Donnerstag, 2. Januar 2014

30.Dezember 2013







Wie abgemacht, stehe ich um neun Uhr morgens vor dem Malindi House und sehe, dass bereits eine ganze Gruppe von Handwerkern vor dem Haus herum sitzt. Mein Plattenleger ist allerdings noch nicht dabei. Ich bereite ihm seine Arbeit vor und gehe dann ins nahe gelegene Mercureys, das wird sicherlich mein Stammlokal werden - ist es schon - einen Kaffee trinken. Viele der Fotos vom Meer habe ich übrigens aus diesem Restaurant aufgenommen, jetzt mit dem angenehmen Nordostpassat ist es am Morgen perfekt kühl dort. Schon wieder läuft ein Fährschiff nach Daresalaam aus. Viele neue Boote. Kleiner als die früheren, dafür, scheint mir, verlässt nun bald im Stundentakt ein Schiff den Hafen Richtung Daresalaam, jetzt gerade die Kilimanjaro IV. Da gab es doch diese erste Kilimanjaro, das ist auch noch nicht lange her. Ein grosses Schiff und eine Fehlkonstruktion, die musste mit Wassertanks auf dem Deck stabilisiert werden. War sie es wohl, die auf dem Weg nach Pemba gesunken ist? In den vergangenen zwei Jahren gab es zwei grosse Fährunglücke bei Sansibar. Ein Schiff ist in der Meerenge zwischen Sansibar und Pemba gesunken, einer immer aufgewühlten See, Unwetter sogar sei damals gewesen. Das zweite Unglück passierte direkt im Hafen von Sansibar. Eines dieser flachen Fährschiffe, die normalerweise am Strand landen, sei in den Hafen dirigiert worden, viele Passagiere darauf, wo dies eigentlich auf diesen Schiffen gar nicht erlaubt sei, die hätten kontrolliert werden sollen. Im tiefen Hafen dann ist das Schiff beim Aussteigen der Passagiere umgekippt, praktisch alle Insassen sind ertrunken. – Jetzt sehe ich im Hafen nur noch zuverlässig aussehende neue Schiffe und mache mir keine Sorgen, nächstens nach Daresalaam zum Einkaufen zu fahren.

Gleich östlich des Mercureys beginnt der eigentliche Hafen, normalerweise nicht unbedingt eine attraktive Angelegenheit, hier jedoch, bezaubert mich dieser Ort völlig, stundenlang könnte ich zuschauen. Erst die Anlegestelle für die Fährschiffe, dahinter dann ein Quai an dem nun wieder grosse Containerschiffe entladen werden können, beziehungsweise ein einziges aufs Mal. Direkt vor dem Restaurant und Richtung Westen, den Forodahni Gardens, ein kleiner Sandstrand, am Abend immer bevölkert von Einheimischen, davor dümpeln Fischerboote im Wasser, ab und zu fährt ein Dahu Richtung Shanganispitze, heute mit dem guten Wind flitzt es gar und hüpft über die Wellenberge.

Dann wieder dieses wunderbare Gefühl in mir, das ich schwer beschreiben kann. Das Schwebende, das leicht Entrückte, das mich überkommt. Das grelle Licht, die tiefen Schatten, der schwüle Wind, ein Film, ich Beobachterin, alles irgendwie in Zeitlupe abgespult jedoch nicht im geringsten langweilig, ein Gefühl des Wohlseins, des nicht  mehr Bedürfens, das sich ab und zu bei mir auf Reisen einstellt, häufig hier in Sansibar. Die Zeit hat keine Bedeutung mehr. Überhaupt nichts hat mehr Bedeutung, einfach sein. 

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