oder können auch Katzen Langweiler sein? Denn als Spielgefährten vom Jojo habe ich ihn ja eigentlich adoptiert.

Mittwoch, 15. November 2017

2017.11.14, Sansibar

Weniger als 4 Wochen verbleiben mir in Sansibar, entdecke ich ganz entsetzt, es bleibt noch viel zu tun. Ich bin nun intensiv daran, für Jojo ein Geschwister zu suchen. Doch waren vor gut einer Woche noch viele jammernde Katzenbabies in den Gassen, so sind diese jetzt wie vom Erdboden verschwunden. Ich treffe nur kleine Kätzchen mit Mutter an. Einzig in den Forodhani Gardens sehe ich ein wunderschönes Kätzchen allein, nicht schwarz, sondern dunkelgrau, diese Farbe habe ich noch gar nie gesehen, doch es scheint mir gut zwei Wochen älter zu sein als Jojo. Doch während ich mir überlege, ob das gut gehen könnte, taucht auch hier bereits eine liebevolle Mutter auf und leckt es.

Die Liegenschaft in bester Lage in Malindi, die zu verkaufen ist.

Muhammad erklärt mir im Baobab Lukmaan, dass er nun die Sache mit der Villa Moloo in Chwaka endgültig habe abklären können. Leider nichts, die Regierung wolle die behalten und selber renovieren. Schade, aber auch gut. Zu viele Baustellen, auch symbolisch, brauche ich hier nicht. Gestern sind wir eine Liegenschaft in der Nähe des Hafens anschauen gegangen, direkt gegenüber dem „Passing Show“, lange der besten Adresse der Stadt für sansibarische Speisen. Die Strassenfront der Liegenschaft ist sehr schön, der Rest von aussen eher unauffällig, etwas eingeklemmt, doch drinnen eigentlich erstaunlich angenehm, das würde sich bestens eignen als Restaurant mit Garten im Erdgeschoss und je fünf Zimmern auf zwei Etagen. Ein einfaches günstiges Guesthouse für Afrikaner und Rücksacktouristen, einem ähnlichen Publikum wie es der Lukmaan hat, liesse sich dort gut verwirklichen. Allerdings scheint mir der Preis von 250’000.- Dollar zu hoch, denn es wird viel Umbaukosten geben.



Muhammad meint später, ja klar, der Containerhafen, besser die  Anlegestelle für 1 einzelnes grosses Schiff, der werde verschwinden, das sei seit Jahren beschlossene Sache. Der neue Hafen werde etwas nördlich des Mangrovengebietes in der Nähe von Mtoni Marine gebaut. Das Hafengebiet könne dann in eine Quaipromenade mit Restaurants und Hotels umgebaut werden, der Lastwagenverkehr dorthin verschwinde. - All dies wäre natürlich günstig für diese Liegenschaft gleich daneben, die nun zu verkaufen ist

