Freitag, 30. März 2018

2018..03.24, Sansibar

Das Haus, das ich für die hässliche hochschwangere Katze gebastelt habe, ist bereits wieder zerstört. Erst habe ich gedacht mutwillig, da wolle mir jemand schaden, habe etwas gegen Katzen. Einen Tag später fehlte das Holzdach, das ich als Regenschutz gebastelt habe, vermutlich brauchte jemand Feuerholz. Heute war auch der verbeulte und vom Zement verschmutzte Kübel, den ich aus dem Lager genommen habe, weg, nur noch der Karton, die Schnur und das Tuch lagen dort. Salum findet das normal, hier werde alles, aber auch wirklich alles was nicht niet- und nagelfest sei gestohlen. Ich müsse das nächste Mal den Kübel vorher durchlöchern. Und Holz liegt wohl sowieso nicht drin.
Dafür freuen mich andere Sachen. Ich sehe heute den Mann, bei dem die Katzenfamilie von Chango lebt. Er bedankt sich nochmals herzlich und sagt, er habe ihn nun ein paar Mal mit seinen Geschwistern spielen gesehen, es freue ihn sehr, dass es ihm so gut gehe. Ich erfahre, dass der etwas kleinere getigerte Kater, mit dem Chango häufig zusammen ist, sein Bruder ist, während die weiss-gefleckten beiden etwas zickigen Damen nicht Schwestern, sonder Stiefschwestern sind. Die Mutter, wirklich eine vorbildliche Mutter, habe zwei fremden Kätzchen erlaubt, mitzutrinken.


Chango neben meinem wild wuchernden Grün, das ich dazu bringen will, über die Brüstung hinauf zu wachsen.
Der einäugige Chango wird auch immer zutraulicher

Gestern habe ich eine weitere Waise heimgeschleppt. Eine kleine schwarz-weiss-rote Katze, eine Glückskatze, lese ich später im Internet, immer Weibchen, da schwarz und rot je auf einem x-Chromosom liegen - weiss gibt es wohl gratis dazu, null Pigmente - ich habe sie täglich auf dem Weg zum Kiponda Lukmaan gesehen. Vor ein paar Tagen ist die Mutter verschwunden. Seither sitzt das Kätzchen täglich apathischer herum. Ich denke, die kleinen Einzelkätzchen verfallen in eine Art Depression, wenn sie viel zu jung plötzlich ganz alleine in der feindlichen verschmutzten Gasse sitzen. Viele Leute verscheuchen sie und von den grösseren Katzen können sie auch nichts Gutes erwarten. Nun ist sie hier und bereits nach einem Tag mit gutem Futter und ein paar Streicheleinheiten hat sie sich wieder sauber geputzt. Doch sie faucht Foro und E.T. noch an. Dafür macht sie erste Spielversuche, ein gutes Zeichen. Und der Tierarzt bestätigt, dass sie mager, aber gesund ist, sie kriegt Entwurmungstabletten.

Häxli, der neuste Fund, eine Glückskatze. Dreifärber, immer Weibchen, sollen einen ganz speziellen Charakter haben, das kann ich bestätigen. Obwohl eigentlich alle Kätzchen einen sehr eigenen Charakter haben und unverwechselbar sind.

2018.03.23, Sansibar

Innenhof mit Mückenfalle im Vordergrund
Deddy, der ehemalige Besitzer des neuen Hauses, hat endlich die zwei grossen Erdgeschossräume geleert. Das hilft mir, die Grundrisspläne fertig zu zeichnen. Daneben können unsere Handwerker mit ihren Sachen nun hinaus zügeln, dann werden zwei riesige Räume frei und meine Kätzchen haben nicht nur den Innenhof als Quartier. Schon bald sollen diese Räume ebenfalls bezogen werden. Salum erzählt mir, dass er angefragt wurde, ob er Agent für Äthanolöfen werden wolle. Er habe abgelehnt, 700.- Dollar Investition sei ihm zu viel, doch nun möchten sie die Räume bei uns mieten. Die UNESCO macht in Sansibar ein Programm, das unter Klimaschutz läuft. Äthanolöfen sollen verkauft werden und die Kohle- und Holzkocher, die vielfach noch verwendet werden, verdrängen. Äthanol wird aus Abfall der Zuckerrohrindustrie gewonnen, eine Anlage in Mahonda ist bereits in Betrieb. Ofen und Äthanol sollen günstig verkauft werden.


