Mittwoch, 25. April 2007

23.März 2007




















23.März 2007

Zurück in Sansibar nach zwei arbeitsreichen Monaten in der Schweiz. Weit weg war ich von hier. Fragte mich beinahe, ob das hier alles nicht nur ein Traum. Die Realität  ist für mich immer gerade dort, wo ich bin, wo ich lebe. Alles andere scheint unbedeutend. Und habe deswegen manchmal Schuldgefühle, komme mir vor wie eine untreue Person. Andere Leute haben Heimweh. Ich höchstens manchmal Sehnsucht. Aber auch das nicht dauernd. Häufig bin ich viel zu sehr beschäftigt mit meiner Gegenwart.

Ist es gleich wie anfangs November, als ich das erste Mal mit riesiger Ungewissheit hier zurück auf der Tropeninsel auftauchte? Manches schon. Die Hitze, die mir zu schaffen macht. Der Körper, der à tout prix nicht so arbeiten will, wie ich mir das gewohnt bin. Ich muss mich daran gewöhnen weniger zu wollen. Auch diesmal.

Zurück von einer Tour in die Stadt. Es gibt immer vieles zu erledigen.
Ali fährt gleich weiter, er müsse noch das Geld für die Chapatis bringen. Das macht er fast jeden Abend. Sowie er auch das Geld für die Fische jeweils am späten Abend auf den Fischmarkt bringt. Weil am Morgen, wenn sie im Restaurant die Fische brauchen, noch nicht genug Geld in der Kasse ist, um sie zu bezahlen. Das kann er erst, wenn wieder Essen verkauft worden ist. Keine Reserven. Und immer noch auch kein Einkommen aus dem Restaurant. Die Tatsache, das derartig wenig Reserven vorhanden sind ist merkwürdig für uns, hier aber wohl normal.

Daneben versuchte ich, irgendwie mit meinem Labtop ins Internet zu kommen. Bisher allerdings vergeblich, aber vielleicht auch dies nächste Woche.

Unsere Katze. Ali hat ein wirklich witziges und sehr anhängliches und sanftes Kätzchen geholt. Es „Laila“, Nacht auf arabisch (auf Swahili heisst das „usiku“) getauft, denn es ist schwarz mit weissen Markierungen. Laila ist ein Name für Frauen. Und dass es ein Weibchen sei hat der Ali auch geglaubt. Nur dass wir nun festgestellt haben, dass der Laila Hoden wachsen. Also ein Kater. Aber ein ganz Lieber. Sehr anhänglich, lässt sich vom Ali widerstandslos baden. Der verwendet dazu Abwaschmittel und kaltes Wasser. Nicht dass Laila das lieben würde. Aber er lässt es mindestens geschehen. Genauso, wie das auf-den-Hinterpfoten-laufen lernen. Ali packt ihn an den Vorderbeinen und macht mit ihm Gehübungen wie mit einem kleinen Kind.

Obwohl das Haus nun bereits viel besser eingerichtet ist, bleibt natürlich immer noch eine riesige Umstellung. Werkzeug fehlt, ich bin selbst froh, um die alten Lappen, die ich diesmal in den Koffer gepackt habe und die für so vieles benutzt werden können. - Das bedeutet Improvisieren bei allem. Ist zwar manchmal ganz lustig und kreativ, braucht aber auch viel mehr Zeit. Wahrscheinlich kann man aber nur so das Leben der Leute hier wirklich verstehen. - Obwohl ich ja bereits sehr verwöhnt bin. Wir haben nun selbst eine Waschmaschine und das ist wirklich eine grosse Erleichterung und spart Zeit. Kochen muss ich eigentlich nicht, wir können im „Lukmaan“ essen. Wenn ich das tue, so ist das freiwillig. Und ich koche auf einem kleinen Elektroherd, in der Schweiz wäre das ein Campingkocher. Aber immerhin, der funktioniert, ich muss nicht erst ein Feuer entfachen, bevor ich überhaupt mit dem Kochen beginnen kann. Und vermutlich vorher irgendwie noch Holz organisieren, denn man kauft ja alles erst gerade dann, wann man es braucht. Keine Reserven. Und vielleicht leiht man das Holz auch nur bei einer Nachbarin aus, weil gerade kein Geld im Haus ist. Verspricht es Morgen zu ersetzen. In der Hoffnung, Morgen dann auch wirklich das nötige Geld irgendwie zu haben. Wie, das wissen meistens nur gerade die Götter. Inshallah.

Weiter fällt mir die Unbeständigkeit der Sachen auf. Die Bar in unserer Strasse hat inzwischen bereits wieder geschlossen. Zum Glück, es ist sehr viel ruhiger geworden. Allerdings auch etwas unheimlich finster in der Gasse, wenn man im Finsteren nach Hause kommt. Doch „Shangani“ ist ein sicheres Quartier. Aber den richtigen Schlüssel im Dunklen zu finden trotzdem eine Plage. - Auch andere Geschäfte sind wieder verschwunden. Während Neue eröffnet wurden. Und es wird momentan sehr viel renoviert und gebaut. Die Stadt scheint auch eine Verschönerungsaktion geplant zu haben, alle öffentlichen Grünflächen wurden vom Unrat befreit. Ob das wohl anhält? Geschäfte sind geschlossen, neue aufgetaucht, so viel Geld wird optimistisch investiert – und häufig in den Sand gesteckt. Hoffentlich geht das mit dem „Lukmaan“ besser.
Auch hier gab es zwar Wechsel, ein paar Leute haben aufgehört zu arbeiten, Neue sind dazu gekommen. Auch der Milchmann kommt nicht mehr. Seine Milch sei in letzter Zeit immer verdorben gewesen. Ich bedaure das, er war ein sehr freundlicher Mensch. Einer der wenigen, mit dem ich sitzen konnte und mich wohl fühlte, selbst wenn da wenig Kommunikation möglich war. – Alles vergeht hier sehr rasch, die Dinge sind nicht von Dauer, das Klima nagt und auch sonst scheint irgendetwas gegen die Beständigkeit zu kämpfen.

Was mir auch auffällt ist das Licht. Trüb-schwere Wolken jetzt häufig und finster, dann wieder grelles, brennendes Sonnenlicht. Und in den Häusern meist ein Dämmerlicht. Selbst in unserem an und für sich sehr hellen Haus. In der Hitze ist es besser, die Läden zu schliessen, sogar wenn die steil herunter brennende Sonne die Fassaden selten berührt. – Auch in der Nacht sind die Häuser meist schlecht beleuchtet, das Lesen ist anstrengend.

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