2017.11.13, Sansibar



Salum hat die Sitzung der Teilhaber des Lukmaans auf heute, den 13.November einberufen, das kann kein Zufall sein. Um 10 Uhr morgens treffen wir uns bei mir im TeaHouse. Ajba, Mr.Ingeneer, der die Anteile von Mr.Kanzu, der in Daresalaam lebt, vertritt, Othman, Salum und ich. Es ist offensichtlich, dass das Geschäft für Salum und Othman zu gross geworden ist, sie können das nicht mehr managen, haben das nie gelernt. Es braucht nun einen Profi, der das ganze neu organisiert. Das Problem ist nur, Othman davon zu überzeugen, Salum und die übrigen sind sich darüber im Klaren. Es wird eine harte und intensive Sitzung, Othman wehrt sich, stur wie immer, doch nach gut zwei Stunden sind wir endlich so weit, dass er das einsieht. Er hat in der letzten Zeit alles an sich gerissen, mischt sich überall ein, auch in Salums Geschäftsfeld, dem Umbau und Unterhalt des Restaurants. Ohne darüber zu informieren. Wir finden deshalb, dass es nun notwendig sei, klare Geschäftsfelder zu definieren und die einzuhalten, denn so verunsichere er auch die Mitarbeiter, die nicht mehr wüssten, an was sich halten. Othman verteidigt sich hartnäckig, er müsse ja immer alles alleine machen und will nicht einsehen, dass insbesondere Salum, der weitaus am meisten Geld investiert hat, so die Freude am Arbeiten vergangen ist. Einen Manager, ja, aber wie bezahlen? Der koste doch mindestens 1500.- Dollar pro Monat. - Nein, die Kosten des Managers, die wolle ich nicht übernehmen, antworte ich, in ein Hochrisikogeschäft wie den Lukmaan, wo niemand mehr eine Übersicht über die Finanzen habe, eine solche Investition, die wolle ich nicht tätigen.  Hingegen mache ich Othman den Vorschlag, eine Auszeit zu nehmen.  Wir vermuten, dass er etwa 1500.- benötigt zum Unterhalt seiner Familie, also gleich viel wie ein Manager kosten würde. So genau weiss das niemand, auch er nicht, denn er vermischt geschäftliche und private Ausgaben - dafür solle er eine Managementschule besuchen. Ich würde die Kosten dieser Ausbildung übernehmen und während der Zeit auch seine Lebenskosten - die er selber weit tiefer, auf rund 500.- schätzt, was aber allgemein angezweifelt wird. - Othman beisst an. Er wolle gerne noch etwas lernen, er ist intelligent, daran zweifelt niemand. Dass ich hoffe, dass während dieser Zeit auch Salum wieder im Lukmaan Fuss fassen kann und Othman dann in einen bereits fest organisierten Lukmaan zurück kehrt, das verschweige ich. 

Montag, 13. November 2017

2017.11.12, Sansibar


Am Abend, nach ein paar regnerischen Tagen, verlassen ganze 13 Jahasis, grosse Lastsegelschiffe - das einzige, das noch rentabel zu funktionieren scheint, die billigste Art, Waren vom Festland hierher zu bringen - den Hafen von Sansibar und segeln Richtung Daresalaam. Und 5 Jahasis kommen vom Festland zurück. Ein Rekord, das habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

2017.11.11, Sansibar


Dieses Jahr haben wir es mit den Tupfen. Die neuste Kollektion von Kangas hat ausser meist traditionellen Mustern, häufig Blumen, Tupfen in jeglicher Form. Allerdings nicht regelmässig in einem Raster, sondern frei angeordnet. Und Tupfen hat es auch auf dem täglich runder werdenden Bäuchlein von Jojo, wunderschöne rote Punkte auf weissem Grund. Am Nachmittag sitzt ein ungefähr gleich grosses rot und weiss geflecktes Kätzchen in der freien Fläche südwärts des Hauses, Unkraut und Abfall lagern hier. Salum ist unten in der Werkstadt, ich sage ihm, wahrscheinlich ein Geschwister von Jojo. Er denkt das auch und zu meinem Erstaunen findet er ebenfalls, dass es besser wäre, wenn wir den auch noch aufnehmen würden, damit Jojo einen Spielgefährten habe. Als ich allerdings vom Lukmaan zurück komme, ist das Kätzchen nicht mehr dort. Ganz traurig bin ich nicht, denn ich habe mir auch Sorgen gemacht, dass die beiden sich vielleicht nicht mehr vertragen würden. Und dass der Neue dann auch erst einmal eine Krise haben würde wegen dem Futterwechsel. Und dass ich dann zwei Futterschreihälse haben würde. Und ja, auch, dass der Jojo sich sicherlich damit selbständiger machen würde. Obwohl das ideal wäre, denn so lange bin ich ja nicht mehr hier, zu zweit wäre es für die Kätzchen sicherlich einfacher.





Samstag, 11. November 2017

2017.11.10, Sansibar

Ich habe Husten, das Mittel, das mir Salum bringt hilft gut, Codein sehe ich, bei uns wohl rezeptpflichtig, doch heute beginnt dafür ein Schnupfen mit Kopfweh, die Nase läuft wie ein Wasserhahn. Sehr unpraktisch hier, wo die Leute das Benutzen von Taschentüchern äusserst unhygienisch finden.