Diese simple biologische Mückenfalle habe ich nach der Anleitung der Managerin vom Emerson Hotel gebastelt. Auf meine Frage, wie sie das machten, dass sie in ihrem kühlen und lauschig bewachsenen Innenhof keine Mücken hätten, hat sie mir ihre Konstruktion gezeigt. Wasser einfüllen und alle 3 Tage auswechseln. Offensichtlich lieben die Mücken diese dunklen Orte und benutzen sie freudig als Brutstätte.
Übrigens stimmt es doch, dass Pflanzenbewuchs Mücken anzieht, wie das die Einheimischen behaupten. Im Internet erfahre ich, dass sich die Mücken hauptsächlich von Pflanzensaft, insbesondere von Nektar, ernähren. Einzig für die Eiern brauchen die Weibchen eine Blutmahlzeit.


2018.03.22; Sansibar

Ereignisreiche Tage. Letzte Nacht kam der neue Lukmaan Manager aus Österreich hier an, er hat die Erdgeschosswohnung bezogen. Das ist gut und schlecht. Einerseits muss ich nun entweder um den halben Häuserblock herum laufen um meine Kätzchen im Erdgeschoss zu besuchen, oder quer durch Salum und Mgenis Wohnung gehen. Beides suboptimal. Zum Glück sitzt mir die E.T. gerne auf die Schulter, sie springt nicht hinunter, den Foro kann ich dann gut in den Armen transportieren. Sie scheint sehr stolz zu sein dort oben, genau wie Chango stolz ist, als einziger ins Haus hinein zu dürfen, seine Geschwister, vor allem die stinkfrechen Schwestern, jage ich immer hinaus. Oder interpretiere ich da etwas, das es so im Tierreich nicht gibt? - Der gute Teil dieser Änderung. Das Risiko, dass sich die Winzlinge bei mir oben einnisten ist damit gedämmt. Es hätte nur noch wenig gedauert, bis sie es geschafft hätten, die ganze Treppe zu mir hinauf zu kommen.

Strassenarchitektur. Meine neuste Kreation, ein Gebärhaus für Katzen.
A propos wohnen. Seit drei Tagen ist eine unheimlich dicke hochschwangere Katze immer bei der hinteren Türe, ich denke, sie möchte hinein kommen zum Gebären. Doch ist das nicht möglich, im Erdgeschoss kann man nicht einfach ein Fenster offen lassen, denn sonst haben wir bald Duzende von Katzen im Haus. Ich habe deshalb mit Sachen, die im Erdgeschoss herum lagen, ein regensicheres Hütchen gebastelt für die Mutter. Allerdings ist sie wirklich riesig, ich bin nicht sicher, ob sie dort gebären kann. Doch als Aufzuchtsort für Kätzchen ist es sicherlich geeignet, mindestens meine zwei Kleinen haben es sofort als Spielhütte entdeckt. Die werdende Mutter hat ihnen dabei zugeschaut, hoffentlich hat sie kapiert. Das Häuschen hat weiter den Vorteil, dass es hier im Strassenbild nicht auffällt. Ganz normaler Abfall.

Sonntag, 25. März 2018

2018.03.20, Sansibar

Nach der frustrierenden Sitzung von gestern Abend gehe ich erst einmal ins Serena Hotel einen Gin Tonic trinken. Der kostet dort, in gediegener Atmosphäre und mit bester Bedienung genau gleich viel wie in irgend einem anderen Lokal. Das *****Hotel scheint die Nebensaison zu spüren, ich bin der einzige Gast.

Abendstimmung beim Serena Hotel
Anschliessend spaziere ich durch die Forodhani Gardens nach Hause, der Rummel dort hat noch nicht begonnen, es ist zu früh. Unter einem Gebüsch sehe ich ein kleines Kätzchen ganz allein, auch es ist einäugig oder, vielleicht auch nur stark verschmutzt, die eine Hälfte des Gesichts ist braun verkrustet. Spontan entscheide ich, dass dies der Spielgefährte von E.T. wird, wenn ich schon eine einäugige Katze habe, dann können es auch noch zwei werden.
Der Kleine, es ist ein Bub, ich werde ihn „Foro“ nennen, so wie die Leute hier zärtlich die Gärten benennen, beginnt in meinen Armen sofort zu schnurren, als Kätzchen aus dieser Essbudenstätte, ist er sich Leute gewohnt. 

