Mittwoch, 24. März 2021

7.März 2020

Wir füttern den viel zu vielen Katzen nebst Trockenfutter, Dagaa, kleine Fischchen und gekochtes Fleisch, bzw. weichen wir das Trockenfutter in dieser Fleischbrühe ein. Dagaa werden von einem Mann mit Velo und lautem Horn gebracht - bzw. offenbar von mehreren. Laut tutend fahren sie ihre Ware durch die Gassen der Altstadt um sich anzukünden. Da alle bei mir die ersten sein wollen um für etwas mehr als 2.-SFR Fischchen zu verkaufen, kommen sie immer früher am Morgen vorbei und tuten immer lauter, bereits aggressiv scheint mir das langsam zu sein.



Übrigens kaufe ich weder Fleisch noch Fischchen noch selber ein, denn ich habe bemerkt, dass alles nur die Hälfte kostet, wenn eine meiner Gehilfinnen, Naima oder Salome das tun. 

4.März 2021

Aussicht von einer etwas anders gelegenen Dachterrasse

Sie stammt von einem Dach in der Nähe vom Kiponda Lukmaan. Auf dem Gebäude betreibt Airtel, eine Telefongesellschaft, ihre Antennen. Die Holländerin Caroline hat sie schön bepflanzt und sich einen Sitzplatz eingerichtet. Ich bringe ihr Stecklinge - ich habe ja immer überall auf der Welt zu viele Pflanzen. Und nun auch noch zu viele Katzen. Die Terrasse ist riesig und ringsherum hat es keine hohen Gebäude, was eine schöne Weite gibt. - Trotzdem, wenn ich all die Stromkabel sehe, die durchs Treppenhaus hinauf zu den Antennen führen, dann scheint mir das doch nicht gerade so gesund zu sein.



2021

Bedeutet das nun wohl, dass wir so langsam bekannt werden, oder ist nur gerade Mal wieder  Kätzchensaison? Wir erhalten erneut sehr viele junge, aufgegebene Kätzchen. Die meisten werden von Leuten deponiert, die sie loswerden wollen, denn

wenn sie hier ankommen, sind sie wohlgenährt und gesund

Immer wieder allerdings, bringe ich auch jämmerliche Tierchen hierher, die es allein auf der Strasse nicht schaffen, wenn die Mutter sie einmal mit rund 2 Monaten verlässt. Obwohl man die kaum berühren mag, so schmutzig und voller Hautparasiten sind sie, sind es eigentlich meine Lieblingskätzchen. Es sind die dankbarsten Tierchen, sie schnurren meist von Beginn weg und sind sehr glücklich hier. Und zeigen das auch. - Mitleid? Das scheint eine perverse Angelegenheit zu sein.


Die Arbeit für die Tierärzte wächst - leider jedoch nicht das Einkommen.
Andererseits werde ich aber auch immer häufiger über Social Medias von Leuten kontaktiert, die Hilfe anbieten. Das ist einerseits sehr schön, andererseits zweifle ich natürlich auch häufig. Viele Leute aus der ersten Welt haben nicht genau dieselben Ansichten darüber, wie man Tieren in einem Drittweltland helfen kann. Es gibt auch sehr viele merkwürdige Existenzen - gehäuft Frauen ab 40ig - die sich für Katzen aufopfern wollen. Ich persönlich will das nicht, doch mit dem Ungleichgewicht von Arbeit und Hilfe, bin ich momentan dazu gezwungen. Und hoffe, dass dies so bald wie möglich ändern wird.

Montag, 22. März 2021

28.Februar 2021

Es fliegen wieder sehr viele Flugzeuge über die Altstadt hinweg. Besonders in der Nacht und am frühen Morgen, wenn es ruhig ist, fällt mir das auf. Doch stört es mich wenig, im Landeanflug sind sie recht leise und als Flugmensch hat man wohl sowieso mehr Toleranz zu Flugobjekten. Fasziniert blicke ich hoch und schaue, was für eine Maschine es ist.


Die zwei neuen Winzlinge lassen mich nicht schlafen.


Früher Morgen, ich fühle mich überhaupt nicht ausgeschlafen, die zwei milchtrinkenden neuen Winzlinge überfordern mich.

Jede Nacht aufstehen und füttern. Das dauert, so einfach akzeptieren sie die Flasche nicht, massieren zum pinkeln, reinigen, spielen, dann zurück in den Käfig. Schlafen kann ich danach auch nicht gleich, meistens lese ich eine Weile. Diese Nacht ein zusätzliches Erwachen, weil Häxli empört gerade hinter meinem Bett aufschreit, Felix, der Nachbarsmoudi ist wieder einmal hier, aufstehen, schlichten - und wieder zu schlafen versuchen. Und als ich mit meinem Kaffee auf der Treppe sitze, pinkelt mir der Rosso auch noch an den Rücken. Er macht das häufig, wenn Männerbesuch hier war.