Ein melancholischer Tag. Am Mittag treffe ich Moddy in der Nähe vom Baobab Lukmaan, dort wo früher die Autogaragen waren und jetzt die von Muhammad geplante Fussgängerzone mit Baumbestand entstehen soll. Ein Oldtimer steht immer noch dort, er gefällt mir, deshalb schaue ich besser hinein. Und sehe ein absolut verschmutztes, langhaariges weisses Kätzchen im Alter von Jojo hinter den nicht mehr vorhandenen Scheiben herumirren. Ich denke, das kann nicht mehr hinaus und helfe ihm dabei, es geht zu einer Pfütze trinken. Ich überlasse dem Jämmerling die Pouletreste, die ich eigentlich für Jojo mitgenommen habe und lege das Tierchen wieder ins Auto, das sei sein Zuhause sagt man mir, dort ist es sicherlich etwas besser geschützt. Und gehe schweren Herzens nach Hause. Ein zweites Kätzchen, das kann ich Salum nicht zumuten.

Himmel und Meer verschmelzen heute, rechts die Prison Islan schwebend im Nichts.
Jojo braucht am Nachmittag sein erstes von sieben Leben, das mit dem Instinkt stimmt wohl nicht, er will selbständig die sehr steile Treppe, fast Leiter, vom TeaHouse hinunter bewältigen und stürzt die 3m ab. Zum Glück scheint er aus Gummi zu sein, etwas Blut an der Nase, er schneuzt sich, das ganze ist glimpflich abgelaufen. Für ihn. Bei mir wieder Angst in meiner doch sehr luftigen Etage, wo er überall Dummheiten machen kann.


Am Abend dann kurz in den Kiponda Lukmaan, mit meiner Erkältung habe ich kaum Hunger. An den  Nebentisch setzt sich ein Mann mittleren Alters oder auch alt, das ist schwer zu sagen, auf die Knochen abgemagert, der sieht extrem ungesund aus, ein Gesicht wie ein Totenkopf, eine Hackennase sticht daraus hervor,  Aids? Er bestellt eine Riesenportion Frites mit Huhn, wird er das alles bewältigen können? Ich gehe nach Hause, doch der Mann bleibt noch lange in meinem Gehirn eingebrannt

Donnerstag, 9. November 2017

2017.11.09, Sansibar

Diese Katze bringt mich auf den Hund, so schwierig habe ich mir die Aufnahme einer armen Waise nicht vorgestellt. Erst gab ich ihm so viel zu fressen wie er wollte, ich staunte über die Mengen, nach drei Tagen begann er abends zu kotzen und das ging dann drei weitere Nächte so, auch mit verkleinerten Rationen und wechselnden Fütterungsversuchen. Jetzt kriegt er Friskies mit Reis gemischt, Reis ist die Grundnahrung der Katzen hier, das scheint er in den Genen zu haben und frisst ihn auch pur, dazu etwas Babymilch. Durchfall immer noch, doch lasse ich mir von einem Mann hier sagen, er habe schon viele Katzenwaisen grossgezogen. Doch, doch, mit Kuhmilch gehe das gut. Leichter Durchfall bei Katzenbabies sei normal, da müsse ich mir keine Sorgen machen. Da sich Jojo körperlich gut entwickelt und auch sehr lebhaft ist, nehme ich nun an, dies stimmt und konzentriere mich darauf, was alles für Fortschritte er in den gut 10 Tagen gemacht hat, die er hier ist. Unterdessen schafft er es bereits auf ein gut 1m hohes Sansibari Bett hinauf zu kommen, irgendwie, am Anfang schaffte er mit Mühe eine einzelne Treppenstufe.