E.T. oben und Foto darunter. Bei den Katzen herrscht eindeutig das Matriarchat.

Bereits sehr relaxed, der kleine Foto, ein süsser Kerl. Ich hoffe, das mit dem Auge kommt wieder gut bei sorgfältiger  Pflege.

E.T. reagiert freudig auf den Neuen und springt ihn sofort an und will spielen, der Kleine reagiert darauf, doch ist er noch lange nicht so fit. Er möchte vor allem essen, seinen neuen Ort erkunden und bei mir schmusen, er scheint die Mutter zu vermissen. War er wohl wirklich ganz alleine oder war da noch eine Mutter, die einfach gegen diese Verschmutzung, jemand muss ihm etwas, ich hoffe nicht Fett, über den Kopf geleert haben, hilflos? Der Tierarzt Rama kommt heute die beiden Kleinen anschauen und gegen Würmer behandeln. Und gegen alles andere, was notwendig scheint.


Freitag, 23. März 2018

2018.03.19, Sansibar

Übermorgen wird der Sansibari, der in Österreich verheiratet ist und Manager vom Lukmaan werden soll, hier ankommen. Ich bin etwas erstaunt, wurde ich doch nicht mehr informiert, dabei bin ich es, die die ersten drei Monatssaläre bezahlt.
Ajba sitzt nun jeden Tag im Mkunazini Lukmaan, sie ist eine recht gute Gastgeberin geworden und nörgelt nicht mehr nur dauernd an den Angestellten herum, sie scheint ihre Berufung gefunden zu haben. Stolz erzählt sie mir, dass sogar berühmte Schauspieler und Minister im Lukmaan essen kämen. Salum sah ich gestern Nachmittag, er hatte alle Angestellten versammelt. Er erzählte mir, dass er ihnen vom neuen Management erzählt habe. Nur deshalb weiss ich nun, dass der zukünftige Manager übermorgen hier ankommt.



Aber das passt recht gut zu der GV, die ich heute mit Hifadhi hatte, der Gesellschaft zur Rettung der Stone Town Häuser, es war das erste Mal seit drei Jahren, dass ich auch dabei war. Offensichtlich bin ich überhaupt nicht mehr auf dem Laufenden über die Leute, die nun das Sagen haben, einzig Muhammad, der mich ja auch dazu gebracht hat, dort einen Anteilsschein zu kaufen, kenne ich. Als ich an der Sitzung, offizieller Termin 16 Uhr, auftauchte, war die bereits voll im Gang. Ich war etwas erstaunt, gehöre ich doch normalerweise immer zu den ersten hier. Dann bemerkte ich, dass die anderen bereits auf eine frühere Zeit  eingeladen wurden, die nennen sich „board“, ich nehme an, das soll etwas wie Verwaltungsräte heissen, ich bin die einzige „nur“Inhaberin von Anteilscheinen und deshalb erst auf später eingeladen wurde. Obwohl ich im Moment sehr wichtig bin, denn eigentlich wollte man mir die vollen Reise- und Aufenthaltsspesen von Berend, dem holländischen Architekten und Berater von Hifadhi aufhalsen, plus zusätzlich ein Honorar von 400.- täglich. Ich fand das zu teuer, schliesslich geht es erst darum zu schauen, ob ich überhaupt mit Hidfadhi den Umbau der neuen Liegenschaft angehen will, denn auch Salum findet, dass es diesmal einen Architekten brauche, er sei überfordert. Nach Beratung mit Muhammad einigte ich mich direkt mit dem Architekten auf je die Hälfte der Spesen und kein Honorar so lange kein Auftrag, denn schliesslich bin ich ja auch Teilhaberin von Hifadhi und deshalb daran interessiert, dass es weiter geht. Jetzt, wo offensichtlich die holländische Botschaft nach 5 ergebnislosen Jahren, das ganze Projekt finanziell nicht mehr unterstützen will, die haben bisher die Reisen der Berater bezahlt. Auch die zwei Grossaktionäre Bahreza und Nicolas von der „Coastal Airlines“ - inzwischen bei einem Flugzeugabsturz tragisch ums Leben gekommen - haben ihr Sponsoring aufgehört, wir alle möchten jetzt einmal Resultate sehen.