 

23.Februar 2021

Eigentlich sollte Nachbar Fahmy bereits seit langem zurück in Daresalaam sein. Das Geld, das ich ihm geliehen habe um seine abgebrannte Liegenschaft wieder herzustellen ist verbraucht, er selber hat offensichtlich keines, dass das nicht genug war für die ganze Renovation, war mir auch klar. Immerhin ist das Haus gerettet, ein neues Dach wurde erstellt, die Stabilität - wo nötig - durch Verstrebungen und Verankerungen verbessert, das fällt in der nächsten Zeit nicht zusammen. Doch das Ziel, dann zwei Wohnungen vermieten zu können, von diesem Ziel ist Fahmy weit entfernt. Und offenbar können auch seine zwei Schwestern, beide gut verheiratet - eine in Dubai, die andere mit einem Ex-Minister von Sansibar - nicht mehr weiter helfen bei der Renovation des Familiensitzes.

Ob er bleiben wolle, um in der Politik mitzumischen, frage ich ihn? Dort sei doch immer Geld zu machen. Nein, meint Fahmy, das habe er nun wirklich nicht im Sinn. Man sehe das ja bei seinem Schwager, dem ExMinister, der abgewählt wurde. Inzwischen sind alle Skandale, Geldmissbrauch, Verschwendung, ausgekommen, die neuen Medien helfen auch hier in Afrika. Solches zu verbergen - mindestens wenn einmal weg von der Macht - wird immer schwieriger. Der müsse sich jetzt verstecken, könne nicht einmal mehr an Hochzeiten und Begräbnisse gehen, derartig schämen müsse er sich für seine Vergehen.


Andere schämen sich immer noch nicht.
Da uns noch eine Betriebsbewilligung für die Klinik fehlt, was uns bei vielem behindert - zum Beispiel können wir keine Visa für Freiwillige erhalten, über facebook melden sich Verschiedene, die helfen möchten, auch Geld spenden möchten, doch selbst dieses können wir nicht annehmen, bevor unsere Papiere endlich alle in Ordnung sind. Weshalb ich zähneknirschend einwillige, dass man das mit einflussreichen Beamten versuche. Natürlich wollen die Geld. - Nein, meint Fahmy, es seien nicht mehr vor allem die grossen Tiere, die bei den Bewilligungen klemmten. Die hätten schon langsam Angst. Doch der gesamte Verwaltungsapparat sei derartig korrupt, dass eben unsere Hoffnungen voreilig gewesen seien, da laufe immer noch nichts. - Okay, gut möglich, dass es nun dort klemmt. Aber trotzdem, die Direktoren dieser Ämter haben selber masslos Bestechungsgelder angenommen oder zumindest geduldet, dass angenommen wurden. Das kann man nicht einfach auf Knopfdruck verändern, sie sind verantwortlich für das ganze Schlammassel.

21.Februar 2021, Jambiani

Wieder einmal ein Wochenende mit dem SUP Club. Paddeln von Bwejuu nach Jambiani mit Versuch des Wellenreitens am Riff. Ich war diesmal etwas mutiger als sonst, so dass ich 5 Mal ins Wasser gewaschen wurde und von einer Welle überrollt, dabei verlor ich meinen Hut. Glücklicherweise allerdings nicht mein Handy. Das habe ich in einem spontanen Impuls ganz am Schluss noch dem Guide in seinen Trockensack gegeben. Ich finde meinen leider nicht mehr, weshalb ich das ganze mit simplen Plastiksäcken gemacht habe, welche weder dicht waren, noch auf dem Brett blieben.


Ich durfte bei Marie, der Freundin von Gisela und Pierre in Jambiani übernachten, die haben dort sei Jahren wunderschöne kleine Häuser direkt in einem Dorf über den Felsen, also dort, wo die Einheimischen selber nicht wohnen wollen. Die leben lieber etwas entfernt vom Meer. Wir haben dann gleich noch eine schlimm aussehende Katze in die Klinik mitgenommen. Ich war erstaunt, dass meine Freunde die nicht anschauen konnten und meinten, die müsse man einschläfern. Die Verletzungen sehen zwar schlimm aus, doch sind sie nicht lebensgefährlich. Wahrscheinlich bin ich - ohne das zu merken - doch bereits recht abgebrüht geworden.




Samstag, 6. März 2021

19.Februar 2021

Meine Kleine vom August ist zum ersten Mal rammlig geworden. Sie geniesst die Aufmerksamkeit der vielen Männchen, doch lässt sie knapp ein viertel davon näher kommen, den Rest wehrt sie energisch ab. - Das wird ihr von den Abgewiesenen verübelt. Nach der dritten Nacht draussen kommt sie mit einem zugeschwollenen Auge zurück. Eine Spritze ins Augenlid bringt das ganze rasch zum Abschwellen. Da sie dafür narkotisiert werden muss, wird sie gleichzeitig auch kastriert. 

Holdli, zuoberst mit leuchtenden Augen, liebt die Aufmerksamkeit.

In 6 Monaten ist aus dem schmutzigen Schreihals eine selbstbewusste Dame geworden.