Auch auf der Tastatur ist Jojo wenig nützlich. Immer wieder verstellt er mir Tastatureinstellungen, die ich nachher wieder mühsam suchen und zurückstellen muss, bis mein i-pad wieder so gehorcht wie ich es gerne hätte.
Jetzt bin ich im TeaHouse oben am Schreiben, Jojo mit mir auf dem Sofabett, er rennt herum, schmiegt sich an, weint und schnurrt auch viel und fängt dann irgend einmal an jämmerlich zu miauen. Schon wieder Hunger? Gut möglich, aber da musst du noch etwas warten. Da jedoch der Kater ebenso jämmerlich miaut wenn er muss und ich keine Lust habe, dass er auf mein Bett macht, muss ich doch wieder mit dem Kätzchen die sehr steile Treppe hinunter gehen, das einzige Hindernis, das er bisher noch nicht zu überwinden geschafft hat. Unten auf den Topf, aber nein, dies nicht, miauend zum Kühlschrank, die Erziehungsprinzipien, dann friss halt und lass mich in Ruh.

Zusätzlich hat er einen Drang zur Selbstdarstellung, das Klicken des  handys mag er ausserordentlich gut.

„Babies are a mess“, sagt Salum manchmal. Recht hat er, auch bei den Katzen. Nebst dem Kindergeschrei nun auch das Katzengeschrei, so habe ich mir das nicht vorgestellt. Gut vielleicht auch, meine grosse Liebe ist etwas erloschen, es wird mir einfacher fallen, Jojo hier allein zurück zu lassen

Mittwoch, 8. November 2017

2017.11.08, Sansibar


Im obersten Stockwerk des Nachbarhauses meerwärts wohnt eine Familie aus den Komoren. Bisher war dort nur sporadisch jemand, eine Zweitwohnung, ab und zu sah ich Licht. Die komorische Familie ist sehr freundlich, die Kinder sind häufig auf der Dachterrasse und schauen hinunter oder spielen, bisher wurde diese nur zum Wäsche aufhängen benutzt. Sie haben mich im TeaHouse oben entdeckt und winken freudig herüber, ein Mädchen wirft sogar galant eine Kusshand. Auch auf der Terrasse unten sehen sie mich und das Bibliothekszimmer, dort, wo die enge Gasse anfängt, liegt kaum zwei Meter von ihrer Fassade entfernt. Das stört aber überhaupt nicht - vielleicht ab und zu das Geschrei des Babies, aber das muss man hier ausblenden können - denn die Leute sind sehr aufgeschlossen. Die Fensterläden, unten Holz, oben Milchglas, ein altes Europäerhaus, stehen immer weit offen - dies ist selten der Fall bei Einheimischen, die ersticken lieber in der Hitze - wenn ich wollte, könnte ich bei ihnen auf das riesige Bett schauen, das den Raum fast gänzlich ausfüllt und wahrscheinlich alle Kinder aufnimmt, vielleicht samt Eltern, allein schläft hier niemand, und hinten im Raum entdecke ich einen Fernseher, den sie zum Glück rücksichtsvoll leise einstellen. Die zerbrochene Glasscheibe, die gefährlich über dem Abgrund schwebte, wir haben sie darauf aufmerksam gemacht, haben sie übrigens sofort entfernt, auch dies ganz unsansibarisch. Die Komoren, eine Inselgruppe südlich von Sansibar, scheint einen besonderen Menschenschlag zu beherbergen. Das Komorenquartier zwischen der Altstadt und Mlandege ist erstaunlich grün, obwohl auch dort die Häuser sehr dicht beieinander stehen.


"Tribute to the marthyrs of Kerbala" steht auf dem Plakat über der krippenartig gestalteten Landschaft aus Sand. Ich schaue das zu Hause nach, Islamisten? Nein, das erinnert an die Teilung des Islam vor rund 600 Jahren in Shiiten und Sunniten. Die wenigen hier lebenden Shiiten gedenken diesem Ereignis - sie haben damals verloren - auch heute noch mit einer Feier.