Aussicht von dem Haus in Kiponda, dem ersten realistischen Projekt  von Hifadhi - Behrend soll deswegen nach Sansibar kommen - Richtung Mizengani Seafront Hotel und Richtung unser Haus.
Mir ist das ganze langsam äusserst suspekt, das Vertrauen fehlt. Mit Muhammad hätte ich gerne noch gesprochen, doch der verreist direkt aus der Sitzung für drei Wochen zu seiner Frau nach Frankreich. Muhammed will immer alles und überall dabei sein, doch fehlt ihm die Zeit und vielleicht auch die Ausdauer, die Sachen dann auch zu überwachen und zu Ende zu führen.

Mittwoch, 21. März 2018

2018.03.15, Sansibar


Ich raffe mich endlich wieder auf, Sachen zu machen. Will etwas fertig nähen und benutze erstmals die frisch reparierte Maschine. Schon bei der zweiten Naht blockiert sie. Wütend schraube ich das ganze Gehäuse auseinander. Erstaunlich einfach, was dahinter steckt. Ich entstaube, betätige die verschiedenen Schalter und schaue was passiert und bringe etwas Öl an verschiedenen Stellen an. Dann setze ich das ganze wieder zusammen, keine Schraube fehlt, und erst jetzt realisiere ich, dass bei diesen Blockierungen eigentlich immer nur ein Schalter falsch eingestellt war, den ich unbemerkt betätigt haben muss. Ich bin etwas stolz auf das Gelingen meiner Prozedur und denke, dass der Handwerker, der die Maschine normalerweise flickt, das wohl  schon lange bemerkt hat, mir aber nie gesagt hat, weshalb die Maschine regelmässig blockiert.

Handbemalte Bodenplatte  mit Holzimmitat auf Holz
Ein zweites Erfolgserlebnis habe ich, als ich das Plattenstück im Boden der Erdgeschosswohnung  mit Ölfarbe bemale. Es wird benötigt, weil der Zugang zu einer Leitung gewährt bleiben muss. Ich imitiere das Holzimitat. In erstaunlich kurzer Zeit gelingt mir ein gutes Resultat.

Weniger erfolgreich sind die zwei Telefonate. Sarah hat wenig Verständnis für meine Zweifel an Dr. Rama und scheint keine Freundin der Holländerin zu sein. Umgekehrt scheint mir diese Anna doch eine recht unausgeglichene Frau, ob da eine Zusammenarbeit Sinn macht? Ich erfahre auch, dass sie die Besitzerin und Betreiberin der Tierfarm ist, jedoch von der Organisation, die sich worldwidevets.com nennt und eine tolle Website im Internet hat, ihre Volunteers bezieht. Worldvidevets besteht aus einer einzigen Person, Danielle Toll, die diese Volunteers übers Internet organisiert - die bezahlen pro Woche 450.- Dollar, für längere Zeiten ist es günstiger. Ich frage mich nun, wie dieses Geld verteilt und verwendet wird. Das ganze Geschäft mit Freiwilligenarbeit ist mir doch recht suspekt. Eigentlich würde ich viel lieber erst nach tierliebenden jungen Einheimischen suchen und die dann von Anna, beziehungsweise deren Tierarzt zum Fangen und zur Pflege ausbilden lassen und sie auch entlöhnen.

Freitag, 16. März 2018

2018.03.14, Sansibar

Die Erdgeschosswohnung ist endlich fertig renoviert und eingerichtet, Salum möchte sie möbliert an Ausländer vermieten. Ich habe darauf gedrängt, denn ich finde, da müsste endlich auch einmal etwas Geld herein kommen. Er hat alles - mindestens ästhetisch - sehr perfektionistisch gemacht, da gab es immer wieder ein Detail zu verbessern, ich dachte, das nehme kein Ende.

Salum hat die Erdgeschosswohnung nach seinem Geschmack renoviert, ich finde, etwas schweizerisch, doch das kann schon gefallen. Doch bin ich immer noch nicht überzeugt, dass sich Mzungus finden lassen für eine Erdgeschosswohnung in einem doch recht populären Quartier.
Das grosse Fenster und die Türe gehen direkt auf das Gässchen hinaus, da muss man schon Kontakt mit Einheimischen mögen.
Theresia hat geputzt und vorbereitet, ihre Spezialität ist das Drapieren der Moskitonetze.