2017.11.07, Sansibar

Frauen und Edelsteine.
Am Abend spaziere ich auf der neuen Strandstrasse Richtung Forodhani Gardens, der Himmel hat aufgeklart, wie häufig am Abend oder früh am Morgen, nur über Mittag werden die Wolken zu schwer. Eine junge Frau mit blond gefärbten Haaren - das sieht man, der Ansatz - schlendert seltsam zwischen den Menschen herum. Schliesslich fragt sie mich, ob ich ein Foto von ihr machen könne? Ich nehme ihr Handy, sie zieht ihre Bluse aus und wirft sich in ihrem schwarzen Spitzen-BH in Pose. Ich bin perplex, ein osteuropäischer Akzent, sie bittet mich um eine weitere Aufnahme und ich frage sie, ob sie das intelligent finde hier? Drücke ihr wütend das Handy in die Hand und drehe mich wortlos um.

Die neue Strandstrasse ist von der Bevölkerung in Beschlag genommen worden.

Später sitze ich alleine draussen im Kiponda Lukmaan. Eine Einheimische fragt mich, ob sie sich zu mir setzen dürfe?  Mvamvua heisse sie, Mvua heisst Regen, das passt ja im Moment, nein, kein Spitzname, der richtige, ich bin erstaunt über ihr gutes Englisch. Sie wohne gleich nebenan, habe ein zweijähriges Kind, nein, mit dem Kindermädchen Zuhause, sie habe 3 Monate Ferien, denn in einem Monat kriege sie ihr zweites Kind. Sie arbeite als Zimmermädchen im „La Gemma“, einer grossen Hotelanlage in Nungwy. Der Job gefalle ihr sehr gut, für 8 Zimmer pro Tag sei sie zuständig, viel Kontakt mit den Gästen, gute Mitarbeiter, Schwangerschaftsurlaub, eine Festanstellung. Mit den Kindern? Das Kindermädchen, ja, auch einen Mann habe sie, und wenn sie arbeite, dann könne sie mit dem Bus, der extra für die Angestellten aus der Stone Town organisiert werde, täglich dort hinfahren und einen Tag pro Woche habe sie frei. Sehr früh müsse sie aufstehen, anderthalb Stunden Fahrt pro Weg, das seien lange Tage. 6 Busse würden täglich für die Angestellten aller Hotels hinauf nach Nugwi fahren.

Das Wetter bleibt wechselhaft, doch gegen Abend klart es nun meistens auf.

Das war doch „La Gemma“ kommt mir in den Sinn, von dem Sarah mir kürzlich erzählt hat. Ein tschechischer Reiseführer, dessen Gruppe sie vor Ort betreut habe, sei um 11 Uhr abends mit Gepäck vom etwas abgelegenen Resort Richtung Zentrum gelaufen. Dabei sei er von zwei Männern mit Messern überfallen worden, er habe sich gewehrt, die Schnittwunden hätten genäht werden müssen. Aber ja, Nungwi sei nicht mehr wirklich Sansibar, findet sie, der Tourismus dort habe vieles verdorben

Dienstag, 7. November 2017

2017.11.06, Sansibar


Gestern hat sich der kleine Kater überfressen, ich habe mich von seinem lauten Klagen erweichen lassen und ihm Futter gegeben bis er fast platzte. In der Nacht dann alles erbrochen, Durchfall ebenfalls, ich muss mit der Kuhmilch aufhören. isiZULU, isiXHOSA, SETSWANA, AFRIKAANS, TSONGA, VENDA, FRENCH UND PORTUGUESE, Swahili fehlt ausgerechnet, Englisch ebenfalls, STARTER INFANT FORMULA von NESTLÉ, Ausgabe Afrika. Milchpulver für Kleinkinder. Vielleicht ist das ja auch für Kätzchen bekömmlich. Grossschrift wird meistens verwendet, ich denke, viele Leute kennen die Kleinbuchstaben gar nicht, selbst Salum benutzt nur die grossen Buchstaben.


Im übrigen entwickelt sich Jojo gut, er hat nun bereits das ganze, recht labyrinthische Stockwerk bei mir oben erkundet und hat bemerkt, dass es für ihn - neben den Durchgängen, die ich benutzen kann - noch recht viele schwindelerregende Passagen über die Balkonbrüstungen gibt. Salum meint: kein Problem. Eine Katze spüre die Gefahren, ich solle aufhören mit meiner Angst -ausgerechnet er, der seinen Kindern schon gerade gar nichts zutraut.

Diät ist heute angesagt, ich gebe ihm etwas Reis, den er annimmt und beschliesse, halt doch Katzenfutter zu kaufen. Katzenfutter aus der Dose, meint Ajba, klar finde man das, sie kenne einen Laden gleich um die Ecke. Dort gibt es FRISKIES, von NESTLÉ auch dies, gar nicht so teuer, rund 1.-SFR die Dose, billiger als Huhn vom Lukmaan. Ab Mittag will Jonny jedoch überhaupt nichts mehr fressen und verschmäht sogar die Babymilch. Obwohl er sonst nicht unglücklich wirkt, mache ich mir bereits Sorgen. Vielleicht ganz einfach ein sich-Gesund-fasten, das ihm sein Instinkt eingibt? - Nachdem er beim Fressen doch recht wenig davon bewiesen hat.


2017.11.05, Sansibar


Heute ist Sonntag, Ahmedi ist auch im Haus. Salum nimmt ihn und Asfia mit als wir mit dem Auto nach Mlandege fahren und anschliessend Richtung Flughafen Blumentöpfe einkaufen gehen. Macht er dies, weil ich ihm gesagt habe, dass seine Kinder viel zu wenig hinaus kämen, zu wenig von der Welt sähen und so nichts lernen könnten? In Mlandege bleibt Salum jedoch mit den Kindern im Auto und ich laufe allein ins Handwerkerviertel hinein. Viel zu kompliziert mit ihnen, findet er, und ich, sicher mühsamer als alleine, aber im Auto würden sie ja nicht gerade viel Neues erleben. Unterwegs in den Vororten halten wir bei einem Barbier an, Ahmedi kriegt in einem winzigen Laden einen Haarschnitt, besser eine Rasur verpasst. Bis wir zu den Blumentöpfen kommen, ist es Zeit für das Nachmittagsgebet. Salum verschwindet mit Ahmedi in der Moschee nebenan und ich spaziere mit Asfia bis zu einer nahe gelegenen Schule, wo gerade Pausenzeit ist. Die dreijährige schön gekleidete Asfia wird von den Mädchen umringt und bestaunt, auch ein paar Knaben kommen hinzu. Etwas verschüchtert starrt sie die Schüler unterschiedlichen Alters an und reisst gedankenverloren die Blätter von einem Zweig, den sie am Boden fand. Schliesslich hat sie eine Rute, mit der sie herum fuchtelt. Ich befürchte, dass sie auf ein Kind einschlägt, und verbiete ihr dies. Es passiert dann auch nicht, obwohl Asfia normalerweise nicht hören will, wenn ich ihr etwas verbiete. Genauso wenig wie Ahmedi, oder ist das nur bei mir so? Ich kann den beiden fünf Mal sagen sie sollten aufhören mit etwas, doch ohne ein aktives Eingreifen meinerseits tut sich gar nichts. Neben der stark befahrenen Strasse warten wir anschliessend darauf, dass die Töpfe eingeladen werden und drei Säcke Gartenerde abgefüllt. Natürlich wäre es einfacher, die Kinder einfach ins Auto zu sperren, doch finde ich, dass sie das lernen müssen. Irgend einmal. Besser jetzt.



Ich spreche darauf mit Mgeni darüber, dass es merkwürdig sei, dass Salum den Kindern praktisch alles verbiete, sie hingegen ihnen alles erlaube. Sie bestätigt mir sofort, dass sie dem Salum immer sage, dass er die Kinder mehr machen lassen solle, aber der wolle ja nicht auf sie hören. Dass ich auch gesagt habe, dass sie ihnen alles erlaube, das überhört Mgeni geflissentlich.

2017.11.04, Sansibar

Es bleibt regnerisch, zwischendurch Güsse, heimtückisch ebenfalls, eben Sonnenschein, ich glaube, der Spuck ist vorbei, und 5 Minuten später wieder heftiger Regen.
Heute öffnet der Schreiner bei mir in den Zimmerdecken je zwei Bretter und ein Mann aus Mwera kommt mit einer  Giftpumpe vorbei und besprüht das Kokospalmenholz von innen. Aha „wadudu“  auf Kokospalmenholz, meint man bei meinem Lieblingsfachmann für jegliche Baumaterialien „Bin Dawood“, das scheint nicht aussergewöhnlich zu sein. Von wegen biologisch bauen und Holz. Gerne, aber was es da alles braucht, damit das Zeugs nicht weggefressen wird! Eigentlich wurden die Bretter ja bereits vor dem Einbau behandelt. Aber wohl nicht gut genug, Insektizide sind hier sehr teuer.


Theresas Ordnung

In der Küche sieht der Giftmann, der über Schutzbrille und Mundschutz, die ich gekauft habe, lacht, meine frisch ausgewaschenen PET Flaschen. Ob er die haben könne, fragt er, nein, sage ich, die würde ich nämlich nochmals mit Wasser aus dem Container auffüllen. Er ist enttäuscht. Er habe Zuhause einen Mixer und könne so Fruchtsaft verkaufen. Hoffentlich trennt er seine Tätigkeiten gut, alle haben hier mehrere Jobs. Auch Theresa, die Putzfrau, kommt mit einem grossen Sack voller leerer PET Flaschen. Ich frage sie nicht, was sie neben dem Putzen noch alles macht. Und bezahle ihr heute, auch wenn sie allein ist und das kleine Haus nicht machen muss, 20’000.-, rund 10.- Franken. Die Handwerker kriegen jetzt auch soviel pro Tag, die guten sogar noch mehr. Weshalb sollten gut arbeitende Frauen da weniger verdienen? Theresa war zwar nur gut 5 Stunden hier und hatte am Morgen noch einen anderen Job. Doch arbeitet sie sehr gut, das muss sich rechnen. Und dass die Gäste jedes Mal eine etwas anders eingerichtete Wohnung vorfinden werden, das wissen sie nicht. Theresa verschiebt beim Putzen alle Möbel, desgleichen beim Abstauben die Gegenstände. So bleibt der Schmutz ganz sicher nicht unter dem Zeugs liegen. Die Ordnung ist für mich am Schluss etwas exotisch, afrikanisch wohl, doch was soll’s, so sehe ich wenigstens, wie es Theresa gefallen würde. Danach richte mich wieder nach meinem Geschmack ein.

Montag, 6. November 2017

2017.11.03, Sansibar

Edi, ein gutaussehender jüngerer Mann, der immer mit Ajba im Kiponda Lukmaan sitzt, erklärt mir seine Arbeit. Zwei Wohnungen für Ajba in der Stone Town und eine kleine Bungalowsiedlung bei Kizimkazi verwalte er. Er hat sie für deren Besitzer für Airbnb und booking.com aufbereitet - die machen sich ja nun Konkurrenz und gleichen sich immer mehr an - schaut für die Buchungen und die Betreuung der Gäste. Er beschreibt mir seine Arbeit und ich finde, dass das nun mit den Apps auf dem Handy sehr einfach auch hier zu bewältigen ist.
Auch Salum wird das schaffen, wir haben beide genug von den Dauergästen. Ich erhoffe mir davon eine geringere Abnützung und mehr Flexibilität, wenn ich kurzfristig Leute habe, die nach Sansibar gehen und ein- bis zwei Nächte in der Stadt bleiben wollen. Mit Theresa und Tina, den zwei neuen Putzfrauen, ist das auch kein Problem. Die wissen, was ausländische Gäste erwarten.

Die Bäume auf dem kleinen Platz vor dem Haus gedeihen prächtig
Man müsste allerdings deutlich erwähnen - die anderen Vermieter tun das nicht - dass wir hier in einem einheimischen belebten Quartier wohnen, ruhig ist es tagsüber nie. Kinderlärm, Muezzin und Handwerker. Letztere leider immer lauter, seit vermehrt Maschinen eingesetzt werden. Der Nachbar, der unten auf dem kleinen öffentlichen Platz einen Mangobaum, Birimbis, Avocados und eine Kokospalme gepflanzt hat, viel besser ist das als die Abfallhalde vorher, ein Schreiner eigentlich, arbeitet im Baumschatten dort. Die Rahmen für die Fenster sind nun selten aus Holz - da war die Schleifmaschine lästig - nun werden meist Alurahmen hergestellt, deren Schneiden zwar kurz, aber schrill und unangenehm ist. Für lärmempfindliche ruhesuchende Menschen sicher nichts, das muss man ausblenden können und ein Bad im afrikanischen Alltag geniessen.
Unser Schreiner, Othman heisst er ebenfalls, viele heissen so, doch alle rufen ihn anders, seinen  Rufnamen kann ich nicht behalten, hat eine Maschine ausgeleiht, mit der er runde Löcher in die Go-Bretter brennen kann. Das dauert zwar ewig lange, stinkt und macht fürchterlich Krach, doch ich glaube, man nennt das Fortschritt.

Sonntag, 5. November 2017

2017.11.02, Sansibar


Zeit für die Katz. Regen immer wieder, kurz, mit wechselndem Wind, meist recht stark, aber nur für Minuten, grau bleibt es den ganzen Tag. Der kleine Kater scheint das zu spüren, ist etwas weniger lebhaft, schon mache ich mir Sorgen, Durchfall auch, ich muss die Milch absetzen. Meine Schwester empfiehlt per WhatsUp Katzenmilch in einem Supermarkt zu suchen, ich gehe in den Kwality Supermarkt. Dort gibt es nur Trockenfutter für Katzen und Katzenstreu, vielleicht praktischer als meine getrocknete Erde, ich wähle einen mittelgrossen Sack, den normalen, man könnte auch Katzenspreu in bunteren Verpackungen haben, mit Lavendel-, Apfel- oder Rosenduft, und gehe damit an die Kasse. Rund 25 Dollar will man dafür. Verrückt, finde ich, gibt es hier Mzungus, die sich diesen Luxus leisten? Ich bleibe bei der trockenen Erde, die ich anschliessend gleich kompostieren werde.



Faules Wetter, Jo spielt mit dem Pouletschenkel wie mit einer Beute, doch wird der nicht kleiner davon. Offensichtlich sind seine Zähne noch nicht stark genug. So füttere ich ihm die winzigen Fischlein, die hier gerne gegessen werden, er mag sie sehr. Nun finde ich mich damit ab, dass er nach Fisch zu riechen beginnt, eine Pouletkatze wäre mir lieber gewesen.



Eine Siesta im TeaHouse ist heute angesagt. Jo läuft auf meinem Körper herum, eine Kinderbuchzeichnung von Gulliver, dem Riesen, kommt mir in den Sinn, auf dem die Menschen herum krabbeln. Die Füsse können als Feindbilder angegriffen werden - dies insbesondere, wenn ich stehe - auch mit den Händen spielt er gerne, ich bewege sie wie Spinnen, den Kopf erkennt er als Kopf, doch irgendwie sucht er immer in der Höhlung zwischen meinem Hals und der Schulter nach Zitzen, stösst rhythmisch mit dem Kopf dagegen, mit den Zähnchen sehr fein, ein Kratzen spüre ich, und mit den beiden Pfoten stösst er abwechselnd an den Hals und schnurrt. Hunger sollte er eigentlich nicht mehr haben, wohl eine Gewohnheit. Eine Zärtlichkeitsbezeugung vielleicht auch. Merkwürdig schon irgendwie, dass solch ein Winzling vor einem Riesen wie mir keine Angst hat und ihn als ein einziges Wesen wahrnimmt. Obwohl eben durchaus auch in Teilen. Fuss, Hand und Kopf, Mutter, Schwester und Bruder. In einem.